Ex-Ferrari-Boss Montezemolo entlarvt das traurige Schicksal europäischer Automobilkunst
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Ferrari wagt den Schritt, vor dem viele Fans der Marke lange gezittert haben: Mit dem „Luce“ präsentiert der Hersteller aus Maranello sein erstes rein batterieelektrisches Serienmodell. Der Name bedeutet auf Italienisch „Licht“ – und soll offenbar signalisieren, dass Ferrari seine Zukunft nicht nur im Klang großer Verbrennungsmotoren sieht.
Auf dem Papier ist der Luce keinesfalls emotionslos: Vier Elektromotoren liefern zusammen 772 kW, also mehr als 1.000 PS. Der Fünfsitzer beschleunigt in 2,5 Sekunden auf Tempo 100, erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 310 km/h und soll mit seiner 122-kWh-Batterie rund 530 Kilometer weit kommen. Geladen wird über eine 800-Volt-Architektur mit bis zu 350 kW. Der Preis: rund 550.000 Euro.

Markant: Die Scheibenwischer des Luce ruhen an den A-Säulen
Der Luce ist kein Sportwagen mehr
Doch der Luce ist kein klassischer Ferrari-Sportwagen. Er ist ein Viertürer mit fünf Sitzen, hoher Alltagstauglichkeit und einem Design, das bewusst mit Ferrari-Traditionen bricht – weniger Rennwagen, mehr Luxusobjekt. Ferrari entfernt sich damit von seiner eigenen DNA: Motorensound, flache Silhouette, aggressive Sportwagenoptik. Auch Ex-Ferrari-Chef Luca di Montezemolo äußerte sich skeptisch und warnte sinngemäß vor einem Schaden für den Mythos Ferrari:
„Was soll ich sagen? Wenn ich ehrlich sage, was ich denke, tue ich Ferrari weh. Hier droht die Zerstörung eines Mythos. Das tut mir sehr leid – aber ich hoffe es trotzdem: Ich hoffe, dass man wenigstens bei dem, was mit China zu tun hat, das Cavallino, das Ferrari-Wappen, entfernt. Was haben wir mit China zu tun? Was sollen wir mit China machen? Immerhin ist das sicher ein Auto, das uns die Chinesen nicht kopieren werden. Sie werden kein Interesse daran haben.“

Luca di Montezemolo (78) war von 1991 bis 2014 Chef bei Ferrari.
Ehemaliger Ferrari-Boss entlarvt China-Problem
Di Montezemolo bleibt mit seiner Kritik nicht nur bei dem Luce. Zweifelsfrei kann man über das Modell streiten. Viel beachtlicher sind jedoch die Zusammenhänge der Wertschöpfung, die der Italiener schonungslos anspricht. „Ich hoffe, dass man wenigstens bei dem, was mit China zu tun hat, das Cavallino, das Ferrari-Wappen, entfernt“, sagt er.
Gemeint ist: In diesem Ferrari steckt keine europäische Ingenieurskunst mehr. China dominiert den Markt der Autobatterien, einer der wichtigsten Komponenten in jedem Fahrzeug mit Elektroantrieb.

Good old times: Luca di Montezemolo (r) mit Formel-1-Legende Michael Schumacher
Laut Internationaler Energieagentur (IEA) hat China im Jahr 2025 rund 80 Prozent aller E-Auto-Batterien produziert. Europa und die USA haben jeweils sechs bis sieben Prozent Produktionsanteil. Ein Ferrari mit E-Antrieb hat die Ehre eines „Cavallinos“ auf der Motorhaube tatsächlich nicht verdient.
Problem betrifft alle europäischen Autobauer
Ferrari springt mit dem „Luce“ auf einen Trend auf, der bereits bei nahezu allen europäischen Autoschmieden Einzug gehalten hat. Mit irrwitzigen EU-Vorgaben zum Verbrenner-Aus und strengen Grenzwerten zum Flottenverbrauch sind Hersteller nahezu zu einer E-Auto-Strategie gezwungen. Andererseits drohen heftige Strafzahlungen für erhöhte CO2-Ausstöße.

Rundleuchten am Heck erinnern an das klassische Ferrari-Design.
Damit zwingt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) eine der wichtigsten Industrien Deutschlands auf den Pfad zur China-Batterie. Die Konsequenz? Selbst bei einstigen Rendite-Champions wie Porsche liegt die Marge bei mageren 1 Prozent – Tausende Jobs sind in Gefahr. Dass die VW-Werkself in die zweite Liga des Topfußballs abgestiegen ist, erscheint in diesem Licht eher als logische Konsequenz denn als Zufall.
Und so ein abgestiegener Profifußballklub ist das Gleiche wie ein schwächelnder Autobauer mit massig ungekauften E‑Autos in der Auslage – ein gefundenes Fressen für die Manager mit dem Rotstift.

Zumindest das Lenkrad erinnert an italienische Sportwagen vor der Jahrtausendwende
Bei Verbrenner-Bauteilen sind wir Weltspitze
In unserem NIUS-Wörterbuch Links – Deutsch // Deutsch – Links (erhältlich im NIUS-Shop) haben wir das E-Auto wie folgt definiert:
„Das E-Auto ist kein Auto. Das E-Auto ist etwas vollkommen anderes. Ja, es fährt. Ja, es ist individuelle Mobilität. Und ja, es sieht aus wie ein Auto. Aber es ist eben kein Auto. Man kann es nicht einfach gegen das austauschen, was wir in Deutschland Auto nennen, vor allem nicht ohne gigantischen Wohlstandsverlust.
Wenn in Deutschland das Wort Auto fällt, dann versteht unser Gehirn und unsere deutsche Seele eben nicht einfach Karosserie, Verbrenner, vier Räder. Nein, jeder Mensch aus der Mitte unserer Gesellschaft versteht beim Wort ‚Auto‘ diese sagenhafte Wertschöpfungskette, die wie Kapillargefäße in die hintersten Winkel unseres Landes hineinreicht. Selbst dahin, wo es bis heute keinen Handyempfang gibt. Auto bedeutet ein historisch einzigartiges Netz aus Metall, Technologie, Zulieferern, Forschung, Spezialstahl, Feinmechanik, Präzisionsfertigung, Maschinenbau. An dem, was wir mit Auto meinen, hängen unzählige Sportvereine mit ihren Trikotsponsoren und mit ihren Clubheimen, Umkleidekabinen, kleine Volksfeste, soziale Infrastruktur, Engagement, Pumpen und Wagen für die Freiwillige Feuerwehr. Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr. All das ist Auto – ermöglicht durch die einzigartige Spitzentechnologie namens Verbrenner, die auf der ganzen Welt noch jahrzehntelang gebaut, aber in Deutschland verboten werden soll.
Diese tiefe Wertschöpfung wird das E-Auto mit seinem vergleichbar primitiven Batterieantrieb niemals leisten können. Motor, Getriebe, Abgasstrang und Kraftstoffsysteme in einem Auto haben 1000 bis 2000 Bauteile. Bei jedem einzelnen Bauteil sind wir Weltspitze. Der gesamte Antrieb eines E-Autos hat 200 bis 400 Teile. Die wesentlichen Teile davon inklusive der Batterietechnik kommen aus China. Jeder kann sich selbst ausrechnen, was das für die deutsche Wirtschaft und vielleicht auch für seinen Arbeitsplatz bedeutet.“
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Philippe Fischer
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