In 3 Monaten mehr als 100.000 Arbeitsplätze weg: Ist die deutsche Automobilindustrie in Gefahr?
Ein Beitrag von
Die deutsche Automobilindustrie steckt in einer tiefen Krise. Gereifte Strukturen, die auf dem Erfolg des deutschen Verbrenner-Motors basieren, stehen bei zahlreichen Unternehmen auf dem Prüfstand. Die Unternehmen fallen in einen Preiskampf der E-Mobilität mit Unternehmen aus China, die vor fünf Jahren noch niemand kannte.
Die Konsequenzen sind enorm. Weil E-Autos deutlich weniger Teile benötigen, brechen in der gesamten Industrie die Stellen weg. Nicht nur international, auch bei uns im Land sind durch Subventionen und Dienstwagen-Vorteile vor allem Autos mit E-Antrieb gefragt.
30.000 Stellen in wenigen Monaten abgekündigt
Die rasante Entwicklung hinterlässt eine der reichsten Industrien in Handlungsnot. Der Personalstamm muss schrumpfen. Standortvorteile, etwa mit günstigem Strompreis, im Ausland werden genutzt, damit die Produktion von Autos überhaupt noch gewinnbringend ist.
- Volkswagen möchte seine Verwaltung verschlanken. Ein Fünftel der Mannschaft wird dafür eingespart – das sind etwa 8.000 Jobs. Der Konzern möchte sich jedoch nicht auf eine Zahl festlegen.
- Zuliefer-Gigant Continental will ab 2025 jedes Jahr 400 Milliionen Euro sparen. Dafür müssen laut dem Handelsblatt etwa 5.500 Stellen gestrichen werden. Das Werk in Gifhorn mit 450 Mitarbeitern schließt komplett.
- Michelin stellt Teile seiner Produktion in Deutschland komplett ein. Betroffen sind 1.500 Stellen.

„Schwarze Reifen – grüne Herstellung“ schrieb Michelin 2021 über das Werk Karlsruhe. Die gestiegenen Energiekosten lassen die Perspektiven für Hunderte Mitarbeiter nun duster aussehen.
- Bosch vermeldet in seiner Antriebs-Sparte eine angespannte Situation und möchte in Zukunft ebenfalls 1.500 Stellen einsparen.
- Automobil-Zulieferer ZF steckt in der Krise: Der Betriebsrat sieht Verhandlungen über die Zukunft von 5.000 Mitarbeitern als gescheitert. Bis 2028 könnten es sogar 10.000 gestrichene Stellen sein.
- Außerdem schließt ZF seine Werke in Gelsenkirchen sowie Eitorf (NRW). In Eitorf war ZF der größte Arbeitgeber. Zusammen fallen etwa 800 Jobs weg.
- Reifenhersteller Goodyear schließt nächstes Jahr sein Werk in Fulda. 1050 Mitarbeiter sind betroffen.
- Der Automobilzulieferer GKN Driveline wird sein Werk in Zwickau schließen. 850 Menschen verlieren ihren Job.
- Zulieferer Autoliv schließt sein Werk in Elmshorn. Mehr als 500 Mitarbeiter sind betroffen.
- Zulieferer Magna (u.a. Spiegel) will sein Werk in Dorfprozelten (Bayern) schließen. 500 Stellen sind betroffen.
Leiharbeiter in der Kalkulation nicht berücksichtigt
Bevor es jedoch an den Kern eines Unternehmens geht, haben vorher schon zahlreiche Leiharbeiter ihre Taschen packen müssen. Eine Studie beleuchtet die Situation in Baden Württemberg: Dort rechnet die Landesagentur e-mobil BW bis zum Jahr 2030 mit dem Wegfall von bis zu 66.000 Stellen – nur in der Automobilbranche des Bundeslandes.

Stefan Bratzel sieht den Umstieg auf E-Mobilität als Katalysator für den Stellenabbau.
Experte: Stellenabbau in der gesamten Industrie
„Ich rechne ganz klar mit einem Stellenabbau in der gesamten Autoindustrie“, prophezeite Stefan Bratzel, Leiter des Center of AManagement an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach gegenüber NTV bereits im November 2023. „Die deutsche Autoindustrie muss sparen, sparen, sparen“, bestätigte Frank Schwope, Lehrbeauftragter für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule des Mittelstands.
E-Mobilität als Grund für Spardruck
Bereits vor fünf Jahren schätzte Bratzel, dass die Transformation auf E-Mobilität in der Branche rund 800.000 Arbeitsplätze kosten würde – inklusive Stellen in Produktion, Handel, Service. Diese Einschätzung sieht er jetzt bestätigt. Ein Verbrennermotor benötigt etwa viermal so viele Bauteile wie ein elektrischer Antrieb.
Chinesische Konkurrenz sorgt für Preisdruck
Experte Schwope erwartet, dass neben Tesla in den kommenden Jahren zahlreiche chinesische Hersteller nach Europa drängen werden.
Gemäß Bratzel müssen deutsche Hersteller dann mit Innovation punkten, denn der Preiskampf wird immer zugunsten Chinas ausgehen, da dort Rohstoffe und Arbeitsleistung günstiger bezogen werden kann. Der Transport nach Europa fällt mit Kosten im dreistelligen Bereich nicht ins Gewicht. Es brauche höhere Ladeleistung und Reichweite und mehr Digitalisierung. 
Günstig und schon jetzt auf deutschen Straßen: der BYD Atto 3
Lesen Sie auch: Die deutsche Produktion befindet sich auf einem Tiefstand
Mehr NIUS:
Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzender Brudermüller: „Die Situation in Deutschland ist viel ernster, als die meisten denken“
Bier seit 1627: Braunschweiger Traditionsbrauerei Wolters stellt Insolvenzantrag
Deutsche sparen vor allem bei Kleidung und Restaurantbesuchen
VW zieht Stellen-Kahlschlag durch: 50.000 Jobs sollen weg
Kredit-Poker: 12.000 Galeria-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Wer einen limitierten Ferrari will, muss zuerst das E-Auto kaufen
Cyberangriff auf dänischen Pharmakonzern! Erpresser verlangen 25 Millionen US-Dollar
Immer teurer: Für viele stirbt der Traum vom Eigenheim
Mehr NIUS:
VW zieht Stellen-Kahlschlag durch: 50.000 Jobs sollen weg
Kredit-Poker: 12.000 Galeria-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Wer einen limitierten Ferrari will, muss zuerst das E-Auto kaufen
Cyberangriff auf dänischen Pharmakonzern! Erpresser verlangen 25 Millionen US-Dollar
Immer teurer: Für viele stirbt der Traum vom Eigenheim
Wird Werbung für Fleischprodukte bald verboten?
SpaceX ist fast so viel wert wie der gesamte DAX
Wirtschaftsrat-Boss warnt: Bundesregierung droht auf dem harten Eis der neuen Zeit auszurutschen
Philippe Fischer
Artikel teilen
Kommentare