Medien manipulieren Statistik über Angriffe auf Politiker: Beleidigungen gegen Grüne wurden als GEWALT gezählt!
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Es ist eine Erzählung, die aktuell die Runde macht: Die grüne Partei ist Leidtragender massiver politischer Gewalt. „Gewalt-Eskalation gegen Grüne“, schrieb etwa das Funk-Format „Die da oben“ auf Instagram. Die Tagesschau ordnete ein: „Rechte Qualität hat eine andere Gewalt“. Und so erzählt es auch immer wieder Monitor-Moderator Georg Restle, der sich des Themas der Gewalt gegen Lokalpolitiker annimmt. „Faustschläge, Angriffe, Hakenkreuze: Attacken auf Lokalpolitiker nehmen zu“, heißt es dort. Und schnell scheint klar: Opfer dieser politischen Gewalt sind neben der SPD die Grünen.

„Gewalt-Eskalation gegen Grüne 2023“, titelt das Funk-Format „Die da oben“.
Seit Ende Januar gibt es auch eine Statistik, die diese Erzählung untermauert. Bei der Statistik handelt es sich um „Angriffe auf Politiker, Parteibüros und Wahlplakate bis einschließlich 2023“, sie basiert auf der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der AfD-Fraktion, die diese jedes Jahr stellt. Darin sind die verschiedenen Attacken aus den letzten fünf Jahren aufgelistet. Und schaut man sich die Zahlen aus dem letzten Jahr an, kann man schnell zum Schluss kommen: Die Gewalt gegen die Grünen eskaliert tatsächlich.
Im ARD-Talk von Caren Miosga wurde am Sonntagabend ein ganzer Beitrag über angegriffene ehrenamtliche Grünenpolitiker eingespielt, um zum Schluss zu kommen: „Worte haben Konsequenzen“ (Zeit-Journalistin Mariam Lau).

Die Grünen als die Haupt-Leidtragenden von Gewalt? Diese Statistik wurde im ARD-Talk „Miosga“ gezeigt.
Doch das Bild trügt. NIUS hat sich die Statistik genauer angeschaut:
- Bei Angriffen auf Parteieinrichtungen beläuft sich 2023 die Zahl auf 224 Angriffe auf grüne Büros (AfD und SPD jeweils 115).
- Bei Sachbeschädigungen beläuft sich die Zahl auf 186 (AfD und SPD 98).
- Bei Angriffen auf Parteivertreter kommen die Grünen auf 1.129 Attacken (AfD 478 und SPD 420)
- Bei Gewaltdelikten hingegen kommen die Grünen auf 62 Fälle (AfD: 86, SPD: 35).
Statistische Darstellung beinhaltet auch Äußerungsdelikte
Diese Zahlen aus dem Jahr 2023 lassen mehrere Rückschlüsse zu, jedoch keine überproportionale Betroffenheit der Grünen. Erstens: Bei der relevantesten Kategorie, den Gewaltdelikten gegen Politiker, ist die AfD die am häufigsten angegriffene Partei. Ebenso wie in den fünf Jahren zuvor.

Screenshot aus der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der AfD.
Zweitens, ist die Darstellung von Miosga und „Die da oben“ manipulierend, weil sie die Statistik mittels Äußerungsdelikten aufbläht. Der Großteil der Straftaten gegen Grüne sind Äußerungen – also vor allem Beleidigungen –, die aber die Gesamtstatistik so erscheinen lassen, als ob es tatsächlich körperliche Angriffe wären. Weil eine Partei aber verbal hart angegangen wird, heißt das nicht, dass sie wirklich überdurchschnittlich oft Angriffe befürchten muss.
Drittens, heißt selbst die Fülle der Äußerungsdelikte nicht, dass den Grünen ein Opfermythos zuteilwerden sollte. Es heißt schlichtweg, dass Grüne Beleidigungen sehr viel öfter vermeldet haben. Zumindest die anekdotische Evidenz sollte aber jedem klarmachen, dass der Kampf gegen Konservative – und besonders die AfD – in sozialen Medien ähnlich hart geführt wird.
Und viertens, wäre die AfD bei allen Delikten – Sachbeschädigungen, Anschläge auf Büros und Parteivertreter sowie Gewaltdelikte – mit großem Abstand die am meisten angegriffene Partei, wenn man die letzten fünf Jahre als Grundlage zählt. Das wird auch in dem Kurvendiagramm von Miosga deutlich: In den Jahren 2019 bis 2022 nämlich waren Vertreter der Alternative für Deutschland die am meisten angegangene Partei; das Jahr 2023 ist insofern womöglich eine Trendwende, in jedem Fall zeigt sie aber nicht das ganze Bild. Statistiker sprechen hier von einem „recency bias“, also einer Verzerrung auf Grundlage einer Übergewichtung jüngster Vorfälle.
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Selektive Berichterstattung
Nahezu grotesk erscheint dazu, wie die mediale Berichterstattung diese Statistik verzerrt, um ein Bild der angegriffenen Grünen zu zeichnen. Dafür reicht ebenfalls ein Blick in die Leitmedien: Nach jüngeren Vorfällen in Biberach, Hirschaid oder Amtzell, bei denen Politiker der Grünen angegriffen wurden oder sich hartem Protest gegenübersahen, bestimmten die Vorfälle die Schlagzeilen – und wurden, wie die Sendung von Miosga vom Sonntag zeigt, zum Gegenstand von Talkshow-Debatten.
Zu den insgesamt fünf Angriffen auf AfD-Abgeordnete in der letzten Woche – darunter Brandanschläge und Todesdrohungen – aber schwiegen weite Teile der Medien ohrenbetäubend laut. Jeder Angriff verdient Verurteilung und Ablehnung. Dieses Messen mit zweierlei Maß ist gewollt – und in der Art und Weise wie ZDF und ARD die Statistik über politische Übergriffe verzerren, wird deutlich, dass sie regelrecht das Bild einer geächteten Grünenpartei erschaffen wollen.
Das allerdings hat nichts mit der Realität zu tun hat.
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