Üppige Frauenkörper und Hunderte mit deutschem Nachnamen: 7 spannende Fakten zu unserem ersten WM-Gegner Curaçao
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Deutschland startet heute gegen Mini-Staat Curaçao in die Fußball-Weltmeisterschaft. Der Karibikstaat ist nicht nur das kleinste Land (150.000 Einwohner), das jemals bei einer WM dabei war und feiert das auch entsprechend.
NIUS ist live vor Ort auf Curaçao und nennt ihnen sieben spannende bis skurrile Fakten zum Weitersagen, beginnend mit dem wohl wichtigsten: Der Name „Curaçao" wird kjur-uh-sau ausgesprochen.
Die große, vollbusige Schwester
Überall auf der Insel, vor allem jedoch in der Hauptstadt Willemstad, sieht man bunte Figuren, die einen sehr üppigen, geradezu überzeichneten Frauenkörper darstellen. Es handelt sich dabei um die „Chichi“ (ausgesprochen „Tschi-Tschi“). Chichi ist im Papiamentu die liebevolle Bezeichnung für die älteste Schwester in der Familie – die Frau, die die Familie zusammenhält, umsorgt und beschützt. Die Figuren stellen eine voluptuöse, kurvige Frau mit ausgebreiteten Armen dar, oft sitzend, mit bunt bemalten Mustern.

Das ist eine der „Chichi“-Figuren – eines der bekanntesten kulturellen Symbole Curaçaos.
Zur Herkunft, soweit belastbar belegbar: Die Chichi wurde von der deutschen Künstlerin Serena Janet Israel entwickelt, die seit den 1990er-Jahren auf Curaçao lebt. Sie gründete die Werkstatt/Marke Serena's Art Factory in Willemstad, wo die Figuren aus Polyresin gegossen und anschließend von Hand bemalt werden. Die Figuren sind inzwischen zu einem festen Bestandteil des Souvenirhandels und der Inselidentität geworden und werden in vielen Größen verkauft – von kleinen Anhängern bis zu großen Skulpturen.
Eine 140 Jahre alte Brücke, die fährt
Die Queen-Emma-Pontonbrücke schwimmt auf dem Wasser und verbindet die Stadtteile Punda, wo das Regierungsviertel liegt, und Otrobanda. Sie schwingt mehrmals täglich auf, um Schiffe passieren zu lassen – sie liegt auf Pontons im Wasser und wird seitlich weggedreht statt hochgeklappt. Deshalb ist ihr Spitzname auch „Swinging Old Lady“.
Die Brücke wurde 1888 vom amerikanischen Unternehmer und US-Konsul Leonard Burlington Smith gebaut und ist eine der ältesten Brücken der Karibik. Sie gilt als die älteste Brücke dieser Art – und auch die einzige permanente hölzerne Pontonbrücke auf dem Planeten.
Der berühmte blaue Likör ist eigentlich orange – ein botanischer Unfall
Jeder kennt Curaçao durch den berühmten blauen Likör und all die Cocktails, die darauf basieren. Blue Curaçao ist aber eigentlich orange – und ein botanischer Unfall. Die Valencia-Orangen der ersten spanischen Siedler kamen mit dem trockenen Klima nicht zurecht und entwickelten sich zur fast ungenießbaren Laraha-Orange oder auch Curaçao-Orange. Deren Schalen enthalten ätherische Öle, die heute die Basis des Likörs bilden – der ursprünglich klar war und erst durch blaue Lebensmittelfarbe seine Farbe bekam. Die Farbe hat null Einfluss auf den Geschmack, ist aber zum globalen Markenzeichen geworden.

Dieses Getränk hat NIUS-Reporter nur aus journalistischen Gründen getrunken.
Bunte Häuser gegen Migräne – oder doch für den eigenen Geldbeutel?
Die farbigen Gebäude, für die die Insel berühmt ist und die schon als Kulisse für zig Tausende Urlaubsfotos herhalten durften, wurden angeblich auf Anordnung des Gouverneurs Albert Kikkert gestrichen, der behauptete, weiße Häuser würden ihm in der tropischen Sonne Migräne bereiten.
Er erließ 1816 ein Dekret, das alles außer Weiß zur Pflicht machte – binnen drei Jahren wurde die Stadt zum Regenbogen. Davor waren die Fassaden weiß: aus mit Muschelkalk verputzten Ziegeln, die in der intensiven Karibiksonne blendend weiß trockneten.
Die Pointe, die den Fakt erst stammtischtauglich macht: Später soll ans Licht gekommen sein, dass der Gouverneur Anteilseigner am einzigen Farbgeschäft der Insel war. Die Migräne war also möglicherweise nur der Vorwand – er verdiente an jedem Eimer Farbe mit.

Das klassische Postkarten-Foto von Curaçao: die bunten Häuser von Willemstad.
Die älteste jüdische Gemeinde Amerikas
Die jüdische Gemeinde Curaçaos wurde von Familien gegründet, die in den 1650ern aus Spanien und Portugal über die Niederlande auf die Insel kamen. Die Mikvé-Israel-Emanuel-Synagoge in Willemstad wurde 1732 geweiht und ist die älteste durchgehend genutzte Synagoge Amerikas – die Gemeinde selbst geht auf 1651 zurück, als die ersten jüdischen Familien aus Amsterdam kamen, mehrere Generationen nachdem sie Spanien und Portugal verlassen hatten, um der Inquisition zu entkommen.

Mikvé-Israel-Emanuel-Synagoge in Willemstad
Das eigentliche Schmankerl ist der Boden: Der Boden der Synagoge ist mit weißem Sand bedeckt – zum einen als Erinnerung an die 40 Jahre, die die Juden in biblischer Zeit durch die Wüste wanderten, zum anderen als Hommage an die portugiesischen Vorfahren, die vor ihrer Flucht vor der Inquisition Sand benutzten, um die Geräusche ihrer heimlichen Gebete zu dämpfen. Heute gibt es weltweit nur noch vier Synagogen, die diese typisch niederländisch-portugiesische Tradition des Sandbodens fortführen.
596 Wahlberechtigte mit dem Nachnamen Zimmermann
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