Standortkosten zu hoch: Lufthansa will 100 innerdeutsche Flüge pro Woche streichen
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Ryanair macht bereits aus Drohungen die Realität und streicht 24 Routen von und nach Deutschland – die Luftverkehrssteuer sei „enttäuschend hoch“.
Nun plant auch die Lufthansa eine Reduzierung ihres innerdeutschen Angebots. Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender des Kranich-Konzerns, will zum Sommer 2026 rund 100 innerdeutsche Flüge streichen.
„Ohne eine Reduzierung der Standortbelastungen werden weitere Streichungen unvermeidbar sein“, warnt Spohr in der Welt am Sonntag. „Es geht um rund hundert innerdeutsche Flüge pro Woche, die im kommenden Sommer nochmals wegfallen könnten.“ Bereits im Jahr 2022 hat man das Angebot innerdeutscher Flüge gekürzt. Damals betonte Spohr, dass dafür die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn ausgebaut wurde. Grund: „Die hohen Gebühren, die unsere Gäste sowohl am Start- als auch am Zielflughafen in Deutschland bezahlen müssen.“

Deutschland ist wegen hoher Standortkosten für Airlines unattraktiv.
Laut Spohr haben sich die staatlichen Standortkosten für den Flugbetrieb innerhalb Deutschlands seit 2019 verdoppelt.
Die Lufthansa-Tochter Eurowings hat mit niedrigeren Preisen bereits vorher gehandelt und schon zum Sommer 2025 rund 40 Prozent ihrer Verbindungen gestrichen (NIUS berichtete). „Verbindungen wie von München nach Münster/Osnabrück oder von München nach Dresden stehen auf dem Prüfstand“, kündigt Spohr nun an. „Wir fliegen auf diesen Strecken jeden Tag defizitär.“ Für den Flughafen Münster/Osnabrück wäre die Streichung der komplette Verlust von Anbindung an internationale Drehkreuze.

Eurowings reduzierte bereits sein Angebot – international wie im Inland. Verbindungen wie Köln – Hamburg, Hannover – Stuttgart oder Berlin – Nürnberg existieren nicht mehr.
Über welche Kosten beschweren sich die Airlines?
Im Kern geht es um die zum 1. Mai 2024 um 25 Prozent erhöhte Luftverkehrssteuer (15,53 bis 70,83 Euro je nach Entfernung), die Flugsicherungsgebühren und die sogenannte Luftsicherheitsgebühr, die für die Kontrolle der Passagiere und ihres Handgepäcks am Flughafen erhoben wird. Hier ist die mögliche Höchstgrenze von 10 Euro pro Passagier zum 1. Januar 2025 auf 15 Euro gestiegen.
Dazu kommen Start- und Landegebühren der Flughäfen und neue Umweltauflagen der Europäischen Union. Sie verlangt neben dem bereits bestehenden Emissionshandel ab dem kommenden Jahr die steigende Beimischung nachhaltig produzierten Kerosins (SAF), beginnend mit einem Anteil von 2 Prozent. Biogenes SAF wird unter anderem aus Speiseölresten hergestellt und ist rund viermal so teuer wie herkömmliches Kerosin.
Ab 2030 muss dann auch Treibstoff enthalten sein, der allein aus Öko-Strom synthetisch hergestellt wird. Für das Verfahren „Power-to-Liquid“ (PtL) gebe es europaweit noch keine einzige Fabrik, moniert Lufthansa. Deutschland verlangt in einem nationalen Alleingang bereits ab 2026 eine PtL-Unterquote von 0,5 Prozent innerhalb des SAF-Anteils. Diese Quote werde wegen mangelnder Verfügbarkeit nicht erfüllbar sein, erklärt der Lufthansa-Konzern.
Im Ergebnis seien die staatlich verursachten Kosten an deutschen Flughäfen um ein Mehrfaches höher als in den europäischen Nachbarländern, hat der Branchenverband ADV berechnet. So sind beim Start eines Mittelstreckenjets vom Typ Airbus A320 hierzulande im Schnitt gut 3500 Euro fällig im Vergleich zu 1300 Euro bei den Nachbarn. Auf Langstrecken würden sogar viermal so hohe Gebühren fällig, wie an den Konkurrenzstandorten.
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