Die große Preis-Täuschung: Wie die Regierung uns einreden will, dass plötzlich alles billiger ist
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Die Inflation hat Millionen Deutsche zwei Jahre lang ärmer gemacht: Um mehr als 13 Prozent sind die Preise gestiegen, gefühlt in einigen Lebensbereichen noch viel stärker. Man konnte dabei zusehen, wie das hart erarbeitete Geld Monat für Monat weniger wert wurde. Nun ist die Teuerungsrate so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr, sie liegt bei 2,2 Prozent – das nutzen Politiker der Grünen Partei und ihr nahestehende Ökonomen aus, um den Menschen Sand in die Augen zu streuen und zu erzählen, dass in Wahrheit alles billiger werde ...
„Die Preise sinken weiter“, tönte etwa der Europa-Abgeordnete Michael Bloss und bedankte sich bei Wirtschaftsminister Robert Habeck. Andreas Audretsch, Fraktions-Vize im Bundestag bei den Grünen, sagte, die Preise für Lebensmittel würden fallen, die für Energie besonders – auch er dankte Habeck. Der Lieblings-Ökonom der Grünen ergänzte bei X: „Eine geringere Inflation bedeutet (...), dass die Preise nicht mehr steigen.“

Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch
Diesen Aussagen widersprechen nicht nur die Millionen alltäglichen Erfahrungen an Supermarkt-Kassen, beim Tanken, beim Restaurant-Besuch oder beim Blick auf Strom- und Gas-Rechnungen, auch die Bedeutung des Begriffs Inflation sagt das Gegenteil aus, wie David Stadelmann, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Bayreuth, gegenüber NIUS erklärt:
„Es wird nicht plötzlich alles billiger, weil die Inflation sinkt, wie manch einer behauptet – die Preise steigen freilich weiter, denn die Inflation ist ja 2,2 Prozent. In einzelnen Bereichen mögen Sondereffekte für minimalen Rückgang der Preise sorgen – insgesamt wird es natürlich trotzdem teurer“, so der Ökonom.
Teurerer Friseur frisst günstigeres Gemüse auf
Richtig ist, dass sich Lebensmittel im Vergleich zum Vorjahr um den Mikro-Anteil von 0,7 Prozent verbilligt haben – jedoch mit vollkommen unterschiedlicher Ausprägung: Während Olivenöl 50 Prozent teurer wurde, haben Sonnenblumen- und Raps-Öl um 21 Prozent nachgelassen, Fruchtsäfte und Schokolade sind um 15 Prozent teurer, während frisches Gemüse heute 14 Prozent günstiger als noch vor einem Jahr ist. Kartoffeln und Reis haben sich wiederum um mehr als 10 Prozent verteuert.
Ob und wie sich der Mini-Preisrückgang bei Lebensmitteln im eigenen Warenkorb zeigt, hängt stark von den Kauf-Gewohnheiten ab – möglicherweise gesparte Cent-Beträge werden jedoch ohnehin vom teureren Friseur- oder Restaurant-Besuch aufgefressen.

So haben sich die Preise für beliebte Lebensmittel seit 2020 entwickelt – von einem spürbaren Rückgang kann kaum eine Rede sein.
Das kleine Lebensmittel-Minus kann das dicke Plus von 3,7 Prozent bei Dienstleistungen – also für den Handwerker-Einsatz oder beim Kino-Besuch – bei weitem nicht auffangen.
Der Dank an Habeck hat wenig mit der Realität zu tun
Doch auch die vermittelte Botschaft („Danke Habeck“), nämlich dass der Rückgang der Inflation dem Grünen-Wirtschaftsminister Robert Habeck zu verdanken sei, hat mit der Realität wenig zu tun. Putins Krieg in der Ukraine, die Gasmangel-Lage und die Nachwehen der Coronakrise samt unterbrochenen Lieferketten werden da wieder und wieder als Inflationsauslöser benannt, die von der Politik mit Bravour behoben und gemeistert worden seien – Prof. Stadelmann sieht in diesen Themen allenfalls ein Drittel der Ursache.

Grüne wollen die zurückgehende Inflation als Robert Habecks Verdienst darstellen.
Stadelmann zu NIUS: „Der Haupt-Grund für die hohe Inflation war die Jahre andauernde Niedrigzins-Politik der EZB. Inflation ist ein monetäres Phänomen. Deshalb ist auch passiert, was im Lehrbuch steht: Die Inflation ist gesunken, als die EZB die Zinsen erhöhte – im ganzen Euroraum im Übrigen, was ja zeigt, dass der Einfluss einzelner Regierungen eher gering ist. Die Regierung will bei steigender Inflation immer unschuldig sei, aber stellt sich gerne als Retter dar, wenn die Inflation wieder sinkt – Haupt-Grund für die hohe Inflation der Vergangenheit und ihren jetzigen Rückgang ist aber die Geldpolitik der EZB.“
Ökonom fordert konsequente EZB-Geldpolitik
Doch, kritisiert Stadelmann, habe die EZB um den Jahreswechsel 2022, als die Inflation in der Euro-Zone Fahrt aufgenommen hatte, zu spät reagiert: „Das darf uns nicht wieder passieren. Das Mandat der EZB ist Geldwertstabilität, dafür gibt es klare Regeln und da muss sie sich auch dran halten. Denn sehr hohe Inflationsraten reduzieren die Kaufkraft und sorgen immer auch für gesellschaftliche Konflikte, wie wir sie auch erleben, zum Beispiel mit schwierigen Lohnverhandlungen und Streiks.“

David Stadelmann, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Bayreuth
Prof. Stadelmann warnt jedoch, dass beim Thema Inflation die Messe noch nicht gelesen sei: „Zu berücksichtigen ist auch, dass die Kerninflation – also die Geldwertentwicklung ohne die Faktoren Lebensmittel und Energie – noch bei 3,3 Prozent liegt. Das Thema Inflation ist also noch nicht vorbei. Ich sehe in diesem Jahr nicht mehr die Möglichkeit, die Zinsen deutlich zu senken, selbst wenn die Inflationsrate stabil bleiben soll.“
Ähnlich äußerte sich auch Jörg Krämer, Chef-Ökonom der Commerzbank bei X: „Die Dienstleistungsinflation ist in Deutschland im März weiter auf 3,7 Prozent gestiegen. Die stark steigenden Löhne sprechen dafür, dass sich die Kerninflation am Jahresende bei 3 Prozent einpendelt. Das Inflationsproblem ist noch lange nicht gelöst.“
Einzige Möglichkeit, die Inflation langfristig im Ziel-Bereich rund um 2 Prozent zu stabilisieren: eine konsequente Geldpolitik der EZB: „Solange die EZB weiterhin fokussiert an ihrem Ziel der Geldwertstabilität festhält und dem steigenden politischen Druck, die Zinsen wieder rasch zu senken, nicht nachgibt, kann die Inflation stabil gehalten werden. Wenn sie sich aber politisch instrumentalisieren ließe, um etwa Investitionen in Klimavorhaben oder Infrastruktur mit billigem Geld zu ermöglichen, wird die Geldentwertung wieder zunehmen. Es liegt alles daran, ob sich die EZB glaubwürdig an ihr Mandat zur Preisstabilität hält.“
Mit den Entscheidungen von Wirtschaftsminister Robert Habeck hat das alles recht wenig zu tun – eher hat da Finanzminister Christian Lindner (FDP) einen Einfluss: Der wehrt sich nämlich dagegen, mehr staatliche Nachfrage mit schuldenfinanzierten Ausgaben herzustellen. So sich Lindner durchsetzt, würde das zumindest die Inflation nicht wieder befeuern ...
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