Privatisierung der Airline „TAP“: Der deutsche Kranich ist hungrig auf Südamerika
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Man könnte meinen, Lufthansa-Boss Carsten Spohr spielt gerne Monopoly. Aber nicht mit seiner Familie beim Spieleabend, sondern mit Europas größtem Luftfahrtunternehmen.
Der Konzern ist im Kaufrausch. Mitte Mai schluckte der Kranich nach langen Verhandlungen die angeschlagene italienische Staatsairline ITA Airways.

Mit dem Kauf von ITA Airways möchte Lufthansa die Marktmacht in Italien sichern.
Inzwischen gehören damit zwei italienische Fluggesellschaften zum Portfolio der Lufthansa. Denn bereits 2003 kaufte der Konzern die Regionalfluggesellschaft Air Dolomiti – inzwischen ein fester Bestandteil im Flugplan.

Ein Flugzeug von Air Dolomiti auf dem Frankfurter Flughafen. Die Airline fliegt aus Italien die Drehkreuze München und Frankfurt an.
Und jetzt könnte die nächste große Übernahme bevorstehen: Ende September verkündete die portugiesische Regierung, die staatliche Fluglinie TAP zu privatisieren.
Mindestens 51 Prozent der größten Fluggesellschaft des Landes sollten demnach verkauft werden. Laut portugiesischen Medien soll es bereits drei Interessenten geben: Air France-KLM, IAG (British Airways und Iberia) und die Lufthansa.

Ein Flugzeug der TAP Air Portugal landet am Flughafen von Lissabon.
Liest man zwischen den Zeilen, fällt auf: Den Zuschlag bei der TAP-Privatisierung soll laut portugiesischer Regierung nicht das Unternehmen erhalten, das am meisten Geld bietet, sondern das dem Land und der Volkswirtschaft am besten dient.
Das spricht eindeutig für Lufthansa. Denn der Konzern ist dafür bekannt, den Airlines ihre Souveränität zu lassen. So ist es zum Beispiel bei den Fluggesellschaften Swiss, Austrian und Brussels zu beobachten. An den jeweiligen Drehkreuzen konnte die Fluggesellschaft ihre Dominanz sichern.

Der Frankfurter Flughafen ist das Drehkreuz der Lufthansa. Ähnlich wie in Deutschland fungieren die Flughäfen in Zürich, Wien und Brüssel als Drehkreuze der jeweiligen Staatsairline.
Auch auf das Drehkreuz Lissabon ist Lufthansa aus. Bei einem Kauf werden nicht nur Flugzeuge, Mitarbeiter und Equipment verkauft – viel wichtiger sind die Start- und Landeerlaubnisse.
Lissabon ist da ziemlich attraktiv, denn der Flughafen funktioniert als Drehkreuz in Richtung Südamerika. Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty erklärt gegenüber NIUS: „Lufthansa Group und TAP würden sich sehr gut ergänzen, insbesondere durch das Streckennetz der TAP von und nach Südamerika“.

In Lissabon befindet sich das Drehkreuz der TAP. Von hier fliegt die Airline unter anderem Brasilia, Salvador und Sao Paulo in Südamerika an.
Mit einer Übernahme würde sich der Kranich-Konzern einen neuen Markt erschließen. Flüge nach Südamerika werden aktuell bevorzugt von der niederländischen Konkurrenz KLM und Tochtergesellschaften der IAG angeflogen.
Auch wenn die Belegschaft in Deutschland dem Hunger des Kranichs eher skeptisch, wenn nicht sogar pessimistisch gegenüber steht, hält der Konzern an seinem Expansionskurs fest.
Die Mitarbeiter der Lufthansa sind über dieses Vorgehen sauer. „Momentan gehen unsere Flieger auf Langstrecke mit drei Flugbegleitern zu wenig raus“, beklagt sich ein Flugbegleiter gegenüber NIUS. Er möchte anonym bleiben. Lufthansa kauft ein und die Kernmarke bleibt auf der Strecke, so die Kritik der Mitarbeiter.
Lesen Sie auch: Mega-Jahr für Lufthansa: Alle A380-Flieger kommen zurück
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