Frühjahrsprojektion der Regierung: Nur noch 0,5 Prozent Wachstum erwartet
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Die Bundesregierung hat ihre Konjunkturerwartung nach unten korrigiert. Nach der neuen Frühjahrsprojektion des Bundeswirtschaftsministeriums wird für das laufende Jahr nur noch ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent erwartet. Noch zur Jahreswende war die Ausgangslage günstiger eingeschätzt worden.
Als Hauptgrund nennt das Ministerium die verschärfte geopolitische Lage. Bereits zu Jahresbeginn habe die Konjunktur Anzeichen der Abkühlung gezeigt. Mit dem Krieg im Nahen Osten und der faktischen Sperrung der Straße von Hormus seien dann zusätzliche Belastungen hinzugekommen. Die Folge seien Engpässe und steigende Preise bei Energie und anderen Rohstoffen, die Unternehmen wie private Haushalte in Deutschland träfen. „Unsere Projektion fällt um 0,3 Prozentpunkte niedriger aus als vor Beginn des Krieges“, so Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag.
Für 2027 rechnet die Bundesregierung mit einem realen BIP-Zuwachs von 0,9 Prozent. Die Inflationsrate soll in diesem Jahr bei 2,7 Prozent und im kommenden Jahr bei 2,8 Prozent liegen.

Auch der internationale Handel bleibt nach Einschätzung der Bundesregierung unter Druck. Protektionistische Maßnahmen und eine zunehmende Fragmentierung belasteten das Umfeld zusätzlich. Die Exportentwicklung bleibe schwach, auch wegen einer nachlassenden Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.
Getragen werde die wirtschaftliche Entwicklung vor allem von der Binnennachfrage. Steigende Realeinkommen stützten den privaten Konsum trotz der Kaufkraftverluste infolge des Energiepreisschocks. Hinzu kämen fiskalische Impulse, die Investitionen anregen sollen. Auch höhere Staatsausgaben, insbesondere für Infrastruktur und Verteidigung, sollen zur Belebung der Wirtschaft beitragen.

Das Ministerium betont zugleich die große Unsicherheit der weiteren Entwicklung. Wie stark sich die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten erhole, hänge wesentlich vom weiteren Verlauf des Konflikts im Nahen Osten ab. Deshalb weist das Bundeswirtschaftsministerium nach eigenen Angaben erstmals ergänzend zur Frühjahrsprojektion auch Szenarien aus, die alternative Entwicklungen bei den Energiepreisen simulieren.
„Selbst wenn wir von den rechtlichen Problemen einer Übergewinnsteuer absehen, bergen Maßnahmen, die gegenwärtig diskutiert werden, erhebliche Nebenwirkungen. Wer Öl- oder Benzin produziert und damit handelt, muss damit die Kraftstoffe auch nicht in Deutschland verkaufen, sondern bietet sie dann anderen Ländern an“, so Reiche in der Pressekonferenz. Man müsse Deutschland als Raffineriestandort stärken.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)
„Dreihunderttausend Jobs verloren gegangen“
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärt in einer Pressemitteilung: „Die für dieses Jahr erwartete wirtschaftliche Erholung wird einmal mehr durch externe geopolitische Schocks ausgebremst. Der Krieg im Iran treibt die Preise für Energie und Rohstoffe in die Höhe. Das belastet die privaten Haushalte und erhöht die Kosten für die deutsche Wirtschaft.“

Zugleich verwies Reiche auf bereits beschlossene Maßnahmen der Bundesregierung. „Mit dem Kraftstoffmaßnahmenpaket und mit dem Energie-Sofortprogramm haben wir als Bundesregierung schnell und entschlossen reagiert, um die Bürger und unsere Unternehmen zu entlasten. Das hilft kurzfristig, löst aber nicht die strukturellen Ursachen der deutschen Wachstumsschwäche.“
Die Ministerin machte deutlich, dass sie über kurzfristige Hilfen hinaus weitreichendere Reformen für nötig hält. „Für eine wieder wachsende und wettbewerbsfähige Wirtschaft brauchen wir zusätzlich tiefgreifende Strukturreformen. Wir müssen die im internationalen Vergleich viel zu hohe Steuer- und Abgabenlast angehen, die Energiekosten senken und Bürokratie abbauen. Unsere Unternehmen brauchen wieder Luft zum Atmen – vom Start-up über den Mittelständler bis zum DAX-Konzern. Deutschland kann mehr, wenn wir Innovationen ermöglichen, statt den Status quo zu verwalten.“
Bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag erklärte Reiche auch: „In den drei vergangenen Jahren sind über dreihunderttausend Jobs verloren gegangen.“ Man spüre auch die „demographischen Entwicklungen in unserem Land“. Die „Erwerbsbevölkerung“ werde schrumpfen. „An der Demografie ist wenig bis gar nichts zu drehen“, so die Ministerin. Das „Arbeitsangebot, das rein demographisch vorhanden ist, wird kleiner werden“. Daraus müsse man „Konsequenzen ziehen“.

Die Ministerin weiter: „Selbst wenn heute die Straße von Hormus sich öffnen würde, würde es Wochen dauern, bis wir in einen normalen Fluss kommen, bis die Produktion wieder hochgefahren ist.“ „Ich sehe keine Rezession, aber wir beschäftigen uns mit allen Szenarien.“
„Die deutsche Wirtschaft befindet sich auf einem kleinen Erholungskurs, aber der Gegenwind hat zugenommen“, so Reiche.
Bezugnehmend auf die SPD-Blockade bei Reformen sieht die Ministerin laut eigener Aussage „Bewegung“. Die Reformen müssen „schnell“ auf den Weg kommen, so die Ministerin. Die Puffer seien aufgebraucht und „Strukturveränderungen sind nötiger denn je“.

Die wichtigsten Zahlen
Beim Wachstum fällt die Projektion deutlich magerer aus: Für 2026 erwartet die Bundesregierung nur noch ein reales Plus von 0,5 Prozent, für 2027 dann 0,9 Prozent.
Auch bei den Preisen bleibt die Lage angespannt. Die Inflationsrate soll 2026 bei 2,7 Prozent liegen und 2027 sogar leicht auf 2,8 Prozent steigen.
Die Bundesregierung setzt vor allem auf die Binnennachfrage. Der private Konsum soll real 2026 um 0,4 Prozent und 2027 um 0,5 Prozent wachsen.
Impulse sollen außerdem von den Investitionen kommen: Die Bruttoanlageinvestitionen werden für 2026 mit einem Plus von 1,6 Prozent veranschlagt, 2027 dann mit 3,0 Prozent.
Vom Außenhandel erwartet die Regierung dagegen zunächst kaum Rückenwind. Die Exporte stagnieren 2026 bei 0,0 Prozent und sollen erst 2027 wieder um 1,3 Prozent zulegen.
Am Arbeitsmarkt rechnet die Bundesregierung nicht mit einer spürbaren Entspannung: Die Arbeitslosenquote soll 2026 wie 2027 bei 6,3 Prozent liegen.
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