Ach du teure Tanne … Den Wunschzettel der Regierung zahlen wir Bürger!
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Was waren das für heimelige Kinderzeiten, als man zu Beginn des Advents dem Christkind einen Brief mit seinen Weihnachtswünschen schrieb, und als man dabei voller Zuversicht hoffen konnte, an Heiligabend würden sich die halbwegs verwirklichbaren unter diesen Wünschen auch erfüllen!
Wenn dann im Lauf des Lebens schon nicht der Glaube an den Kern des Weihnachtsfestes erlischt, dann freilich doch das Vertrauen, höhere Mächte würden verlässlich zur Hilfe kommen, wenn Politiker es zwar vielleicht nicht am guten Willen fehlen lassen, sehr wohl aber an der Einsicht ins Notwendige und an der Bereitschaft zum verlässlich Zielführenden. Wünsche hat man allerdings weiterhin.
Wie schön wäre es doch, im Bundestag vor allem solche Leute zu haben, die mehr erlernt haben als das Technische am Politikerberuf!

Kaum einer in der Bundesregierung hat einen Beruf erlernt.
Auch Leute, für deren Aussagen über Panzer, Konkurse und Entfernungen auf dem Erdball man sich nicht fremdschämen müsste, weil sie von so unglaublichen Bildungsmängeln zeugen. Wünschen möchte man sich ebenfalls Politiker, die sich nicht „von der Wirklichkeit umzingelt“ wähnen, sondern ohnehin davon ausgehen, dass die Probleme der Sicherheitspolitik, der Energiepolitik, der Migrationspolitik oder der Sozialpolitik sich eben nicht in der Komfortzone einer selbst erfundenen Ideenwelt stellen, sondern dass sie gerade so real sind wie der Zahn, der einem wehtut, oder der Unfall, der den eigenen Wagen beschädigte.
Nich nur über sondern mit Andersdenkenden reden
Wie sehr wünschte man sich von Parlamentariern und Parteileuten auch Neugier auf alles das, was vielleicht Anlass fürs persönliche Um- und Neudenken gäbe. Oder die Bereitschaft dazu, nicht nur über Andersdenkende zu reden, sondern gerade auch mit ihnen – samt Einräumung zumindest der Möglichkeit, auch ein anderer als man selbst könnte einmal recht haben. Und die obendrein eine gewisse Scheu davor hegten, politischen Gegnern statt mit Argumenten vor allem mit dem Schadensfluch von Begriffsmagie zu kommen: Dich nennen wir einen Radikalen oder Extremisten – und also bist Du fortan nicht mehr ernstzunehmen, wirst selbst Dich bald Deines Wesens genieren, und verlierst anschließend Deine Anhängerschaft ganz gewiss!
Zufrieden wäre man freilich auch schon, wenn unsere Politikerschaft Neuinvestitionen in der Wirtschaft, die künftige Rendite bringen können, nicht mit Ersatzinvestitionen verwechselte, die Gebrauchtes – wie Brücken oder Schulgebäude – einfach erneuern. Dinge, die sich abnutzen, sollte man nämlich während der Jahre ihres Gebrauchs abschreiben, um sich unterdessen nicht für reicher zu halten, als man wirklich ist.
Dann nämlich wird man vom Spendieronkel zum Bankrotteur, auch wenn eine glänzende Fassade sich noch jahrelang aufrechterhalten lässt – wie von Frankreichs König vor der Revolution. Jedenfalls wäre es besser, in guten Zeiten Rückstellungen vorzunehmen für den Fall, dass sich aufgelaufener Erneuerungsbedarf irgendwann nicht mehr aus den laufenden Einnahmen finanzieren lässt. Und wie beruhigend wäre gar erst ein Politikerhandeln entlang der nicht wirklich neuen Einsicht, dass die Kredite von heute die Schulden von morgen sind – zumindest dann, wenn sie nicht so brutal weginflationiert werden wie nach Deutschlands Kriegen im 20. Jahrhundert. Toll wäre es ebenfalls, wenn alle Politiker und Parteien begriffen, dass ein Wohlergehen der Wirtschaft, woraus allein sich ein Staat nachhaltig finanzieren kann, auch einer gärtnerischen Pflege durch vernünftige Politik bedarf. Freilich brauchte es dafür tüchtige Gärtner – und keine Dilettanten, die professionelle Berufsarbeit nur simulieren.

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist Kinderbuchautor.
Wenn wir aber schon beim Träumen sind, dürfen wir gleich noch weitere Wünsche zulassen. Vielleicht kann ja Deutschlands Klimapolitik wirklich nicht die ganze Welt retten; warum soll man dann aber durch vergebliche Versuche dieser Art unsere Gesellschaft einem Härtetest unterziehen, den sie absehbar nicht unbeschadet übersteht? Und vielleicht gibt es irgendwann auch wirklich keine hinnehmbaren Unterbringungsmöglichkeiten mehr für selbstermächtigt nach Deutschland Zuwandernde, keine schmerzlos nutzbaren Finanzierungsmöglichkeiten für deren fremdgelieferten Lebensunterhalt, keinen Fortbestand jener einst gottesdienstähnlichen Willkommenskultur, bei der man als Politiker oder Intellektueller so leicht so gute Haltungsnoten bekam. Wenn sich aber das alles abzeichnet: Sollte man dann nicht wenigstens hoffen dürfen, dass diese Lage quer über die politischen Glaubensrichtungen allmählich begriffen wird, und das solche Problemlösungen nicht länger gescheut werden, die in der Praxis dann auch wirken, also keine bloß stimmungsaufhellenden Placebos sind?
Vielleicht wagt man es sogar, sich eine Regierung zu wünschen, die ohne Tricksereien und Nebelkerzen zu arbeiten versucht. Vor deren Wirklichkeitssinn, Tatkraft und öffentlicher Ehrlichkeit man wieder Respekt haben kann. Deren Politik auch von anderen Staaten und Völkerschaften als vernünftig angesehen wird. Die unser Land von einem aufschneiderischen Tölpel wieder zu einer Nation macht, die man im Ausland achtet und sich zum Beispiel nimmt. Doch weil man sich, erfahrungsbelehrt, beim „Brief ans Christkind“ besser bescheidet: Wäre es nicht schon wunderbar, wenn unsere Regierung unter dem Begriff des inzwischen erforderlichen Sparens nicht länger die Erhöhung von Staatseinnahmen verstünde, sondern das Nicht-Ausgeben von Geld, das sie gar nicht mehr hat?
Leider werden noch viele Weihnachtsfeste und Neujahrsfeiern vergehen, bis auch nur wenige dieser Wünsche erfüllt sind. Halten wir es deshalb mit unerfüllten Weihnachtswünschen so, wie wir dies zu beginnenden Erwachsenenzeiten unternahmen. Damals machte sich unsere Generation daran, jene Voraussetzungen selbst zu schaffen, die für die Verwirklichung des bislang nur Ersehnten nötig waren. Also wünschte man sich nicht einfach das jeweils erforderliche Geld, sondern man erarbeitete es im Lauf der Zeit. „Haltung zeigen“ kann nämlich auch die bereitwillige Übernahme und verlässliche Erfüllung von Pflichten meinen.
Übersetzt in Politik, heißt das alles: Kritisieren wir es in vernehmlicher Lautstärke und unermüdlich, doch freilich mit Vernunft und gutem Willen, wenn unsere Politikerschaft gemeinwohlorientierte Wünsche eher beiseiteschiebt, als dass sie sich mit Sachverstand und Weitblick um deren Erfüllung bemühte. Nutzen wir unsere wichtigsten Machtmittel beim Ringen um eine bessere Politik und Politikerschaft, nämlich unser eigenes Mittun und unsere Stimme am Wahltag. Und geben wir im eigenen Umfeld stets ein gutes Beispiel dafür, wie man sich beim politischen Reden und Tun verhalten sollte.
Zwar kann man auch in der Politik weiterhin aufs Christkind und auf die erbetene Bescherung warten. Doch zu Besserem riet einst Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes – außer, man tut es“. Und damit wären wir auch schon von den Weihnachtswünschen zu den Vorsätzen fürs neue Jahr gelangt ...
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Werner J. Patzelt
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