Die nüchternen Fakten zum tragischen Angriff auf die Mädchenschule im Iran
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Felix PerrefortUnmittelbar nach Kriegsbeginn meldete der iranische Staatsfunk einen Angriff auf eine Mädchenschule in der Hafenstadt Minab im Süden des Landes. Innerhalb weniger Stunden verbreitete sich die Nachricht weltweit.
Schlagzeilen und Beiträge in sozialen Netzwerken zeichneten schnell ein klares Bild der Ereignisse: Eine Schule voller Kinder sei gezielt bombardiert worden. Fakt ist: Diesen Angriff hat es wirklich gegeben – und unschuldige Kinder haben dabei ihr Leben verloren. Was das Regime jedoch nicht erwähnte: Die Schule befand sich auf einem Militärgelände – und ist wohl deshalb versehentlich getroffen worden.
Seit Kriegsbeginn heißt es in den sozialen Medien, 170 Mädchen seien getötet worden. Bei genauerer Betrachtung stellen sich die Angaben zu den Opferzahlen jedoch anders und uneinheitlich dar.
Undurchsichtige Opferangaben
Nach Angaben iranischer Behörden wurden bei dem Angriff mindestens 165 Menschen getötet. Die Zahl lässt sich bislang jedoch nicht unabhängig verifizieren. Verschiedene iranische Quellen machen unterschiedliche Angaben darüber, wie viele Schülerinnen sich zum Zeitpunkt des Angriffs im Gebäude befanden, sodass bisher nicht klar ist, wie sich die Opfer genau zusammensetzen.
Die häufig verbreitete Darstellung, sämtliche Todesopfer seien Schülerinnen gewesen, lässt sich aus den bisher verfügbaren Informationen jedenfalls nicht ableiten.

Fotodatenbanken enthalten authentische Bilder von Opfern.
Schule im Militärkomplex
Inzwischen ist klarer geworden, wie es zu der Katastrophe kommen konnte. Satellitenbilder zeigen, dass sich die betroffene Schule auf einem Gelände befand, das auch militärisch genutzt wurde. In unmittelbarer Nähe lag ein Komplex der Marine der Revolutionsgarden. Zivile Infrastruktur war damit in militärische Infrastruktur eingebettet.

Die Schule war in den Militärkomplex integriert. (Quelle: X, Google Maps)
Unklar ist weiterhin, wer den Angriff tatsächlich ausgeführt hat. Der Iran macht Israel und die Vereinigten Staaten verantwortlich. Israel erklärte, von einem Angriff auf die Schule nichts zu wissen. Der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte eine Untersuchung an. „Alles, was ich sagen kann, ist, dass wir das untersuchen“, sagte er gegenüber der Presse. „Wir greifen natürlich niemals zivile Ziele an“, betonte er.
Zugleich kritisierte Hegseth die Berichterstattung. Während die Militäroperation insgesamt erfolgreich und zielgerichtet verlaufe, konzentriere sich die öffentliche Aufmerksamkeit vor allem auf einzelne tragische Ereignisse. „Wenn tragische Dinge passieren, ist das eine Schlagzeile auf Seite eins“, sagte er.
Von der Leyens erste Bundeswehr-Kita
Der tragische Vorfall zeigt ein grundsätzliches Problem moderner Kriegsführung: Wenn militärische Einrichtungen und zivile Infrastruktur räumlich miteinander vermischt werden, steigt das Risiko für zivile Opfer erheblich. Internationale Regeln des Kriegsrechts verlangen daher eigentlich eine klare Trennung solcher Strukturen.
Die Frage nach der räumlichen Nähe von ziviler und militärischer Infrastruktur ist nicht nur im Iran relevant. Auch in Deutschland wurde über die zunehmende Familienpolitik der Bundeswehr diskutiert. Die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ließ ab 2014 die Kinderbetreuung an Bundeswehrstandorten ausbauen; an vielen Standorten entstanden seitdem Kitas für Soldatenfamilien.
Der Angriff auf die Schule im iranischen Minab ist deshalb nicht nur eine tragische Episode dieses Krieges. Er zeigt auch, wie gefährlich es werden kann, wenn zivile und militärische Strukturen ineinander übergehen – und wie schnell in einem Krieg aus einem militärischen Ziel ein Ort wird, an dem Kinder sterben.
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