Milliarden-Verluste für Thyssenkrupp: Brechen dem Stahlkonzern die Subventionen weg?
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Thyssenkrupp ist im vergangenen Geschäftsjahr tief in die Verlustzone gerutscht. Gleichzeitig rief der Chef des deutschen Stahlkonzerns, Bernhard Osburg, Bundeskanzler Olaf Scholz zu einem „Transformationsgipfel“ auf, um die Konsequenzen des jüngsten Haushaltsurteils des Bundesverfassungsgerichts zu diskutieren. Das Urteil, welches die Finanzierung von Klima- und Energieprojekten betrifft, könnte die industrielle Transformation in Deutschland gefährden, so Osburg.
Große Pläne trotz des Ampel-Chaos
Der Vorstandsvorsitzende betonte die Dringlichkeit gemeinsamer Beratungen von Bund, Ländern, Gewerkschaften und Unternehmen, um die Transformation der Industrie nicht ins Stocken geraten zu lassen. Er warnte davor, dass ohne schnelle und klare Entscheidungen der Bundesregierung, insbesondere bei den Klimaschutzverträgen, der Strompreiskompensation und dem Aufbau eines Wasserstoffnetzes, Deutschland seine Klimaziele aufgeben müsse. „Wenn das nicht gelingt, muss am Ende Deutschland seine Klimaziele abschreiben“, meinte Osburg.

Osburg fordert einen „Transformationsgipfel“.
Die Entscheidung des Gerichts, der Regierung die Verwendung von 60 Milliarden Euro an Kreditermächtigungen für Klima- und Energieprojekte zu untersagen, habe weitreichende Folgen. Osburg sagte der Zeit: „Das ist aus unserer Perspektive so zu werten, dass wir eigentlich die Gelder, die es dringend braucht, die industrielle Transformation hier in Deutschland nach vorne zu bringen, nicht mehr zur Verfügung haben”.
Für die Stahlindustrie bedeute dies ein erhebliches Hindernis, da Klimaschutzverträge und die Finanzierung des Aufbaus des Wasserstoff-Kernnetzes sowie des Ausbaus von Kraftwerkskapazitäten zur Stabilisierung der Stromversorgung durch erneuerbare Energien nun unsicher seien. „Das ist ein ganz großes Thema, weil es eigentlich das einzige Förderinstrument ist, was wir nach vorne auch für weitere Transformationsschritte hier am Standort entsprechend brauchen werden“, so Osburg.
Kein gutes Jahr für Thyssenkrupp
Der Industriekonzern Thyssenkrupp hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Nettoverlust von rund zwei Milliarden Euro verbucht und damit die ursprüngliche Prognose eines ausgeglichenen Jahresergebnisses deutlich verfehlt. Der finanzielle Rückschlag soll vor allem durch milliardenschwere Abschreibungen auf das Stahlgeschäft der Tochter Steel Europe verursacht worden sein.
Trotz des Verlustes hält Thyssenkrupp an einer Dividende von 0,15 Euro je Aktie fest, die durch einen verbesserten Cashflow unterstützt wird. Sinkende Stahlpreise bei gleichzeitig steigenden Rohstoff- und Energiekosten ließen das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern von knapp 2,1 Milliarden Euro auf 703 Millionen Euro sinken, während der Umsatz um neun Prozent auf 37,5 Milliarden Euro zurückging.

Weiterer Druck für Scholz – jetzt beschwert sich die Stahlindutrie.
Für das neue Geschäftsjahr strebt Thyssenkrupp die Rückkehr in die Gewinnzone an und erwartet einen Jahresüberschuss im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Das Management um Konzernchef Miguel López rechnet weiterhin mit einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, erwartet aber einen Anstieg des bereinigten EBIT auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag und ein leichtes Umsatzwachstum.
Verluste durch hohe Energiekosten treffen auf nun ausbleibende Subventionen, mit denen der Konzern gerechnet hat.
Trotz dieser Herausforderungen gibt es einen Lichtblick: Die Pläne von Thyssenkrupp Steel Europe zum Bau einer Direktreduktionsanlage, die einen Hochofen ersetzen und Ende 2026 in Betrieb gehen soll, sind nicht gefährdet. Die Anlage, die später mit klimaneutralem Wasserstoff betrieben werden soll, um die CO2-Emissionen des Konzerns zu reduzieren, wird von Bund und Land mit fast zwei Milliarden Euro gefördert.
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