Tesla senkt Krankenstand um mehr als 70 Prozent
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Im Tesla-Werk Grünheide nahe Berlin fallen deutlich weniger Beschäftigte krankheitsbedingt aus als noch vor anderthalb Jahren. Nach Angaben von Werksleiter André Thierig liegt der Krankenstand aktuell bei unter fünf Prozent. Im August 2024 waren es noch 17 Prozent. Damit wäre die Quote um mehr als 70 Prozent gesunken.
Thierig sagte auf der Hannover Messe: „Ich glaube, da würden viele Unternehmen neidisch draufschauen, hätten sie das geschafft.“ Zuerst hatte das Handelsblatt berichtet. Der hohe Krankenstand hatte Tesla lange beschäftigt. Im Juli 2023 hatte Thierig auf einer Betriebsversammlung erklärt, in seiner Fabrik sei „kein Platz“ für Beschäftigte, die morgens „nicht aus dem Bett“ kämen. Im Sommer 2024 gingen Thierig und Personalchef Erik Demmler sogar unangekündigt zu krankgeschriebenen Mitarbeitern nach Hause.

Tesla-Berlin-Chef André Thierig
Inzwischen spricht der Werksleiter von einer veränderten Stimmung im Werk. Tesla habe unter anderem ein Mitarbeiter-Aktienprogramm eingeführt, ein Fitnessstudio gebaut und einen Barbershop am Werksgelände eröffnet. Für 25 Euro pro Tag steht den Mitarbeitern eine Flotte an Tesla-Mietwagen zur Verfügung.
Tesla stoppt Lohnfortzahlung
Doch die Entwicklung hat eine harte arbeitsrechtliche Seite. Mehrere Betriebsräte berichten dem Handelsblatt, Tesla verschicke wieder Schreiben an krankgeschriebene Mitarbeiter, in denen das Unternehmen die Lohnfortzahlung einstellt. In einem aktuellen Brief steht als Überschrift: „Keine weitere Entgeltfortzahlung wegen möglicher Fortsetzungserkrankung“. Tesla argumentiert darin, die Krankheit des Mitarbeiters sei keine neue Erkrankung. Deshalb bestehe auch kein Anspruch auf Geld.
Nach deutschem Arbeitsrecht müssen Arbeitgeber für dieselbe Krankheit grundsätzlich nur bis zu sechs Wochen Lohn fortzahlen. Danach gibt es nur dann erneut Geld vom Arbeitgeber, wenn eine neue Erkrankung vorliegt.
Tesla will sich dabei offenbar nicht allein auf Einschätzungen der Krankenkassen verlassen. Denn natürlich liege es nicht im Interesse der Krankenkassen, das Krankengeld an die Betroffenen zu bezahlen. Der betroffene Mitarbeiter soll deshalb selbst belegen, dass es sich um eine neue Krankheit handelt. Er müsse „bezogen auf den gesamten maßgeblichen Zeitraum schildern, welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Beschwerden mit welchen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestanden“. Außerdem verlangt Tesla, dass behandelnde Ärzte von der Schweigepflicht entbunden werden.
Arbeitsrechtler sehen Teslas Vorgehen kritisch
Tesla verweist auf die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts. Ein Urteil vom Januar 2023 erlaubt es Arbeitgebern, eine neue Erkrankung anzuzweifeln und sich nicht ausschließlich auf Angaben der Krankenkasse zu verlassen. Arbeitsrechtler halten Teslas Forderungen aber für problematisch. Gregor Thüsing, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Bonn, sagt dem Handelsblatt: „Das scheint mir doch etwas mehr, als die Rechtsprechung verlangt.“ Mitarbeiter müssten von sich aus keine medizinischen Diagnosen offenlegen. Dafür gebe es weder im Gesetz noch in der Rechtsprechung eine Grundlage.

Die Tesla-Fabrik in Grünheide (Brandenburg)
Standort in Berlin wächst um 1000 neue Mitarbeiter
Erst vergangene Woche kündigte der Autobauer an, sein einziges europäisches Autowerk kurzfristig um 1000 Mitarbeiter aufzustocken. Damit würden dort 11.700 Menschen arbeiten. Tesla begründet die Steigerung mit gestiegener Nachfrage, vor allem nach dem Modell Y. Erste Einstellungen seien schon ab Mai geplant. Außerdem will Tesla die Batteriezellen-Produktion ausbauen.
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