Gewerkschaft empört: Deutsche Bahn kauft Elektrobus-Flotte in China
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Die Deutsche Bahn will ihre Busflotte modernisieren und greift dabei in großem Umfang auf Elektrofahrzeuge aus chinesischer Produktion zurück. Dieser Schritt sorgt innerhalb der Branche für erheblichen Unmut. Besonders die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) reagiert empört auf die Entscheidung des bundeseigenen Unternehmens, berichtet der Spiegel.
Nach Informationen aus dem Umfeld des Vergabeverfahrens soll der chinesische Hersteller BYD einen umfangreichen Zuschlag erhalten haben. In einem der ausgeschriebenen Lose ist von rund 700 Bussen die Rede, insgesamt geht es um mehrere Tausend Fahrzeuge. Neben BYD kamen auch „Zhongtong Bus“ sowie „MAN“ zum Zuge. Die Bahn selbst weist diese Größenordnung zwar zurück, nennt jedoch keine alternativen Zahlen und verweist auf das noch laufende Verfahren. Es handele sich um europaweite Ausschreibungen für mehrjährige Rahmenverträge, teilte ein Sprecher mit. Die Vergaben an BYD und Zhongtong erfolgten über deren europäische Tochtergesellschaften.

Martin Burkert, Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
„Ein schlechter Scherz“
Für EVG-Chef und Bahn-Aufsichtsratsvize Martin Burkert ist der Schritt kaum nachvollziehbar. Er kündigt an, das Thema im Aufsichtsrat auf die Tagesordnung zu setzen. Vor allem der politische Kontext macht die Bestellung aus seiner Sicht brisant: Erst vor wenigen Wochen hatte die Bundesregierung die deutsche Wirtschaft ermahnt, mehr Standortpatriotismus zu zeigen und heimische Arbeitsplätze zu sichern. Dass nun gerade ein Staatskonzern in Asien einkaufe, sei „ein schlechter Scherz“, so Burkert.
Die Forderung nach wirtschaftlicher Loyalität war zuletzt vor allem aus der SPD gekommen, die eng mit der EVG verbunden ist. Co-Parteichef Lars Klingbeil hatte betont, Unternehmen müssten im Gegenzug für staatliche Unterstützung eine stärkere Bindung an Deutschland zeigen. Für Burkert ergibt sich daraus nun auch eine Verantwortung des Eigentümers Deutsche Bundesregierung: Wenn deutsche Jobs unter Druck geraten, müsse die Politik eingreifen.

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte betont, Unternehmen müssten im Gegenzug für staatliche Unterstützung eine stärkere Bindung an Deutschland zeigen.
„Aggressive Kampfpreise“
Die Gewerkschaft warnt zudem vor systematischen Dumpingpreisen chinesischer Hersteller. Diese drängten mit „aggressiven Kampfpreisen“ in den europäischen Markt, was langfristig die hiesige Industrie gefährde. Tatsächlich baut BYD seine Präsenz in Europa aus – unter anderem mit der Erweiterung eines Werks in Ungarn, das künftig bis zu 1.250 Busse jährlich fertigen soll.
Für die Bahn ist der Einkauf chinesischer Modelle nicht völlig neu. Bereits 2021 orderte die Regionaltochter DB Regio erstmals Elektrobusse bei BYD. Der Konzern zählt weltweit zu den am schnellsten wachsenden Herstellern von Elektrofahrzeugen und hat im vergangenen Jahr Tesla beim Umsatz überholt.
Während die politische Debatte an Fahrt gewinnt, bleibt die Bahn bei ihrem generellen Kurs zurückhaltend. Vor Abschluss der Ausschreibung werde man keinerlei Details kommentieren – weder zur Zahl der Fahrzeuge noch zu den Preisen. Fest steht jedoch: Die gewerkschaftliche Kritik erreicht das Unternehmen zu einem Zeitpunkt, in dem die Bundesregierung von der Wirtschaft ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort Deutschland verlangt. Genau das sehen die Kritiker bei diesem Großauftrag infrage gestellt.
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