Präsident des Elektroindustrieverbandes Gunter Kegel: „Sozialausgaben von 50 Prozent sind eine Katastrophe“
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Er ist Präsident des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI). Bei der Hannover-Messe hielt er eine der Eröffnungsreden. In einem Interview mit der Welt sagt Gunter Kegel, warum er die Kosten für das deutsche Sozialsystem für erdrückend hält.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen:
Worin der größte Reformbedarf besteht
„Ich erspare mir jetzt die übliche Litanei mit Steuerreform, Bürokratieabbau und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Was wirklich schnell und grundlegend reformiert werden muss, sind die Sozialsysteme. Das fängt bei der Gesundheit an und hört bei Renten auf. Die Kosten dafür erdrücken sowohl die Unternehmen als auch die Arbeitnehmer. Sozialausgaben im Bereich von an die 50 Prozent sind eine Katastrophe. So können wir nicht weitermachen, das führt den Staat an den Abgrund. In weiten Teilen der Politik scheint das aber komischerweise nicht anzukommen. Und das zweite große Thema sind für mich die Stromkosten. Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken. Passiert ist seitdem nichts.“
Über die Strompreise
„Eine Absenkung der Stromsteuer wäre eine schnelle, breite und spürbare Entlastung für Wirtschaft und Bevölkerung mit noch dazu positiven Auswirkungen auf das Klima durch mehr Elektrifizierung. Die Gleichung ist doch ganz einfach: Wenn der Strompreis niedrig ist, kaufen sich die Leute ein Elektroauto und eine Wärmepumpe – und zwar völlig ohne Zwang. Kaufprämien sind nur ein Mitnahmeeffekt, der beispielsweise beim Auto in eine bessere Ausstattung fließt. Entscheidend sind immer die Betriebskosten. Bei den Unternehmen wiederum würde eine Absenkung der Stromsteuer zu geringeren Kosten und damit zu mehr Wettbewerbsfähigkeit führen.“
Wo wir bei der Elektrifizierung stehen
„Wir haben bei Weitem nicht die Geschwindigkeit, die wir bräuchten, um die Klimaziele für 2045 zu erreichen. Aber schon jetzt ist absehbar, dass wir sie im Gebäudesektor verfehlen. Für den Verkehrssektor bin ich ebenfalls pessimistisch. Zwar stehen Elektroautos derzeit wieder im Fokus angesichts der hohen Spritpreise. Aber für den Lkw-Bereich ist weiter keine Lösung in Sicht. Da läuft immer noch ein Richtungsstreit, ob man auf Brennstoffzellen setzen soll, auf Batterieelektrik oder auf eine andere Technologie. Und dann gibt es ja auch noch die Luftfahrt. Dort sind E-Fuels bislang die einzige Alternative für klassische Verkehrsmaschinen. Davon gibt es aber nicht genug. Sämtliche Kapazitäten weltweit wären schon nach wenigen Tagen aufgebraucht.“
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