Über 700.000 Wohnungen fehlen – aber warum wird so wenig gebaut? Faßnacht erklärt den Wohnungsmarkt
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Die Meldungen aus der Baubranche verheißen nichts Gutes für den Wohnungsbau. Bereits seit vielen Monaten geht der Bau von Wohnungen und Häusern in Deutschland zurück. Der Abschwung des Bausektors setzt sich im Juli fort und verschlimmert sich sogar. Der Bau von Wohnungen und Häusern erlebte im Juli den stärksten Rückgang seit Februar 2010.
Das kommt für die deutsche Bundesregierung zur Unzeit. Sie hatte sich eigentlich auf die Fahne geschrieben das Thema der fehlenden Wohnungen anzugehen.
Eine Studie des Pestel-Instituts und des Bauforschungsinstituts ARGE kam Anfang des Jahre zu dem Ergebnis, dass über 700.000 Wohnungen in Deutschland fehlen. Das größte Wohnungsdefizit seit mehr als 20 Jahren.
Der Zuzug nach Deutschland hat die Dringlichkeit des Themas im vergangenen Jahr noch einmal verschärft.
Vor dem Hintergrund steigender Zinsen, der Verunsicherung der Kunden und eines breiteren Inflationsdrucks verzeichneten die Bauunternehmen einen schnelleren Rückgang von Aktivität und Auftragseingängen, wie die jüngste HCOB PMI-Umfrage von S&P Global zeigt.
Das heißt: Bereits jetzt werden noch einmal weniger Häuser und Wohnungen gebaut und auch die Aufträge für die Zukunft brechen ein.

Bauarbeiter arbeiten am frühen Morgen auf einer Baustelle in Hamburg
Das Minus bei den Auftragseingängen führt wiederum dazu führte, dass die Unternehmen ihre Einkaufsmenge von Baumaterialien und Bauteilen zum Bau drastisch reduzierten. Aber auch Arbeitsplätze werden im Bausektor abgebaut. Dies steht im klaren Zusammenhang mit einem sich weiter eintrübenden Geschäftsausblick.
Allerdings ging im vergangenen Monat nicht nur die Bautätigkeit für Wohnimmobilien zurück. Auch der Gewerbebau und der Tiefbau sind rückläufig.
Insgesamt ist die deutsche Baubranche nun deutlich im Rezessionsbereich. Der Einkaufsmanagerindex für die Baubranche meldete den Wert 41,1. Werte oberhalb von 50 deuten auf Wachstum hin. Werte unterhalb von 50 deuten auf eine Schrumpfung. Werte unterhalb von 45 deuten eindeutig auf eine Rezession in der Branche hin.
Positiv ist anzumerken, dass die schwächere Nachfrage nun die Einkaufspreise des Sektors zum Sinken bringt. Allerdings liegen die Preise immer noch auf historisch hohem Niveau. Diese sind den dritten Monat in Folge zurückgegangen und nähern sich nun dem Tempo der Immobilienkrise des Jahres 2009 an.
Der Pessimismus der Branche rührt aus einer Mischung von höheren Zinsen, einer schrumpfenden Wirtschaft und den weiterhin hohen Baukosten.
Insbesondere das Zinsniveau wirkt direkt auf die Baubranche. Steigen die Zinsen wird der Bau von Immobilien teurer, da diese oftmals großteilig fremdfinanziert werden. Steigen die Finanzierungskosten sinkt gewöhnlich die Nachfrage nach Krediten und Investitionen im Immobilienbereich unterbleiben.
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Dies ist ein absolutes Wahnsignal für die deutsche Gesamtwirtschaft. Auf den Immobiliensektor wirkt das Zinsniveau gewöhnlich mit am schnellsten. Die anderen Sektoren werden allerdings über die Zeit auch von dem höheren Zinsniveau erfasst. Die Bautätigkeit einer Volkswirtschaft ist daher ein vorlaufender Indikator für den weiteren Verlauf der volkswirtschaftlichen Entwicklung.
Dass die deutsche Wirtschaft allerdings bereits vor dem Wirken des höheren Zinsniveaus in die Rezession gerutscht ist, zeigt die generelle Schwäche der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland auf. Insbesondere der Wohnungsbau wird ohne gute Rahmenbedingungen nicht so einfach wiederzubeleben sein.
Eine gute wirtschaftliche Entwicklung insgesamt ermöglicht es auch Investoren oder Häuslebauer eher sich für einen Haus- oder Wohnungsbau zu entscheiden.
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Diego Faßnacht
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