Marode Bausubstanz, Sanierungsstau: Die Brücken-Akte Deutschland
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Als 2018 eine Autobahnbrücke in Genua einstürzte und 43 Menschen ihr Leben verloren, hätte sich wohl niemand auch nur vorstellen können, dass sich ein derartiges Unglück auch in Deutschland ereignen könnte. Der Einsturz von Dresden, wo in der Nacht auf Mittwoch Teile der Carolabrücke in sich zusammensackten, zeigt nun aber: Ein vergleichbares Szenario ist auch in Deutschland nicht länger ausgeschlossen! Zahlreiche Brücken in der Bundesrepublik sind einsturzgefährdet und marode. Ein Überblick.
Knapp die Hälfte der 25 höchsten Brücken in Deutschland befinden sich in einem kritischen Zustand! Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des „Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V.“ aus dem vergangenen Jahr.
„Der Zustand vieler Brücken im Fernstraßennetz ist kritisch“
Dem Bericht zufolge weisen elf der höchsten Brücken deutliche Defizite bei der Traglast auf und befinden sich mindestens in einem kritischen Zustand. Die Bauexperten bemängeln vor allem den hohen Verschleiß und die Überlastung bei den Brücken in Deutschland. „Der Zustand vieler Brücken im Fernstraßennetz ist kritisch“, sagte Marco Götze, Vorsitzender der Bundesgütegemeinschaft damals.
NIUS zeigt ihnen einige der marodesten Brücken Deutschlands:
Die Moseltalbrücke ist 136 Meter hoch und 935 Meter lang – und muss dringend saniert werden. Das steht bereits seit Anfang 2023 fest. Damals entdeckten Experten Risse von fast einem Kilometer. Knapp 50.000 Autos und Lkw fahren täglich über sie, ihre Stützpfeiler liegen teilweise bis zu 218 Meter auseinander. Schwertransporte über 44 Tonnen dürfen die Brücke nicht befahren. Bald sollen die Sanierungsarbeiten beginnen.

Moseltalbrücke
Für Schlagzeilen sorgte in den vergangenen Jahren die Autobahnbrücke Rahmede bei Lüdenscheid an der Sauerlandlinie, die wegen schwerer Schäden im Dezember 2021 gesperrt wurde, weil Schäden am Tragwerk festgestellt worden waren. Im Mai 2023 wurde sie schließlich gesprengt, wird nun neu gebaut. Nach derzeitigem Stand soll der Verkehr auf der Brücke im Sommer 2026 wieder rollen – allerdings nur auf der Fahrbahn Richtung Frankfurt, die zuerst gebaut wird.

Die Autobahnbrücke Rahmede
Auch die Neckarburgbrücke ist laut der Experten der Bundesgütegemeinschaft sanierungsbedürftig:

Neckarburgbrücke
Die Lösterbachtalbrücke führt die A1 bei Nonnweiler/Saarland und Gusenburg/Rheinland-Pfalz über die Löster. Auch sie bedarf laut der Analyse der Experten dringend einer Sanierung.

Lösterbachtalbrücke
Schnitt am schlechtesten von allen untersuchten Brücken ab: die 1195 Meter lange Sauertalbrücke, eine Stahlhohlkastenbrücke bei Wasserbillig und Mesenich.

Sauertalbrücke
Die 1968 gebaute Grenzwaldbrücke erhielt die mangelhafte Note 3.

Grenzwaldbrücke
Hier die vollständigen Ergebnisse der Untersuchung aus dem vergangenen Jahr:
Ein weiteres, fast unglaubliches Beispiel für das neue deutsche Versagen in Sachen Infrastruktur ist auch die marode Köhlbrandbrücke in Hamburg, die nun erneuert werden soll. Erst in 20 Jahren, das rechnet der Senat, soll sie fertig saniert sein, die Kosten belaufen sich auf bis zu 5,3 Milliarden Euro.

Lastwagen fahren auf der Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen.
Bei der anderen Hälfte der 25 Brücken, die der „Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V.“ untersucht hat, liegen die Zustandsnoten im Bereich von 2 bis 2,9, was einem befriedigenden bis ausreichenden Bauwerkszustand entspricht.
Genaue Zahlen dazu, wie viele Brücken in Deutschland insgesamt sanierungsbedürftig sind, liegen dem Bundesverkehrsministerium nicht vor, denn während der Bund für den Großteil der Autobahnbrücken zuständig ist, kümmern sich Länder und Kommunen um die restlichen Brücken.
Fast 11.000 marode Fernstraßen-Brücken!
Von den insgesamt 40.100 Brücken im Bundesfernstraßennetz müssen nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums 4.000 in den nächsten zehn Jahren saniert oder ersetzt werden. Diese Zahl bezieht sich allerdings ausschließlich auf die Zahl der Brücken, die unter die Zuständigkeit des Bunds fallen.
Eine aktuelle Untersuchung des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat ergeben, dass insgesamt – also inklusive der Brücken unter kommunaler und Länder-Zuständigkeit – sogar fast dreimal so viele Fernstraßenbrücken in einem maroden Zustand sind.
Die im Juni 2024 veröffentlichten Ergebnisse der Untersuchung offenbaren: Bundesweit sind gut 11.000 Brücken auf Autobahnen und Bundesstraßen sanierungsbedürftig.
Das Verkehrsministerium behauptet trotzdem: „Die Autobahnbrücken sind sicher“. Gegenüber NIUS teilte eine Sprecherin mit: „Das BMDV hat alle modernisierungsbedürftigen Brücken im Blick.“
Lesen Sie auch: Die Brücken-Schande von Dresden: Wie kann so etwas in Deutschland passieren?
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