Milchbauern schlagen Alarm: „Staatliches Vernichtungsprogramm gegen uns!“
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Für Milchbauern steigen die Produktionskosten ihrer Betriebe seit Monaten ins Unbezahlbare. Und es sind nicht nur gestiegene Energie- und Futterpreise, die die Ausgaben der Bauern explodieren lassen, sondern vor allem: abstruse staatliche Auflagen.
Wie stellt sich die Lage aktuell dar? NIUS hat sich umgehört.

Der Job des klassischen Milchbauers mit eigenem Hof und Familienbetrieb – ausgeträumt.
„Staatliches Vernichtungsprogramm“ für Bauern
Für Wilhelm Finkenzeller vom Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) führen Regularien der EU und Deutschlands dazu, dass den Bauern der Boden unter den Füßen weggezogen wird.
Das lässt sich unter anderem am Beispiel des aktuellen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erklären. Da dieses Gesetz bestimmte Biogas-Bestandsanlagen als nicht umweltfreundlich genug einordnet, fallen diese vorzeitig aus der Förderung und werden so nicht mehr ausreichend finanziert. Das stellt allerdings viele Landwirte, die die Bestandsanlagen noch verwenden, vor große Probleme. Oft müssen sie große Teile ihres Eigenkapitals aufwenden, um die Kosten für die Erneuerungen stemmen zu können – und dafür an anderen Ecken sparen.
Die Auflagen, die in die Arbeit der Bauern eingreifen und diese erschweren würden, bezeichnet Finkenzeller als „Lachnummer“. Er sagt weiter, es lohne sich heutzutage nicht, noch Milchbauer zu werden, da schon allein die baulichen Auflagen für neue Milchbetriebe die Kosten in die Höhe schießen lassen würden. Dazu kommen noch steigende Strom- und Futterpreise. Die Gesamtsituation würde dazu führen, dass immer mehr Milchbauern ihren Beruf aufgeben oder zumindest darüber nachdenken würden.
„Wenn Neuinvestitionen her müssen, ist das eine Katastrophe. Das ist ein absolutes staatliches Vernichtungsprogramm für uns Milchbauern“, erklärt Finkenzeller.

Milchproduktion wird zum Minusgeschäft: Verlierer sind die Bauern, die Verbraucher, die Tiere.
Kostendeckung nicht möglich
Finkenzeller ist nicht der einzige, der die aktuelle Lage der Milchbauern für höchst kritisch hält.
„Wir können seit geraumer Zeit unsere Kosten nicht mehr decken, wir können nur weiter bestehen, indem wir uns selbst ausbeuten“, sagt Hans Foldenauer, der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), und nennt die Gründe dafür: In den letzten 15 bis 18 Monaten sei der Milchkonsum aufgrund von Essenstrends wie Veganismus oder „klimasensibler Ernährung“ stark gesunken.
Trotzdem steige die Milchproduktion. Müsse steigen, da die gemeinsame Marktordnung der EU bestimmte, zu produzierende Milchmengen vorschreibt. Das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage sei damit aus dem Gleichgewicht geraten, erklärt Foldenauer.

Sogenannte „Milchalternativen“ erobern den Markt – und bringen sein Gleichgewicht zu Ungunsten der Bauern durcheinander.
Derzeit werde mehr Milch angeboten als benötigt, dadurch sinke der Verkaufspreis. „Trinkmilch ist heutzutage für unter einen Euro zu kaufen. Butter hat vor 12 Monaten noch 3,29 Euro gekostet. Selbst die kostet jetzt nur noch die Hälfte“, beschreibt Foldenauer.

Aktuell können sich die Verbraucher über günstigere Preise bei Milchprodukten freuen. Zum Leidwesen der Landwirte.
Dass die Milchpreise bis 25 Cent pro Kilogramm gefallen sind, habe zur Folge, so Foldenauer, dass immer mehr junge Menschen kein Interesse am Beruf des Landwirts hätten.
Milchbauern gehen auf die Barrikaden
Finkenzeller und Foldenauer sind nicht die einzigen, die die Politik als Verantwortliche für die missliche Lage der Milchbauern sehen.
Beim Aktionstag „Nur wir baden aus, was die Politik versäumt“ des Bundesverbands deutscher Milchviehhalter (BDM) protestierten die Milchbauern im Mai diesen Jahres in Berlin mit einem überlaufenden Milchbad für eine organisierte, befristete Reduzierung der EU-Milchmenge.

Milchbauern protestieren in Berlin – die Politik hört konsequent weg.
Die Landwirte forderten, die Milchmengen rechtzeitig einzudämmen statt gezwungen zu werden, sie zu produzieren – um sie dann zu unterirdischen Preisen auf dem Weltmarkt zu verramschen.
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