Stahl-Boss rechnet mit Klimapolitik ab: „Wir sind Opfer eines politischen Anschlags“
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Ein deutscher Stahlboss rechnet mit der Energiepolitik in Deutschland ab, sagt, er und sein Unternehmen seien „Opfer eines politischen Anschlags“. Stefan Rauber ist Chef des saarländischen Stahlkonzerns Saarstahl (5000 Mitarbeiter, 3,6 Milliarden Euro Umsatz) und benutzt im Gespräch mit der FAZ Begriffe wie „schizophrene Politik“, „Bananenrepublik“ und „Willkür wie in den USA“.
Das Bemerkenswerte: Rauber ist – anders als andere Konzernlenker etwa bei den Chemieriesen BASF oder Evonik – nicht wütend über den ansteigenden CO2-Preis und die Zusatzkosten für die deutsche Industrie. Dem Saarstahl-Chef kann es gar nicht schnell genug gehen mit höheren CO2-Kosten.
Saarstahl und das Schwesterunternehmen Dillinger Hütte hatten 4,6 Milliarden Euro, wovon 2,6 Milliarden Euro staatlicher Zuschuss von Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck waren, in Elektrostahlöfen investiert, um „grünen Stahl“ zu produzieren. Die Hoffnung: ein Preisvorteil für den teuren „grünen Stahl“, sobald der konventionelle Stahl dank CO2-Preis noch teurer ist.

Im Dezember 2023 hatte der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck den Förderbescheid über 2,6 Milliarden Euro übergeben.
Europaweiter Widerstand gegen den CO2-Preis
Gegen den CO2-Preis gibt es inzwischen jedoch europaweit erheblichen Widerstand. Mitte Juli will die EU-Kommission entscheiden, inwiefern das System abgeschwächt wird. Die Einführung des europaweiten CO2-Preises für Mobilität und Wärme ist bereits um ein Jahr auf 2028 verschoben worden. Vor allem die deutsche Chemieindustrie drängt auf eine Reform oder eine gänzliche Abkehr vom sogenannten Emissionshandel.
Auch in der Stahlindustrie gibt es nicht nur Fans der Verteuerung des CO2: Der französische Konzern Arcelor Mittal hatte die grüne Transformation in Deutschland trotz Milliardenförderung von Habeck gänzlich gestoppt.

Die Dillinger Hütte im Saarland
Saarstahl und die Dillinger Hütte hatten jedoch auf die weiteren Preissteigerungen für CO2-Emissionen gesetzt, damit sich das „grüne“ Investment eines Tages rechnet. Wenn das so komme, zitiert die FAZ Rauber, entstehe für die saarländische Stahlindustrie ein massiver Schaden, den die Politik dann auch vollumfänglich entschädigen müsse. Erst habe die Politik das alte Geschäftsmodell mit fossil befeuerten Hochöfen zerstört, jetzt zerstöre sie ohne Not das neue Geschäftsmodell. „Wir sind Opfer eines politischen Anschlags“, zitiert ihn die Zeitung wörtlich.
Werde der Emissionshandel aufgeweicht, verliere die EU ihre Verlässlichkeit und damit eines ihrer wichtigsten Güter, zitiert die Zeitung Rauber. Und weiter: „Wer sich nicht an die Regeln hält, wird belohnt.“
Der Vorwurf lautet also: Bundesregierung und EU zögen die Klimapolitik nicht radikal genug durch. Der Saarstahl-Chef will, dass die Klimapolitik entweder voll durchgezogen wird – oder er will sein Geld für all die Investitionen zurück. Mit der ersten Forderung steht er immer einsamer da.
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