Spar-Hammer bei VW: „Ich rechne ganz klar mit einem Stellenabbau in der gesamten Autoindustrie“
Ein Beitrag von
- Beim größten Automobil-Konzern der Welt wird gespart.
- Laut Handelsblatt plant der Volkswagen-Konzern den Wegfall von etwa 8000 Bürojobs.
- Ein Experte rechnet mit Auswirkungen für die gesamte Industrie.
Den Büroangestellten in Wolfsburg stehen düstere Zeiten bevor. Das anvisierte Sparprogramm beim Autobauer Volkswagen umfasst dem Handelsblatt zufolge einen deutlichen Kahlschlag in der Verwaltung.
In einem internen Podcast mit Konzern-Personalvorstand Gunnar Kilian habe VW-Markenchef Thomas Schäfer von einem Einsparziel bei den Personalkosten im sogenannten indirekten Bereich in Höhe von einem Fünftel gesprochen, berichtete die Zeitung am Montag. Der Verwaltungsapparat der Wolfsburger umfasst rund 40.000 Büroangestellte bei Kernmarke und Konzern. Es gehe dem Unternehmen dabei um die Kosten, nicht um Köpfe, habe Kilian betont. Eine Konzernsprecherin wollte die Informationen im Detail nicht weiter kommentieren.

Vorsicht, Absturzgefahr: Der VW-Konzern wünscht sich insbesondere bei der Kernmarke mehr Marge und setzt deshalb in der Verwaltung den Rotstift an.
Doch die Rechnung ist einfach: Etwa 8000 Jobs stehen auf der Kippe!
Bei dem angestrebten Programm der Marke Volkswagen würden sämtliche Kosten und Themenbereiche kritisch geprüft, hieß es von der Sprecherin. Kein Bereich werde bei dem Sparprogramm also ausgelassen. Auf die 8000 Jobs als Zahl möchte man sich trotzdem nicht festlegen. „Ein pauschales Abbauziel der Mitarbeiteranzahl gibt es bei Volkswagen nicht“, sagte die Sprecherin. Man versuche stattdessen, mit Instrumenten wie Altersteilzeit zu arbeiten.

Stefan Bratzel sieht den Umstieg auf E-Mobilität als Katalysator für den Stellenabbau.
Experte: Stellenabbau in der gesamten Industrie
„Ich rechne ganz klar mit einem Stellenabbau in der gesamten Autoindustrie“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of AManagement an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach gegenüber NTV. „Die deutsche Autoindustrie muss sparen, sparen, sparen“, bestätigt Frank Schwope, Lehrbeauftragter für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule des Mittelstands.
E-Mobilität als Grund für Spardruck
Bereits vor fünf Jahren schätzte Bratzel, dass die Transformation auf E-Mobilität in der Branche rund 800.000 Arbeitsplätze kosten würde – inklusive Stellen in Produktion, Handel, Service. Diese Einschätzung sieht er jetzt bestätigt. Ein Verbrennermotor benötigt etwa viermal so viele Bauteile wie ein elektrischer Antrieb.
Gegenüber NTV sagt der Experte: „In der Verwaltung muss man sich fragen, wie viele Leute man braucht. [...] Tesla schafft es mit deutlich weniger als VW.“ Der Experte geht aber nicht davon aus, dass große Werksschließungen anstehen – wie zuletzt bei Ford in Saarlouis. Schwope vermutet zusätzlich, dass die chinesischen Autobauer sich in Europa niederlassen werden und so wieder den Bedarf an industrienahen Fachkräften steigern.
Chinesische Konkurrenz sorgt für Preisdruck
Experte Schwope erwartet, dass neben Tesla in den kommenden Jahren zahlreiche chinesische Hersteller nach Europa drängen werden.
Gemäß Bratzel müssen deutsche Hersteller dann mit Innovation punkten, denn der Preiskampf wird immer zugunsten Chinas ausgehen, da dort Rohstoffe und Arbeitsleistung günstiger bezogen werden kann. Der Transport nach Europa fällt mit Kosten im dreistelligen Bereich nicht ins Gewicht. Es brauche höhere Ladeleistung und Reichweite und mehr Digitalisierung.

Günstig und schon jetzt auf deutschen Straßen: der BYD Atto 3
„Sie müssen mindestens so innovativ wie teurer sein, sonst funktioniert es auf Dauer nicht“, sagt Bratzel zu NTV.
Kernmarke Volkswagen wirft nicht genug Gewinn ab
VW-Markenchef Thomas Schäfer will mit einem Sparprogramm die Ergebnisse der chronisch renditeschwachen Kernmarke der Wolfsburger heben. Bis Ende 2026 sollen so zusammengenommen zehn Milliarden Euro zusammenkommen, damit VW Pkw es auf die angestrebte Umsatzrendite von 6,5 Prozent bringt – zuletzt lag sie in den ersten neun Monaten 2023 bei 3,4 Prozent. Schäfer hatte bereits angedeutet, dass es unter anderem Einsparungen durch markenübergreifende Produktion in der sogenannten Markengruppe „Core“ geben solle. Zu dieser gehören neben VW Pkw noch Seat/Cupra, Skoda und die leichten Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN).

VW-Markenvorstand zusammen mit Konzernchef Oliver Blume (links) bei der Präsentation des neuen VW Tiguan.
Details zum Sparprogramm liegen noch nicht vor. Laut Handelsblatt dürften sich die Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung bis in das kommende Jahr ziehen. Demnach stehen allerdings für das Jahr 2024 bereits alle erforderlichen Maßnahmen, diejenigen für die Folgejahre müssen noch festgezurrt werden.
Mehr NIUS: Die deutsche Autokrise: China boomt, VW in Kurzarbeit
Mehr NIUS:
Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzender Brudermüller: „Die Situation in Deutschland ist viel ernster, als die meisten denken“
Bier seit 1627: Braunschweiger Traditionsbrauerei Wolters stellt Insolvenzantrag
Deutsche sparen vor allem bei Kleidung und Restaurantbesuchen
VW zieht Stellen-Kahlschlag durch: 50.000 Jobs sollen weg
Kredit-Poker: 12.000 Galeria-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Wer einen limitierten Ferrari will, muss zuerst das E-Auto kaufen
Cyberangriff auf dänischen Pharmakonzern! Erpresser verlangen 25 Millionen US-Dollar
Immer teurer: Für viele stirbt der Traum vom Eigenheim
Mehr NIUS:
VW zieht Stellen-Kahlschlag durch: 50.000 Jobs sollen weg
Kredit-Poker: 12.000 Galeria-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Wer einen limitierten Ferrari will, muss zuerst das E-Auto kaufen
Cyberangriff auf dänischen Pharmakonzern! Erpresser verlangen 25 Millionen US-Dollar
Immer teurer: Für viele stirbt der Traum vom Eigenheim
Wird Werbung für Fleischprodukte bald verboten?
SpaceX ist fast so viel wert wie der gesamte DAX
Wirtschaftsrat-Boss warnt: Bundesregierung droht auf dem harten Eis der neuen Zeit auszurutschen
Philippe Fischer
Artikel teilen
Kommentare