Schock-Gutachten: Deutschland stagniert – und verliert pro Kopf an Wohlstand
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Ein neues Gutachten des Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) warnt vor einer anhaltenden Wohlstandsstagnation in Deutschland. Ohne einen deutlichen Produktivitätsschub drohe der deutschen Wirtschaft ein Jahrzehnt der Stagnation. Seit 2019 stagniert das Bruttoinlandsprodukt (BIP), während die Bevölkerung wächst – das BIP pro Kopf ist um 1,5 Prozent gesunken. Der demografische Wandel verschärft die Lage zusätzlich.
In einem 29-seitigen Gutachten attestiert das IfW Kiel eine anhaltende Wohlstandsstagnation in Deutschland. Die Forschungsgruppe Konjunktur und Wachstum unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Kooths untersuchte drei Produktivitätsszenarien bis 2040. Dabei zeigt sich: Schon kleine Unterschiede wirken sich stark aus. Bei einem jährlichen Produktivitätszuwachs von 0,5 Prozent steigt das reale BIP um 7,9 Prozent, bei 1,0 Prozent um 16,3 Prozent und bei 1,5 Prozent um 25,2 Prozent. Ein Prozentpunkt mehr Produktivität bedeutet laut IfW rund 17 Prozentpunkte höheres BIP pro Kopf bis 2040.
Mehr Menschen, aber weniger BIP pro Kopf
Seit 2019 ist die deutsche Wirtschaftsleistung kaum gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt 2025 auf dem Vor-Corona-Niveau, während die Bevölkerung um rund 1,6 Millionen Menschen zugenommen hat – das BIP pro Kopf ist dadurch um 1,5 Prozent gesunken. Der demografische Wandel verschärft den Trend: Mit dem Eintritt der Babyboomer in den Ruhestand sinkt der Arbeitseinsatz laut IfW bis 2035 je nach Zuwanderung und Erwerbsquote um 0,1 bis 3,8 Prozent.
Rentenbeiträge aktuell nicht mehr haltbar
Um den Anstieg der Rentenbeiträge unter aktuellen gesetzlichen Regeln zu verhindern, wäre laut IfW in den Jahren 2026 bis 2035 ein produktivitätsbedingtes Wachstumsplus von rund 2 Prozent jährlich nötig. Erst ab Mitte der 2030er-Jahre sinkt der erforderliche Zusatzimpuls bis auf etwa 0,5 Prozent, wenn die Babyboomer vollständig im Ruhestand sind.

Wirtschaftslobbyist Thorsten Alsleben gab das Gutachten in Auftrag.
Wachstumsprobleme sind politisch verursacht
INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben – Auftraggeber der Studie – kommentiert: „Deutschland hat massive strukturelle Probleme, die Wachstum verhindern. Die sind alle politisch verursacht, können damit aber auch politisch geändert werden. Nachdem der Herbst der Reformen wohl ausgefallen ist, müssen die Reformen eben jetzt im Winter kommen.“ Nötig seien Reformen für schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie, weniger Abgaben, bessere Bildungs- und Forschungsbedingungen sowie eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren. „Die Betriebe können nur produktiver und innovativer sein, wenn die Politik sie nicht zu stark fesselt“, so Alsleben.
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