Der Mythos um das Attentat wird Donald Trump den Weg ins Weiße Haus ebnen
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Das Attentat auf Donald Trump hat genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sich der tote Attentäter und all jene erhofft haben, die Trump seit Jahren am liebsten tot sähen. Trump ist nicht nur nicht tot – er ist quicklebendig. Das Attentat hat ihm (von einem Kratzer am Ohr abgesehen) nicht geschadet – sondern ihn neu geboren.
Trump ist aus der Asche seines Wahlkampfs, den seine Gegner, aber auch viele Anhänger bereits verloren glaubten, auferstanden wie der mythische Vogel Phönix, der sich nach jeder Vernichtung strahlend neu erhebt. Diese heimtückische Gewehrsalve eines pickeligen Zwanzigjährigen mit Zahnspange, der für seine feige Tat keine Motive außer Dummheit, Verwirrung und Hass haben konnte, weil es keine anderen gibt – diese Schussfolge hat Trump jetzt endgültig zu dem gemacht, was weder seine Anhänger noch seine Gegner geschafft haben: zu einem Mythos.

Schon jetzt ein ikonisches Foto, hier wird ein Mythos geboren: Donald Trump reckt direkt nach dem Attentat kampfbereit die Faust in die Luft.
Wer ein Attentat überlebt, wird zur Legende
Ein Mythos ist eine Erzählung von Göttern und Helden. Aber der Mythos ist mehr als eine x-beliebige Sage von Königen, Prinzessinnen, Rittern und Zwergen. Der Mythos erzählt und strukturiert die Taten von Helden so, dass sie einen übergeordneten Sinn erhalten. Ein Mythos erklärt einerseits Anfang, Ende, Aufbau und Ordnung der Welt und macht sie dadurch verständlich. Auf der anderen Seite erzeugt er Bewunderung und Faszination für seine Helden, in denen die Welt sich verkörpert und gleichzeitig symbolisch überhöht.
Wäre Trump an jenem 13. Juli in der Kleinstadt Butler in Pennsylvania von Agenten des Secret Service nach dem ersten Knall auf den Boden gedrückt, weggetragen und in einen schwarzen, gepanzerten Chevrolet Suburban verfrachtet worden (wie einst Ronald Reagan nach einem Anschlag am 30.3.1981), dann wäre kein Mythos entstanden. Dann wäre das ein bedauerlicher Zwischenfall gewesen, wie er bei amerikanischen Wahlkämpfen leider vorkommt (seit 1835 gab es 32 Attentatsversuche auf US-Präsidenten), aber nicht mehr. Aber Trump hat in einem Moment höchster Gefahr für sich und andere besonnen, mutig und souverän reagiert.

Die Sicherheitsmitarbeiter bringen den blutenden Trump von der Bühne.
Als die Agenten des Secret Service sich über Trump warfen, um ihn mit ihren Körpern zu schützen, lässt Trump sich nicht einfach wegtragen, wie es das Security Protocol eigentlich vorsieht, sondern sagt mehrere Male: „Let me get my shoes!“ („Lasst mich meine Schule holen!“). Warum? Weil Trumps Personenschützer, wie ein erst jetzt veröffentlichtes Video zeigt, den 45. Präsident der Vereinigten Staaten im Eifer des Gefechts so unsanft umgeworfen hatten, dass dieser seine Schuhe verlor. Aber Trump wollte nicht in Socken vom Schauplatz getragen werden, sondern diesen aufrecht und in Schuhen selbst verlassen.

Der Secret Service warf sich auf den Präsidenten.
„Fight, fight, fight!“ – so werden Mythen geboren
Und dann kommt die singuläre Aktion, die Trump für immer in die Annalen der amerikanischen Geschichte einschreiben wird, jene Geste, die heute schon Legende ist und Bilder gezeitigt hat, die es von keinem anderen Präsidenten in diesem Jahrhundert gibt und auch zukünftig so schnell nicht wieder geben wird. Fünf Personenschützer in dunklen Anzügen und Sonnenbrillen umringen den Präsidenten, um ihn endlich von dieser tödlichen Tribüne in Sicherheit zu bringen, als Trump sich zu voller Größe emporreckt und mehrmals „Wait, wait, wait!“ ruft. Dabei ballt ein vom Ohr blutender Trump über die Köpfe der Agenten hinweg die Faust und ruft den Zuschauern, die inzwischen frenetisch „USA, USA, USA“ skandieren, immer wieder zu: „Fight, fight, fight!“ – bis er endlich doch in einen schwarzen Suburban gepackt wird.

Die Evakuierung des Ex-Präsidenten verlief nicht ganz reibungslos.
Und dass auf jener Sonnentribüne in Pennsylvania binnen Minuten ein Mythos entstanden ist, der nie mehr weggeht, ist nur allzu klar. Dass dort eine Heldenerzählung begründet wurde, die auf Jahre hinaus wirken, Zweifler überzeugen, Anhänger begeistern, Gegner und Feinde aber in ihrem Hass vereinen wird, steht bereits heute fest. Die Reaktionen darauf aus allen Lagern, insbesondere aber dem Lager von Trumps Gegnern, lassen daran keinen Zweifel.

Nach den Schussgeräuschen haben sich mehrere Secret-Service-Mitarbeiter schützend auf Trump gelegt.
Die Mischung aus der Häme über das Attentat und die hysterische Wut darüber, dass es gescheitert ist, zeigt, dass linke Medien, Influencer und natürlich die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender blitzartig erkannt haben, dass Trump ab sofort von einem Mythos umgeben ist. Ein Mythos, der ihm den Weg ins Weiße Haus ebnen wird. Trump, der noch im Frühjahr als Verlierer praktisch feststand.

Trump mit seinem Anwalt Todd Blanche.
Trump, der von der Last zahlreicher Prozesse erdrückt, von peinlichen Enthüllungen besudelt, von exorbitanten Strafen finanziell ruiniert und für die deutschen Medien bereits erledigt war – dieser Trump kehrt nun, wie Siegfried nach dem Bad im Drachenblut, unbesiegbar zurück.

Von Trumps Ohr rinnt Blut in sein Gesicht.
Mythen sind auf den ersten Blick nur eine von Menschen erdachte Erzählung. Aber eine solche Erzählung hat im echten Leben konkrete Auswirkungen, die Handlungen formt und Taten inspiriert.
Die wirkmächtigen Konsequenzen des Attentats auf Trump
Bei Trump wird der neu geschaffene Mythos vier mächtige Auswirkungen haben:
- Auf Trump selbst: Trump war sein ganzes Leben lang ein Mensch mit einer Mission, der immer glaubte, er könne mehr als andere und sei zu Höherem und Größerem berufen. Trump ist nicht als gläubiger Christ bekannt, aber fortan wird möglicherweise auch er denken, was Reagan dachte, nachdem die Pistolenkugel aus seiner Brust entfernt worden war: „It heightened his sense of mission. He thought God had saved his life and so he had a greater responsibility“ („Es erhöhte sein Sendungsbewusstsein. Er dachte, Gott habe sein Leben gerettet und deshalb hat er eine größere Verantwortung.“). Das Attentat von Pennsylvania wird Trump mit neuer Kraft, Zuversicht und Stärke erfüllen.
- Auf die Republikaner: Trump versucht seit Jahren, die Republikaner, die noch vor kurzem ein christlicher, wirtschaftsliberaler, in der Hauptsache aber gemütlicher und kompromissbereiter Altherrenclub ohne Kernideologie waren, zu einem rechtspopulistischen Block zusammenzuschließen, der mit den Demokraten keine Kompromisse mehr eingeht. Noch vor Wochen war unklar, ob dies jemals gelingen würden. Inzwischen nicht mehr. Auf ihrem Parteitag am Wochenende, der Republican National Convention, haben sich Republikaner jeder Couleur uneingeschränkt hinter Trump gestellt – jenen Trump, den viele von ihnen noch kürzlich als „unfit to be president“ („ungeeignet, Präsident zu sein“) bezeichnet haben. Trumpism ist fortan der ideologische Kern der Republikaner.
- Auf Wechselwähler in den „Swing States“: Präsidentschaftswahlen in Amerika werden oft in großen Staaten wie Michigan, Pennsylvania oder Wisconsin entschieden, in denen es weder für Demokraten noch für Republikaner eine von vorneherein feststehende Mehrheit gibt. Das Attentat von Butler wird eine erhebliche Anzahl von Wechselwählern in diesen Staaten auf die Seite Trumps ziehen – was die Wahl im November entscheiden könnte.
- Auf seine Gegner: Trumps neugewonnener Mythos ist so stark, dass er bereits jetzt seine Gegner entweder lähmt oder zu absurden und lächerlichen Reaktionen aufstachelt. Die übergeschnappten Reaktionen linker Medien, die Todesphantasien mancher deutscher Journalisten, die überall grassierenden Verschwörungstheorien (das Attentat war entweder „inszeniert“ oder ein „inside job“) sprechen hier Bände.
Diese vier wirkmächtigen Konsequenzen des Attentats auf Trump zeigen, dass der Mythos aus unserer Welt nicht verschwunden ist. Dass große Erzählungen weiter ihr Publikum finden und Menschen begeistern. Eigentlich wollten Aufklärung und Rationalismus im 18. Jahrhundert Mythos und Religion (die mythische Züge trägt) abschaffen und aus dem Menschen das perfekte kartesianisch-rationale Wesen machen, das sich allein durch vernünftiges Denken definiert.
Aber so ist es nicht gekommen. Richard Wagner mit seinen Musikdramen, Tolkien mit seinen Hobbit- und Ringmythen, George R. R. Martin mit seiner Game of Thrones-Saga – sie alle haben Mythen geschaffen, die überdauern und den Hunger von uns allen nach Geschichten großer Helden täglich neu stillen.
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