Bombendrohungen und Hassmails auf Arabisch: Wie eine Schule ins Fadenkreuz einer islamistischen Hetzkampagne geriet
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In der beschaulichen Stadt Melle mit rund 46.500 Einwohnern, gelegen im Städtedreieck Osnabrück, Bielefeld und Münster, wurde eine Schule vor einigen Tagen zum Ziel einer islamistischen Hetzkampagne. Auslöser war eine Regelung der Schule, die eine Antragspflicht für das Tragen des Kopftuchs vorsah. Nach massiven Beschimpfungen und Bombendrohung gegen die Schule, wird die neue Regelung jetzt zurückgenommen.
Nachdem das islamische Onlineportal „IslamiQ“ über den Fall berichtet hatte, griffen zahlreiche linke und muslimische Influencer das Thema auf und brandmarkten die Schule als „diskriminierend“. Kurz darauf tauchten an den Schulwänden Schmierereien wie „Rassistensau“ und „Rassist*innen boxen“ auf. Drohmails in arabischer Sprache gngen ein, darunter auch Bombendrohungen. Die Urheber der Kampagne schweigen.
„Rassistensau“ und „Rassist*innen boxen“
Beide Parolen standen laut Informationen der Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) in Graffiti-Lettern am Eingang der Lindenschule Buer in Melle. Die Schmierereien wurden entfernt.
Statt der Schule den Rücken zu stärken, mischten sich inzwischen auch kommunale und landesweite Stellen in die öffentliche Debatte ein: Melles SPD-Bürgermeisterin Jutta Dettmann zeigte sich „verwundert und irritiert“ über die Entscheidung der Schule und verwies auf den Anspruch einer „bunten und vielfältigen Stadtgesellschaft“. Zudem griff das Regionales Landesamt für Schule und Bildung ein und veranlasste, dass die neue Kopftuch-Regelung wieder aufgehoben wird (mehr dazu unten).

Dieses Bild von einem der Graffiti machte die NOZ-Reporterin Anna-Marie Fels.
Zur Vorgeschichte: In einem Brief an die Eltern vom 4. November hatte die Schulleitung darauf hingewiesen, dass Schüler beim Betreten des Schulgebäudes sowie in allen geschlossenen Räumen keine Kopfbedeckungen tragen dürfen. Dazu zählten laut Schreiben auch „Mützen, Kappen oder Kopftücher“. Wie die Regelung, die in das gesetzlich geregelte Grundrecht der Religionsfreiheit eingreift, zustande kam, ist unklar.
Ausnahmen seien „selbstverständlich möglich“, müssten jedoch bei der Schulleitung beantragt werden. Die Eltern, die das Schreiben erhielten, wurden aufgefordert, einen entsprechenden Antrag für ihre Kinder bis zum 28. November einzureichen.
Islamportal zündet Online-Shitstorm
Bekannt wurde diese Regelung der Schule durch einen Artikel des muslimischen Onlineportals „IslamiQ“ vom Freitag vergangener Woche. Darin kam unter anderem der Vorsitzende des umstrittenen Islam-Lobbyverbands „Schura Niedersachsen“, Kerim Ocakdan, zu Wort. Er erklärte gegenüber „IslamiQ“, den Vorgang an das Niedersächsische Kultusministerium weitergeleitet zu haben und wolle die Prüfung der Schulregelung „aufmerksam begleiten“.
Statt einer sachlichen Diskussion entwickelte sich jedoch ein massiver Shitstorm. Auf Instagram wurde die Lindenschule zum Ziel diffamierender Kommentare aus dem Umfeld muslimischer Follower.
Einen Tag nach Erscheinen des Artikels postete „IslamiQ“ ein Foto des Schulbriefs an die Eltern. Während die Unterschrift der Schulleiterin geschwärzt war, blieb die vollständige Schuladresse sichtbar – das öffnete das Tor, die Einrichtung zur Zielscheibe einer öffentlichen Hetzjagd zu machen.

Auf Instagram teilte „IslamiQ“ ein Bild des Schulbriefs an die Eltern – dabei wurde die Adresse der Schule jedoch nicht unkenntlich gemacht.
Linksaktivistische Ex-Lehrerin und Islam-Anwalt mischen sich ein
Am selben Tag verbreitete das Instagram-Profil „Ummati.Shop“ – ein Onlineshop, der islamische Lernmaterialien für Kinder anbietet, darunter Hefte, in denen Zeichnungen von verschleierten Mädchen abgebildet sind – denselben Brief, diesmal ganz ohne geschwärzte Angaben. Damit wurden sowohl der Name der Schule als auch der der Schulleiterin öffentlich bekannt. Der Shop forderte seine Follower auf, den Beitrag zu teilen, „damit nicht weitere Schulen auf die Idee kommen, nachzuziehen“.
Nur einen Tag später meldete sich auch die linke Ex-Lehrerin und Palästina-Aktivistin Gina Waibel zu Wort. Sie teilte den Brief, jedoch mit geschwärzten Angaben, und kündigte an, dass der Anwalt Yalçın Tekinoğlu, auf Instagram „rechtsanwalt_durust“, eine Familie, die den Brief erhalten hatte, vertreten werde.

Gina Waibel, die in der Vergangenheit und während ihrer Zeit als Lehrerin immer wieder durch islamismusverherrlichende Beiträge und die Verbreitung antisemitischer Narrative auffiel und mit mehreren Dienstaufsichtsbeschwerden zu kämpfen hatte, weist in ihrem Beitrag darauf hin, dass die Entscheidung der Schule gegen das Schulgesetz verstoßen würde.
Brisant: In der Vergangenheit bezeichnete Gina Waibel Tekinoğlu mehrmals als „ihren Anwalt“. Dabei ist Tekinoğlu nicht nur ihr Rechtsvertreter, sondern auch politischer Mitstreiter. Er trat bereits als Rechtsberater auf pro-palästinensischen Veranstaltungen auf und präsentiert sich in sozialen Medien als jemand, der Muslimen hilft, ihre Meinungsfreiheit in Deutschland zu verteidigen – meist im Zusammenhang mit rechtlich grenzwertigen Äußerungen zum Nahostkonflikt.

In der Vergangenheit sprach Tekinoğlu bereits in einem sogenannten „Palästina-Camp“.
Hassmails und Bombendrohung in arabischer Sprache
Welche Folgen diese Online-Kampagne hatte, zeigte sich bald: Laut einem Bericht des NDR erhielt die Schule am Dienstag mehrere Drohmails in arabischer Sprache, die zunächst von Polizei und Schule übersetzt werden mussten. Eine davon enthielt eine Bombendrohung.
Wie die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) berichtet, veröffentlichte die Schule am Sonntag auf Instagram eine Mitteilung, in der die Schulleiterin erklärte, der Brief habe zu „Rückfragen und Unsicherheiten“ geführt. Gleichzeitig kündigte die Schule an, die Antragspflicht für das Tragen des Kopftuchs vorübergehend auszusetzen.
Auch diese Erklärung half wenig, die Kommentarspalte füllte sich mit Beleidigungen und Diffamierungen, woraufhin die Schule ihren Instagram-Account deaktivierte.
SPD-Bürgermeisterin drängt auf Rücknahme der Regelung
In einer Stellungnahme erklärte Melles SPD-Bürgermeisterin Jutta Dettmann, sie sei „selbst sehr verwundert und irritiert“ gewesen, als sie von dem Elternbrief erfahren habe. Die Stadtgesellschaft in Melle sei „bunt und vielfältig“, und zur Religionsfreiheit gehöre für sie auch das freie Tragen des Kopftuchs.

Online teilte die Stadt Melle eine Stellungnahme zur Entscheidung der Schule.
Auch erklärt Bürgermeisterin Dettmann, sie hätte „umgehend“ mit dem regionalen Landesamt für Schule und Bildung (RLSB) Kontakt aufgenommen, um den Fall zu prüfen. Darüber hinaus wolle sie das Gespräch mit der Konrektorin der Schule aufnehmen, um „zum einen die Hintergründe für diesen Elternbrief zu erfragen“ und zum anderen, um „deutlich zu machen“, dass sie hoffe, dass das „Antragsgebot aufgehoben“ und die Schulordnung angepasst werde – was schließlich auch geschah.

Hat für die Lindenschule Buer keine Unterstützung übrig: Die SPD-Bürgermeisterin Jutta Dettmann (rechts) auf ihrem Instagram-Profil.
Architekten der Kampagne feiern ihren Erfolg
Während die Schule mit den Folgen der Hetzkampagne zu kämpfen hat, feiern die Initiatoren ihren „Erfolg“ in sozialen Netzwerken. „IslamiQ“ postete einen Beitrag mit dem Hinweis, die Schule habe die Kopftuchregelung „nach bundesweiter Kritik“ zurückgenommen – ohne zu erwähnen, dass diese Kritik in großen Teilen aus der eigenen Leserschaft stammte.

„IslamiQ“ feiert den Erfolg.
Ex-Lehrerin Gina Waibel kommentierte den Beitrag mit den Worten: „Also, Social Media hilft“, und verlinkte ihren Anwalt Yalçın Tekinoğlu. Zahlreiche Nutzer schrieben unter den Post „Alhamdulillah“, ein islamischer Ausdruck, der in etwa „Gott sei Dank“ bedeutet.
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