Trauriger Spitzenreiter in Europa: Nirgendwo ist die Pleitewellen-Gefahr so groß wie in Deutschland
Ein Beitrag von
Die Pleitewellen-Gefahr erreicht in Deutschland alarmierende Höhen. Während die meisten Länder in Europa keine besondere Auffälligkeiten melden, steigen die Niveaus der finanziellen Notlagen in deutschen Unternehmen auf den höchsten Stand seit Beginn der Corona-Krise im Jahr 2020. Tatsächlich liegen sie schon weit darüber.
Ein Report von Alvarez & Marsal – der bedeutendsten Firma bei der Reorganisierung von Firmen weltweit – zeigt, dass der Prozentsatz der Unternehmen in finanzieller Notlage auf besorgniserregende 14,8 Prozent angestiegen ist, ein deutlicher Sprung von 8,8 Prozent im Vorjahr. Selbst im Corona-Jahr 2020 erreichte dieser Wert in Deutschland nur 12,1 Prozent.

Anteil der Unternehmen in finanziellen Notlagen von 2020-2023. Quelle: Alvarez & Marsal
Dieser Anstieg spiegelt die schwierigen Bedingungen wider, mit denen viele Unternehmen in Deutschland konfrontiert sind. Während die Weltwirtschaft weiter in Fahrt ist, haben europäische Unternehmen mit einer Vielzahl von Herausforderungen zu kämpfen. Insbesondere in Deutschland macht sich die Kombination aus schwacher Verbrauchernachfrage und steigenden Betriebskosten deutlich bemerkbar.
Nirgendwo in Europa ist die Entwicklung so drastisch wie in Deutschland
Alvarez & Marsal kommt zu dem Ergebnis, dass mittlerweile 14,8 Prozent der Firmen in Deutschland in einer finanziellen Notlage sind. Zum Vergleich: In Frankreich sind 8 Prozent der Firmen in einer finanziellen Notlage, in Italien 10,1 Prozent und im Vereinigten Königreich 9,8 Prozent. Während der Anteil der Firmen in finanzieller Notlage in Deutschland sprunghaft angestiegen ist, fiel dieser Anteil in Frankreich und in der Schweiz. In Österreich, den Benelux-Ländern und Irland blieb er unverändert.
Hauptsächlich verantwortlich für diese Entwicklung sind die Energiekosten
Fast alle wirtschaftlichen Themen in Deutschland sind zurzeit mit den Energiekosten verbunden. In Folge der ideologischen „Energiewende“ sehen sich Verbraucher und Unternehmen mit höheren Energiekosten konfrontiert. Diese tragen dazu bei, dass die Reallöhne der Deutschen über die letzten Jahre gesunken sind und auch die Gewinne der Unternehmen geschmälert wurden.

Anteil der Unternehmen in finanziellen Notlagen und Veränderung zum Vorjahr. Quelle: Alvarez & Marsal
Dazu kommen höhere Arbeitskosten für die Unternehmen. Diese üben zusätzlichen Druck auf Unternehmen aus, die bereits mit steigenden Schuldenkosten und anstehenden Kreditfälligkeiten in einem Umfeld höherer Zinssätze zu kämpfen haben.
Sind die Bilanzen dann auch nicht auf einem soliden Fundament gebaut, dann erhöht sich schnell die Wahrscheinlichkeit für finanzielle Notlagen, die viele Unternehmen in Deutschland derzeit erleben.
Fertigung und Bauwesen sind besonders betroffen
Besonders betroffen sind deutsche Schlüsselindustrien wie Fertigung und Bauwesen, wo hohe Kosten für Energie und Arbeitskräfte ihren Tribut fordern. Der kapitalintensive Immobiliensektor kämpft ebenfalls mit höheren Zinssätzen, die den Zugang zu Finanzierungen erschweren und Preise sowie den Neubau beeinträchtigen.
Die Auswirkungen dieser wirtschaftlichen Entwicklungen zeigen sich dann im Konsumsektor, der mit einer sinkenden Verbrauchernachfrage aufgrund von Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit konfrontiert ist.
Von der finanziellen Notsituation in die Insolvenz
Die steigenden Niveaus der finanziellen Notlage sind ein Alarmsignal für Unternehmen, da sie auf eine zunehmende Gefahr der Insolvenz hinweisen.
Unternehmen, die sich in einer finanziellen Notsituation befinden, laufen Gefahr, ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können und letztendlich in die Insolvenz zu geraten. Dies kann verheerende Auswirkungen auf die Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden und die gesamte Wirtschaft haben.
Niemals vergessen sollte man, dass das Wirtschaftsgeschehen ein Kreislauf ist. Entwicklungen in einzelnen Wirtschaftssektoren wirken über die Zeit auch auf andere Sektoren. Produziert die Industrie weniger, wird weniger in Deutschland verdient. Wird in Deutschland weniger verdient, dann wird auch weniger konsumiert. Die Produktionsstilllegung in der Chemie-Industrie trägt dann mit Zeitverzug dazu bei, dass die Verkäuferin im Einzelhandel ihren Job verliert, weil das Modegeschäft, in dem sie arbeitete, pleite ging. Ihre Arbeitslosigkeit reduziert in der Folge weiter die Konsumnachfrage und bedroht weitere Unternehmen.
Insbesondere Insolvenzen können aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen weitere Insolvenzen auslösen. Ein Teufelskreislauf. Deutschland ist diesem Teufelskreislauf heute näher als alle anderen europäischen Länder. Nicht zuletzt aufgrund politischer Entscheidungen.
Mehr von Diego Faßnacht:
Wie lange bleibt Deutschland im Wachstumskeller und was sind die Folgen?
Mehr NIUS:
Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzender Brudermüller: „Die Situation in Deutschland ist viel ernster, als die meisten denken“
Bier seit 1627: Braunschweiger Traditionsbrauerei Wolters stellt Insolvenzantrag
Deutsche sparen vor allem bei Kleidung und Restaurantbesuchen
VW zieht Stellen-Kahlschlag durch: 50.000 Jobs sollen weg
Kredit-Poker: 12.000 Galeria-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Wer einen limitierten Ferrari will, muss zuerst das E-Auto kaufen
Cyberangriff auf dänischen Pharmakonzern! Erpresser verlangen 25 Millionen US-Dollar
Immer teurer: Für viele stirbt der Traum vom Eigenheim
Mehr NIUS:
VW zieht Stellen-Kahlschlag durch: 50.000 Jobs sollen weg
Kredit-Poker: 12.000 Galeria-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Wer einen limitierten Ferrari will, muss zuerst das E-Auto kaufen
Cyberangriff auf dänischen Pharmakonzern! Erpresser verlangen 25 Millionen US-Dollar
Immer teurer: Für viele stirbt der Traum vom Eigenheim
Wird Werbung für Fleischprodukte bald verboten?
SpaceX ist fast so viel wert wie der gesamte DAX
Wirtschaftsrat-Boss warnt: Bundesregierung droht auf dem harten Eis der neuen Zeit auszurutschen
Diego Faßnacht
Artikel teilen
Kommentare