Abgewählt und trotzdem gefeiert: Plant Robert Habeck ein Politik-Comeback?
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Sie feiern ihn wie den Heilsbringer: Als Robert Habeck am schwülheißen Freitagabend im ausverkauften Berliner Admiralspalast, nur ein paar hundert Meter von seiner alten Wirkungsstätte entfernt, zum „Spitzengespräch“ mit dem Spiegel-Mann Markus Feldenkirchen antritt, erwartet den Grünen ein weitgehend weißes, auf den ersten Blick undiverses Publikum.
Gut sieht er aus: im Anzug ohne Krawatte, frisiert und ausgeschlafen und nicht mehr mit der zerknittert-kokettierenden Verzweiflung des früheren Wirtschaftsministers, der in der ARD gestand, aufgrund seines leeren Kühlschranks Müsli mit Wasser zu essen. „Ist die Welt aus den Fugen?“, so der Titel des Talks. Ja, und viele hier scheinen zu hoffen, dass Habeck daran etwas ändern kann, so begeistert wird stellenweise gejubelt.
Robert Habeck wird seinen Fans so vorgestellt: Er sei „für die einen der schlechteste Wirtschaftspolitiker aller Zeiten und für jeden quersitzenden Furz verantwortlich, für die anderen Hoffnungsträger und der beste Bundeskanzler, den Deutschland nie hatte“. Während der Regierungszeit der Ampel war Habeck Wirtschaftsminister und Vizekanzler. Sein „Heizungsgesetz“ wird als teurer Flop in die Geschichte eingehen und gilt rückblickend als einer der Gründe für das Aus der Koalition Ende 2024. Nach der Bundestagswahl erklärte Habeck, er werde keine führende Funktion in der Partei mehr übernehmen. Anfang September 2025 legte er sein Bundestagsmandat nieder.
Plant Habeck sein Politik-Comeback?
Neuerdings sieht man Habeck wieder öfter: Vor einer Woche saß er in der „3 nach 9“-Talkshow der ARD. Beim Spiegel-Talk spricht er anlassfrei fast zwei Stunden lang über US-Präsident Donald Trump, den russischen Präsidenten Wladimir Putin, über Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Englands Premier Keir Starmer. Seit seinem Politik-Aus forscht und lehrt Habeck, nach Stationen in Pennsylvania, im kalifornischen Berkeley und Jerusalem, am Dänischen Institut für Internationale Studien. Seine Gebiete: Geo- und Sicherheitspolitik. Am Berliner Ensemble hat er ein eigenes Talkformat. Als er seinen Arbeitsalltag beschreibt, klingt das nach einem (vermutlich gut bezahlten) Traumleben: Vorträge, Reisen, Lektüre.

Plant Robert Habeck sein Politik-Comeback? Der frühere Wirtschaftsminister lässt sich wieder häufiger bei Medienterminen blicken.
Er vermisse die BKA-Beamten, die für seine Sicherheit sorgten, sagt Habeck eingangs. Er gendert nicht und benutzt hin und wieder englische Ausdrücke. Es werden alte Szenen seiner Laientheaterauftritte eingespielt, die beweisen, dass der Sohn eines Apotheker-Ehepaars die Bühne beherrscht. Dann ein Spiel: Der studierte Philosoph möge Zitate zuordnen (eins davon ist von Benjamin Blümchen und eins von seiner Frau, der Autorin Andrea Paluch). „Weiß nicht, ob ich da Bock zu habe“, so Habeck.
Habeck glaubt nicht an die Wiederbelebung der FDP
Seine Meinung zu Wolfgang Kubicki, der am Wochenende aller Voraussicht nach mit 74 zum Parteivorsitzenden der FDP gewählt werde (Kubicki hatte Habeck zu Ampelzeiten mehrmals kritisiert): Kubicki werde „die FDP nicht zu der Partei machen, die Deutschland braucht“. Die trotzige „Das wird man ja noch sagen dürfen“-Haltung sei aber möglicherweise erfolgreich, so Habeck sinngemäß. Die aktuelle Regierung habe er nicht gewählt, so Habeck, er wünsche sich aber, „dass sie die Dinge gefixt bekommen“.
Fast jede seiner Aussagen wird mit Applaus gefeiert. Habeck beschwört mit 56 Jahren eine Zukunft, von der seine meist gleichaltrigen Fans wohl für immer träumen werden. Es geht viel um Demokratie und festgefahrene Feindbilder, einmal sagt Habeck: „Wenn alle in der Komfortzone bleiben, dann ist irgendwann Game over.“ Es geht um Parteien, die nur noch Reden für Instagram-Verwertbarkeit halten und Gedankenspiele wie eine Auflösung der Sitzordnung im Bundestag. Das klingt mehr nach Kinderfernsehen und weniger nach Politik. Die Aussagen zur Wehrpflicht jedoch lassen aufhorchen: Seine vier Söhne würde er selbst entscheiden lassen, ob sie den Kriegsdienst anträten. Er frage sich, was man brauchen würde, damit heute 30- bis 50-Jährige dazu bereit wären. Er selbst würde heute nicht mehr verweigern.
Es sei ihm egal, was der Journalist schreibe. Er werde dafür nicht gewählt, so Habeck zum Moderator. Er gibt sich befreit nach einem schweren Amt und wird doch gelegentlich wieder staatstragend: „Die Krise der Demokratie ist tiefer, als das Versagen einzelner Politiker.“ Applaus. Man müsse Zukunft denken. Applaus. Vielleicht war das eins der Hauptprobleme des Kinderbuch-Autors: dass er viel dachte, für den Geschmack vieler Bürger aber wenig richtig gut machte.
Auch über einstige Kollegen lässt er sich aus: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der jetzt von manchen als möglicher Kanzler ins Gespräch gebracht wird. Zu ihm habe er „immer ein gutes Arbeitsverhältnis“ gehabt. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hingegen gehöre für ihn zu den Menschen, „an denen ich wirklich nichts bewundere“.
Am Ende gibt es Standing Ovations für einen Mann, der abgewählt wurde, aber immer noch viele Anhänger hat. Und die scheinen auf ein Politik-Recycling des Grünen zu hoffen. Denn auch wenn Habeck sein Comeback abstreitet, ist er doch verdächtig oft zu sehen – schon am Sonntag als Märchenerzähler in der Berliner Philharmonie.
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Melanie Grün
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