Kulturkampf in der CDU: Göttinger CDU-Politiker unterstützen linksextremen Buchladen
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Joelle RautenbergNachdem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer vergangene Woche drei linksradikale Buchläden von der Liste für den Deutschen Buchhandelspreis streichen ließ, entbrannte eine Debatte über Meinungsfreiheit und politische Einflussnahme in der deutschen Medienlandschaft. In der niedersächsischen Stadt Göttingen posierte nun der Oberstaatsanwalt Dr. Ehsan Kangarani mit der CDU-Landespolitikerin Carina Hermann vor einem der betroffenen Läden, dem „Buchladen Rote Straße“.
„Gesinnungsschnüffelei im Buchladen“, „Wolfgang Weimer und der Kulturkampf“ oder „äußerst fragwürdig“ – negative Schlagzeilen wie diese finden sich seit Tagen in der deutschen Medienlandschaft. Anlass dafür war der Ausschluss der drei linksradikalen Buchläden „Buchladen zur schwankenden Weltkugel“ in Berlin, „The Golden Shop“ in Bremen und des „Buchladens Rote Straße“ in Göttingen aus der Liste für den Deutschen Buchhandelspreis durch den Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.
Dieser rechtfertigte das Vorgehen mit „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen“. Eine Abfrage beim Bundesamt für Verfassungsschutz, ob gegen die genannten Buchläden nachrichtendienstliche Erkenntnisse vorliegen, erwies sich als positiv. Gegenüber der Funke Mediengruppe sagte Weimer: „Meine Position dazu ist klar: keine Steuergelder für Extremisten.“
Während CDU-Politiker wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Beyer, der gegenüber der BILD sagt: „Steuergelder, egal ob für Sport, Wirtschaft oder Kultur, dürfen keinen Verfassungsfeinden zugutekommen – das ist doch selbstverständlich!“, Weimers Entscheidung unterstützen, geht die Göttinger CDU einen eher ungewöhnlichen Weg.

Wirft Weimer-Kritikern „pure Heuchelei“ vor: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Beyer.
Am Dienstag teilten die beiden CDU-Politiker Dr. Ehsan Kangarani und Carina Hermann einen Beitrag auf der Social-Media-Plattform Instagram, der sie vor dem umstrittenen „Buchladen Rote Straße“ in Göttingen zeigt. Der Beitrag trägt den Titel „Austausch mit dem Buchladen Rote Straße“ und beinhaltet Sätze wie „Der stationäre Buchhandel leistet einen wichtigen Beitrag für unsere Innenstädte und für das gesellschaftliche Miteinander“.

Der Oberstaatsanwalt Dr. Ehsan Kangarani auf seinem Instagram-Profil mit einer Tasche des radikalen „Buchladen Rote Straße“ in Göttingen.
Oberstaatsanwalt zeigt sich öffentlich vor linksradikalem Szeneladen
Im Instagram-Beitrag von Dienstag zeigt sich der Göttinger Oberstaatsanwalt Dr. Ehsan Kangarani mit breitem Lächeln vor dem „Buchladen Rote Straße“ und trägt dabei sogar einen Jutebeutel des Ladens; auf einem anderen Bild wird er fröhlich stöbernd im linken Buchladen gezeigt. Obwohl Kangarani und Hermann laut dem Beitrag vor Ort waren, „um das Gespräch zu suchen, zuzuhören und uns über die aktuelle Situation zu informieren“, wirkt der Instagram-Beitrag weniger wie ein differenzierter Beitrag zu gesellschaftlichen Themen wie Meinungsfreiheit und Extremismus, sondern mehr wie ein Signal der Solidarität. Über die politische Haltung des Buchladens, Verbindungen ins linksradikale Milieu oder die Inhalte des laut den Politikern gesuchten Gesprächs ist im Beitrag kein Wort zu finden.

Der „Buchladen Rote Straße“ in Göttingen.
Protestbücher für Kinder, Klimakommunismus und „Queere Tiere“
Der Buchladen, den die beiden CDU-Politiker besuchten, steht, so könnte man meinen, im deutlichen Gegensatz zu den Werten der Partei. Das Geschäft wurde 1972 gegründet und hatte viele Jahre seinen Sitz in der Roten Straße, bevor es an den Nikolaikirchhof umzog. Dieser ist in Göttingen für sein linksextremes Umfeld bekannt: An den Gebäudewänden finden sich zahlreiche linke Graffiti, und in der universitären Nikolaikirche, die den zentralen Punkt des Hofs bildet, werden regelmäßig links-politische Gottesdienste abgehalten, etwa ein Queer-Gottesdienst im Jahr 2024.
Zudem gilt der Ort in Göttingen als historischer Treffpunkt für die linke bis linksextreme Bewegung in der Studentenstadt. Während die Besucher früher vor allem aus der Studentenbewegung der 1968er und den sogenannten neuen sozialen Bewegungen ab den 1980er Jahren stammten, sind es heute vor allem identitätspolitische und kommunistische Aktivisten, die den Ort als Agitationspunkt nutzen.

„Racism + Sexism kills“: Dieses Graffiti steht an der Wand der Nikolaikirche am Nikolaikirchhof.
Die politische Gesinnung des Ladens zeigt sich vor allem in der einseitigen Bücherauswahl, die hauptsächlich durch Kategorien wie „Marxismus“, „Asyl/Migration“ oder „Linke und Soziale“ geprägt ist. In den Regalen des Geschäfts findet sich zudem nicht nur Literatur über bekannte kommunistische Denker wie Karl Marx, sondern auch Bücher mit Titeln wie „40 Jahre radikal“, „Das Ende des Kapitalismus“ oder „Der Krieg gegen die Flüchtlinge“. Die im Laden verfügbaren Bücher wurden mehrheitlich von linken Aktivisten oder Denkern verfasst.

„Das Ende des Kapitalismus“: Bücher wie diese sind zuhauf in der linken Buchhandlung am Nikolaikirchhof zu finden.
Die aktuelle Leseempfehlung des Buchladens? Ein Buch namens „Auf die Straße! Kunst als Protest“ für Kinder ab 13 Jahren, in dem es um „reale Beispiele von Aktivst*innen“ und „Mittel zur Protestkunst“ geht. Das Buch soll schon junge Heranwachsende zum Protestieren motivieren.

Auf seiner Website bewirbt der Buchladen ein Werk, welches schon Kinder zum Protest animieren soll.
Die Politisierung von Kindern wirkt im „Buchladen Rote Straße“ generell wie ein wichtiges Anliegen. So wurde in dem Geschäft im Rahmen der „Queren Kulturtage“, die von der Stadt Göttingen gefördert wurden, im Jahr 2025 beispielsweise eine Kinderbuchlesung „für Kinder von 3–6 Jahren und deren Bezugspersonen“ veranstaltet. Das Thema der Lesung? „Queere Kinder- und Jugendbuchliteratur“.

Online bewarb der linke Buchladen die „Queere Kinderbuchlesung“.
Doch nicht nur Kinder politisch links ausgerichteter Eltern werden im „Buchladen Rote Straße“ fündig. So gibt es auch regelmäßige Veranstaltungen zu linken Wirtschaftskonzepten, beispielsweise eine Lesung über „Klimakommunismus“.
Verbindungen zu linkem Denunziationsportal
Doch der von dem Göttinger Oberstaatsanwalt Dr. Ehsan Kangarani und der Vorsitzenden des CDU-Stadtverbandes Göttingen sowie ehemaligen Richterin am Landgericht Göttingen, Carina Hermann, besuchte Laden lässt nicht nur linke Akteure Lesungen bei sich halten, sondern arbeitet auch aktiv mit ihnen zusammen.
So finden sich im Internet mehrere Beiträge, die eine Zusammenarbeit zwischen dem Buchladen und dem Antifaschistischen Bildungszentrum und Archiv Göttingen (ABAG) belegen. Dieses veröffentlicht eine jährliche Chronik von vermeintlich „rechtsextremen Vorfällen“, die jedoch oft aus Stickern oder Demonstrationen politischer Gegner hervorgehen.

„Rechts, wo die Mitte ist - Die AfD und die Modernisierung des Rechtsextremismus“: Diese Lesung wurde zusammen mit dem ABAG und dem „Buchladen Rote Straße“ veranstaltet.
So finden sich in der Chronik als rechtsextreme Vorfälle teilweise Begebenheiten wie: „Göttingen. Aus der Ossietzkystraße wird ein an einem Auto klebender Sticker mit der Aufschrift „FCK Grüne“ sowie ein Sticker mit der Aufschrift „FCK WOKE“ gemeldet.“ Oder auch: „Northeim. In Northeim marschieren ca. 20 Personen Corona-LeugnerInnen auf.“
Während das Portal auch teilweise echte Fälle von Rechtsextremismus meldet, beispielsweise die Beschmierung von Häuserwänden mit Hakenkreuzen, nimmt es zunehmend politisch unliebsame Akteure ins Visier und ruft auf seiner Website auch aktiv dazu auf, diese zu melden.

Das ABAG ruft auf seiner Website dazu auf „rechte Vorfälle“ zu melden. Darunter fallen für die Organisation auch Andersdenkende.
Nicht der erste linke Fauxpas
Obwohl es ungewöhnlich wirkt, dass sich ein CDU-Politiker vor einem linken Buchladen ablichten lässt, war es für Dr. Ehsan Kangarani nicht der erste linke Ausrutscher. So teilte der Oberstaatsanwalt bereits im November 2025 ein Bild auf Instagram, auf dem er sich neben einem Aufsteller des Entwicklungspolitischen Informationszentrums Göttingen (EPIZ) zeigte. Das Zentrum definiert sich selbst als „solidarisch für globale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Vielfalt und eine sozial-ökologische Transformation“ und bewirbt immer wieder linke Veranstaltungen, beispielsweise einen „postkolonialen Stadtspaziergang“ oder einen Vortrag namens „Decolonize Science“.

„Weltweite Solidarität“ und „Bewegte Zivilgesellschaft“: Dr. Kangarani im November 2025 bei einer Veranstaltung des EPIZ.
In einem Instagram-Beitrag fordert das EPIZ „tax the rich“, ein mittlerweile bekannter linker Ausruf, der eine höhere Besteuerung wohlhabender Bürger fordert. Ob die CDU in Göttingen dieses Vorhaben unterstützt, ist unklar. Laut Kangaranis Instagram-Beitrag steht das EPIZ jedenfalls für ein „starkes zivilgesellschaftliches Engagement“.

Nur eine der kontroversen Forderungen des EPIZ: „Tax the rich!“.
Unterstützung der muslimischen Hochschulgruppe
Auch zur Muslimischen Hochschulgruppe Göttingen (MHG) hat der Oberstaatsanwalt Kontakt. Diese veranstaltete am Mittwoch im Rahmen des islamischen Fastenmonats Ramadan ein Podiumsgespräch der abrahamitischen Religionen mit anschließendem Fastenbrechen. Auch der Christdemokrat Kangarani nahm daran teil und dankte der Gruppe später in einem Instagram-Beitrag: „Das Team der Hochschulgruppe hat keine Mühen gescheut“ und „Vielen Dank für dieses Highlight“.

Auf Instagram lobt der CDUler die muslimische Hochschulgruppe.
Brisant: Die Muslimische Hochschulgruppe Göttingen lud in der Vergangenheit schon Referenten wie Abdul Aleem vom muslimischen Instagram-Blog „Land der Propheten“ ein. Dieser teilt auf seinem Blog regelmäßig Bilder und Videos von antiisraelischen Veranstaltungen und pflegt enge Verbindungen zur Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş e.V. (IGMG). Diese wurde in der Vergangenheit wegen Verbindungen zu radikal-islamistischen und salafistischen Bewegungen wie der Muslimbruderschaft oder der türkisch-rechtsextremistischen Ülkücü-Bewegung vom Verfassungsschutz beobachtet. Zudem veranstaltete die Hochschulgruppe im Jahr 2024 zu Ramadan ein muslimisches Gruppengebet, bei dem über 80 Muslime in der öffentlichen Universität beteten und ein Muezzin „Allah Akbar“ rief.
Doch auch hierzu finden sich im Beitrag des Politikers, der auf seiner Website mit dem Anspruch auf „Sicherheit und Ordnung“ wirbt, keine Hinweise.
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Joelle Rautenberg
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