Der neue Otto-Chef Benjamin Otto will den Kapitalismus verändern: „Wir wollen Menschen keine Produkte andrehen, die sie nicht brauchen“
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Seit März ist Benjamin Otto Chef des Weltkonzerns Otto Group (Umsatz 8,7 Milliarden Euro). In der Süddeutschen Zeitung spricht er über die Last eines Milliardenerbes und wie er den Kapitalismus verändern will.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen:
Über seine Konzernstrategie
„Ich will den Konzern im holistischen Sinne prägen, die Kraft der Gemeinschaft stärken und Resilienz von Mitarbeitenden und dem Konzern fördern – in einer sich rasant verändernden Welt. Krisen sind Reaktionen, sie entstehen aus Ungleichgewicht. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel. Holismus (Holismus = griechisch für Ganzheitslehre, Anm. d. Red.) sieht alles miteinander verbunden. Letzten Endes sind wir alle eins. Holismus unterscheidet nicht zwischen Arm und Reich, er bewertet nicht. Wenn Menschen kooperieren, entsteht etwas, das der Einzelne nicht schafft. Das ist wie die Magie bei Vogelschwärmen. Durch die Kraft der Gemeinschaft können sich Systeme entwickeln, die in ihrer Gänze exponentiell effizienter sind als ihre Einzelteile für sich.“
Über den Kapitalismus
„Der Kapitalismus liefert in der aktuellen Form nicht immer die Lösungen, die wir brauchen. Man sollte daher die bestehenden Systeme weiterentwickeln. Der Kapitalismus birgt heute ein konkretes Risiko: Die Arm-Reich-Schere wächst, ebenso die globale Ungleichheit, oft durch Ausbeutung ärmerer Länder. Wer holistischen Wohlstand möchte, sollte den uneingeschränkten Kapitalismus überdenken. Ein Manager sollte Entscheidungen treffen, die Umwelt, Gesellschaft und Politik mitdenken – und nicht nur ans eigene Unternehmen denken.“
Die Last eines Milliardenerbes
„Das Erbe ist eine Bürde und eine Riesenchance. Als Vorsitzender des Gesellschafter- und Stiftungsrates habe ich jetzt große Gestaltungsmöglichkeiten weit über das Unternehmen hinaus, auch international. Mein Ziel ist es, neue Konzepte zu prägen. Und so die Welt ein bisschen besser zu machen. Es ist sehr viel Arbeit, der Erwartungsdruck groß. Ich habe die Verantwortung für mehr als 30.000 Mitarbeitende in der Welt und will den Konzern enkelfähig machen. Ich will die Beziehung von Menschen und Maschinen gestalten, sie mit Werten füllen.“
Über Künstliche Intelligenz
„Meiner Meinung nach ist KI eine viel größere Revolution als das Internet. Vergleichbar mit der Dampfmaschine, aber sie hat nur die Industrie verändert. Die KI wird alles umkrempeln, ganze Branchen, das gesamte Leben vieler Menschen. Wir werden in zehn, 20 Jahren staunen, was da passiert ist. Natürlich wird KI auch genutzt, um den Konsum zu steigern. Aber uns geht es nicht allein um Gewinnsteigerung. Wir wollen Menschen keine Produkte andrehen, die sie nicht brauchen. Wir wollen Produkte anbieten, die auf Verantwortung basieren, nicht auf Ausbeutung. Kinderarbeit aus Bangladesch zum Beispiel akzeptieren wir nicht.“
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