Energiewende-Flop in der Nordsee: Investoren wollen Riesen-Windparks doch nicht bauen
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Bundeskanzler Friedrich Merz will die Nordsee zum „größten Reservoir für saubere Energie weltweit ausbauen“ – und zwar mit großen Offshore-Windparks. Dazu hatte Merz im Januar gar die Anrainerstaaten zum Nordsee-Gipfel nach Hamburg eingeladen.
Ein Riesen-Wind-Projekt auf hoher See droht nun jedoch zum Fiasko zu werden!
Öl-Riesen wie BP und Total Energies hatten Flächen in der Nordsee für Milliarden-Beträge von der Bundesregierung ersteigert, um dort riesige Windkraftanlagen bauen zu dürfen. Ihr Plan: ein lukratives Geschäft. Doch nun scheinen die Konzerne das Interesse an den Projekten verloren zu haben, wollen laut Medienberichten davon zurücktreten. Die Projekte rechneten sich nicht mehr, weil sich die Rahmenbedingungen verändert hätten.

Bundeskanzler Merz hat riesige Windparks in der Nordsee zum Ziel gesetzt – Katherina Reiche ist als Wirtschaftsministerin zuständig.
Bis zu 20.000 riesige Windkraftanlagen sollen in der Nordsee entstehen, darauf hatten sich die Anrainerstaaten verständigt. 4600 mit einer potenziellen Leistung von 70 Gigawatt sind Deutschlands Anteil. Von 2023 bis 2025 hatten Großkonzerne wie BP und Total Energies mehr als 16 Milliarden Euro an den Bund gezahlt, um in der Nordsee bauen zu können. Doch viele von diesen Mega-Windmühlen-Parks drohen nun nicht gebaut zu werden.

Betrieb der Nordsee-Windparks unrentabel
„Die Bundesregierung hat es versäumt, in den Offshore-Wind-Ausschreibungsregeln eine Rückgabeoption für bezuschlagte Projekte zu schaffen. Zudem hat das bisherige Auktionsdesign Unternehmen erhebliche Risiken aufgebürdet, die sie selbst kaum beeinflussen können – insbesondere bei stark verzögerten Netzanschlüssen“, schimpft Stefan Thimm, Geschäftsführer des Bundesverband Windenergie Offshore (BWO), in dem sich die Energieriesen organisieren.
Darüber hinaus seien die Finanzierungskosten in der Zwischenzeit gestiegen, die geopolitische Lage sei schwieriger geworden, die Preise von Lieferanten seien gestiegen und die Stromnachfrage in Deutschland würde nicht so schnell wachsen wie gedacht, was die Erträge schmälern würde, mit denen die Milliarden-Kosten für die Bauflächen refinanziert werden müssten.
Mit anderen Worten: Die Konzerne haben große Zweifel daran, dass sich die ungeförderten Windkraft-Projekte in der Nordsee für sie überhaupt rechnen!

BP ist eigentlich für das Öl- und Gas-Geschäft bekannt, hatte aber auch in Erneuerbare Energien investiert.
Unternehmen wollen aus ihren Verträgen mit der Regierung raus
Die Großkonzerne wollen raus aus ihren Verträgen – und zwar schnell, argumentiert der BWO. Die Klimaziele der Bundesregierung könnten nicht eingehalten werden, wenn nicht schnell neue Investoren gefunden würden, die die Flächen kaufen und ihre Projekte tatsächlich realisieren würden. Die Bundesregierung solle auf 90 Prozent des Geldes verzichten, das ohnehin noch nicht geflossen sei.
„Wir nehmen die Lage ernst“, sagte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) gegenüber Welt. Das Windsee-Gesetz würde jedoch regeln, dass Bauzuschläge nicht so einfach zurückgenommen werden können und derjenige, der eine Auktion gewonnen hat, auch bauen müsse. Denn weiter heißt es gegenüber der Zeitung: „Die Einhaltung der Realisierungsfristen ist durch die Zahlung von Pönalen abgesichert.“ Von bis zu 750 Millionen Euro ist die Rede.
Der Branchenverband BWO will die Konzerne mit Neuregelungen aus den Verträgen befreien und versucht es mit moralischem Druck, mit dem drohenden Scheitern der Energiewende und der Klimaziele der Bundesregierung: „Es besteht die Gefahr, dass Flächen für bis zu 16 Gigawatt installierter Leistung blockiert werden. Ein Stillstand der Projektentwicklung bedroht das Geschäft der Lieferkette. Zudem fehlt der klimafreundliche Strom für die Versorgung von Wirtschaft und Gesellschaft“, so Geschäftsführer Stefan Thimm.
Die Argumentation: Lässt die Bundesregierung die unwilligen Konzerne nicht aus ihren Verträgen raus, entsteht jahrelanger Stillstand, bis rechtliche Fragen geklärt sind und sich eines Tages vielleicht ein neuer Investor findet.
Ob andere, neue Investoren die gegebenen Rahmenbedingungen derweil für rentabel halten, um Milliarden in Windkraft-Parks mitten in der Nordsee zu investieren, ist offen.
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