„Gastarbeiter haben Deutschland mit aufgebaut“: Integrationsbeauftragte verdreht die Geschichte, um für Einbürgerungen zu werben
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Seit Jahren pflegen Teile der Linken einen falschen Geschichtsmythos. Der lautet: Gastarbeiter hätten Deutschland in den 1960er Jahren aufgebaut. Auch die Integrationsbeauftragte Reem Alabali-Radovan schließt sich nun dieser Meinung an. Sie erklärte am Dienstag auf Instagram: „Gast- und Vertragsarbeiter*innen kamen in den 50er bis 70er Jahren nach Deutschland. Sie haben unser Land mit aufgebaut und stark gemacht.“ Zusätzlich ergänzte sie: „Sie waren das Rückgrat der Industrie.“
Derartige Äußerungen verdrehen bewusst die Geschichte des Landes. Zwar haben Gastarbeiter selbstverständlich zum Wohlstand des Landes beitragen. Doch sie konnten nur nach Deutschland kommen, weil die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Industrie und Infrastruktur bereits wieder funktionsfähig gemacht hatten. Weil das Land schon wieder aufgebaut war, war es möglich, ausländische Arbeitnehmer in größerer Zahl zu beschäftigen.
Das sogenannte Wirtschaftswunder hatte bereits eingesetzt, als noch kein einziges Gastarbeiterabkommen unterschrieben war. Die gesamten 1950er-Jahre über gab es eine durchschnittliche Wachstumsrate von 8,2 Prozent. Das Jahr 1955 wurde zum wachstumsstärksten Jahr der deutschen Geschichte. Die Wirtschaft wuchs um 12,1 Prozent. Auch die Reallöhne stiegen um zehn Prozent, sodass der Konsum angekurbelt wurde und der Auto-Bestand sich um 19 Prozent vergrößerte. Das Land brummte. Schon Anfang der 1960er Jahre ging dieser Investitionsboom langsam zurück.

Marktplatz einer deutschen Kleinstadt 1952.
Gastarbeiter als „Rückgrat der Industrie“
Genau im wachstumsstärksten Jahr 1955, zehn Jahre nach Kriegsende, schloss die Bundesrepublik ein erstes Gastarbeiter-Abkommen mit Italien. 1956 kamen erstmals rund 12.000 italienische Arbeitskräfte nach Deutschland. In den Jahren danach folgten jeweils rund 20.000. Später kamen weitere Abkommen hinzu: mit Griechenland (1960), Spanien (1960), Türkei (1961), Marokko (1963), Südkorea (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968).
Von der reinen Zahl her, spielten die Gastarbeiter in der Arbeitswelt zu Beginn eine geringe Rolle. 1960 gab es etwa 26,2 Millionen Erwerbstätigte in Westdeutschland. Von diesen stammten 280.000 Personen aus dem Ausland, wobei nicht alle Gastarbeiter waren. Das „Rückgrat der Industrie“, von dem die SPD-Staatsministerin am Dienstag sprach, bildeten zu diesem Zeitpunkt deutsche Arbeiter. Bis 1973 wuchs die Zahl der ausländischen Beschäftigten auf 2,6 Millionen Personen.
Diese Fakten stellen keinesfalls die Lebensleistung vieler Gastarbeiter in Frage. Vielmehr diskreditiert die bewusste Geschichtsfälschung der Integrationsbeauftragten erst die geleistete Arbeit der Italiener, Spanier oder Türken. Denn zum Wohlstand des Landes haben viele hart arbeitende Männer, die häufig im Bergbau tätig waren, und ihre nachziehenden Familien natürlich beitragen. Dennoch bleiben in der Nacherzählung der Gastarbeitergeschichte auch die negativen Aspekte meist außen vor.

Italienische Hafenarbeiter trinken in Hamburg 1960.
Noch Anfang der 1980er Jahre urteilte der spätere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) über die türkischen Gastarbeiter: „Nicht integrationsfähig und auch im Übrigen nicht integrationswillig.“ Später gab er bei einem Besuch der britischen Regierungschefin Margaret Thatcher zu Protokoll: Deutschland habe kein Problem mit den Portugiesen, den Italienern, selbst den Südostasiaten, weil diese Gemeinschaften sich gut integrierten. Aber die Türken kämen „aus einer sehr andersartigen Kultur“. Derartige Aussagen sind heutzutage in der CDU undenkbar. Doch tatsächlich scheiterte in vielen Fällen gerade bei türkischen Gastarbeitern die Integration. Parallelgesellschaften gibt es in deutschen Großstädten schon seit den 1980er Jahren, nicht erst seit 2015.
Deutschland profitierte von vorhandenen Industrieanlagen
Zur Wahrheit rund um das Wirtschaftswunder gehört jedoch auch: Viele Deutsche lassen in ihrer Version der Geschichte häufig ebenfalls wichtige Details weg. Denn das Wirtschaftswunder basierte nicht nur auf der Arbeitsmoral der Deutschen, sondern auch auf dem Vorhandensein der notwendigen Gerätschaften. Anders als die Sowjetunion, die nach 1945 in ihrer Besatzungszone viele Betriebe demontieren ließ, gingen die US-amerikanischen Besatzer anders vor. Zwar kam es auch im Westen zum Abbau vieler Industrieanlagen, doch sie hatten lange nicht die wirtschaftliche Bedeutung wie im Osten. Ganz im Gegenteil: Die US-Amerikaner hielten es für wichtig, das westdeutsche Industriepotenzial zu nutzen, anstatt es zu zerstören, um den westdeutschen Pufferstaat im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion zu stärken.

Im Wolfsburger Volkswagenwerk wird im August 1955 der millionste VW- Käfer präsentiert.
Reem Alabali-Radovan nutzte ihren Post am Dienstag, um gleichzeitig auf das neue Einbürgerungsgesetz zu verweisen, das für Gastarbeiter eine Neuerung vorsieht. Sprachtests seien nun kein Hindernis mehr für eine Einbürgerung, freute sich die Staatsministerin. „Ehemalige Gast- und Vertragsarbeiter*innen, sind schon lange Teil von Deutschland, sie müssen keinen Sprachtest und keinen Einbürgerungstest ablegen.“ Sogar wenn sie nur gebrochenes Deutsch sprechen, können sie einen Pass beantragen.
Die bewusste Verdrehung der Geschichte wird also gezielt genutzt, um für Einbürgerungen zu werben. Reem Alabali-Radovan spricht den Deutschen ihre Lebensleistung ab, ein völlig zerstörtes Land mit eigener Kraft wieder aufgebaut zu haben.
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