Kann ein Militärschlag gegen die Mullahs erfolgreicher sein als gegen Saddam und Gaddafi?
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Die historische Erfahrung zeigt: Im Irak, in Libyen und Afghanistan konnten einige Schurkenregime militärisch beseitigt werden, jedoch kehrte keine dauerhafte Stabilität ein, zuweilen wurde es danach noch schlimmer. Ist ein Sturz des iranischen Mullah-Regimes denkbar – und wie stehen die Chancen, dass es diesmal langfristig gutgeht?
In ihrer 250-jährigen Geschichte waren die Vereinigten Staaten immer wieder an der Ablösung gefährlicher Regierungen im Ausland beteiligt. Zunächst in Lateinamerika und Asien, später stürzten sie unter anderem die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland und die faschistische in Italien. Diese Länder sind, wie Japan, zu Demokratien geworden, von denen keine Gefahr für den Weltfrieden ausgeht.
Doch immer wieder kam es zu Rückschlägen, wie auf Kuba in den 60er und in Vietnam in den 70er Jahren. Nach dem Ende des Kalten Krieges und nach der Auflösung der Sowjetunion haben die Vereinigten Staaten Kriege geführt oder unterstützt, um die Regierung in einer Reihe von Ländern auszutauschen. Zu den erklärten Begründungen der USA in diesen Konflikten gehörte seit der Jahrtausendwende vor allem der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus.
Steinzeit-Islamisten nur temporär besiegt
So marschierten US-Truppen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan ein, mit dem Ziel, den Al-Qaida-Terrorfürsten Osama bin Laden zu fassen und vor Gericht zu stellen. Das Terror-Netzwerk sollte zerstört, das mit ihm verbündete Taliban-Regime gestürzt werden. Die Steinzeit-Islamisten wurden tatsächlich von der Macht vertrieben und eine Übergangsregierung unter Führung von Hamid Karsai installiert, bin Laden später in Pakistan aufgespürt und getötet.

Die Taliban in Afghanistan wurden von der Macht vertrieben – und kehrten zurück.
Doch die Taliban waren nicht vollständig geschlagen, überzogen die ISAF-Truppen mit einem Guerillakrieg, der zwei Jahrzehnte dauern sollte. Der korrupten Regierung von Karzai und auch dessen Nachfolger gelang es nie, die Herzen der afghanischen Bevölkerung zu gewinnen, die ohnehin für westliche Strukturen nicht zu haben war. 2021 war es dann vorbei, nach dem überstürzten Abzug der ausländischen Soldaten überrannten die Taliban die afghanischen Regierungstruppen und eroberten die Macht zurück.
Im Irak lief es nicht besser. 2003 führte die Operation Iraqi Freedom zu einer raschen Niederlage von Saddam Husseins Truppen, der grausame Diktator wurde später gefasst und hingerichtet. Doch ehemalige Regimekräfte entfesselten einen Guerillakrieg gegen die Besatzungstruppen, die regulären irakischen Truppen und vom Iran unterstützte schiitische Milizen. Al-Qaida im Irak warb die sunnitischen Kämpfer ab, daraus entstand später der Islamische Staat (IS), der in Teilen Iraks und Syriens eine Terrorherrschaft errichtete. Die USA griffen 2014 erneut ein und drängten den IS bis 2017 zurück. Ruhe kehrte nicht ein.
„Arabischer Frühling“ fatale Fehleinschätzung
Im dramatisch falsch eingeschätzten „Arabischen Frühling“ 2011 brach in Libyen ein Aufstand gegen den irren Diktator Muammar al-Gaddafi aus, der seit 1969 herrschte. Dank militärischer Unterstützung durch die NATO konnten die Rebellen die Hauptstadt Tripolis erobern, und Gaddafi wurde gelyncht. Auch Libyen kam nicht zur Ruhe, schlitterte 2014 in einen Bürgerkrieg. Folge: Milizenherrschaft und Dschihadisten-Aufstieg. Noch heute trägt das Land alle Merkmale eines failed state.

Libyens Herrscher Muammar al-Gaddafi nahm kein schönes Ende.
Die Beseitigung und Tötung von Terrorfürsten und Diktatoren gelang in allen Fällen, doch das jeweils entstehende Machtvakuum wurde mitunter von noch übleren Gesellen gefüllt.
Die Hoffnung, den gescheiterten Staaten die Demokratie bringen zu können, starb im Bombenhagel vor allem von Islamisten. Der Westen muss sich hier eine fatale Fehleinschätzung der Lage vorwerfen lassen. Nirgendwo konnte man auf demokratische Traditionen zurückgreifen, die grausamsten Terroristen setzten sich durch. In arabischen Ländern setzt die „Straße“ immer noch auf den starken Mann.
Die Sehnsucht nach westlichen Werten war nirgendwo ausgeprägt, daher waren Zerfall und Bürgerkrieg die Folge westlicher Interventionen. Kaum waren Institutionen der Schurkenstaaten zerschlagen, entbrannte der Machtkampf der Warlords. Die Komplexität ethnischer, religiöser und tribaler Spaltungen war vom Western unterschätzt worden. Nachhaltige Strukturen konnten nicht aufgebaut werden.
Trump wünscht sich einen Regimewechsel
Jetzt hat US-Präsident Donald Trump gesagt, ein Regimewechsel in Teheran wäre „das Beste, was passieren könnte“. Die Voraussetzungen dafür wurden im Sommer vergangenen Jahres geschaffen, als Israel und die USA das Atomprogramm der Mullahs mit präzisen Luftschlägen zerstörten. Das Regime ist schwer angeschlagen, aber entschlossen, revolutionäre Bestrebungen mit brutaler Gewalt zu unterdrücken.

Der Mega-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford lehrt die Mullahs das Fürchten.
Das Fundament ihrer Macht bröckelt jedoch gewaltig. Der Widerstand wächst und hat mittlerweile auch Bevölkerungskreise erreicht, die bisher nicht schlecht lebten, so sehr haben die Islamisten das Land heruntergewirtschaftet. Rial-Kollaps, Insolvenz des Bankensystems, Wasserknappheit und Stromausfälle kennzeichnen den Niedergang. Die militärische Demütigung durch den „großen und den kleinen Satan“ (die USA und Israel) kam nur noch „on top“. Wie lange die Stützen des Regimes, vor allem die Revolutionsgarden, noch loyal bleiben, ist nicht abzusehen.
Reformen – etwa nach einem Tod des Ayatollahs Khamanei – würden das Problem nicht lösen, es ist struktureller Natur. Die Iraner haben das klerikalfaschistische Regime satt und gäben sich mit kosmetischen Reformen oder neuen Gesichtern nicht zufrieden. Wie aber stehen die Chancen für den Sturz der Mullahs?
Die Iraner haben die Theokratie satt
Besser als in den eingangs aufgeführten Fällen in der arabischen Welt. Optimistisch stimmt etwa, dass die Proteste eine breite Basis haben und Forderungen nach Freiheit, Gleichberechtigung und Säkularität dominieren. Millionen Iraner haben an Demonstrationen teilgenommen, mit Slogans wie „Kein Gaza, kein Libanon – mein Leben für den Iran" oder „Reformer, Hardliner – das Spiel ist vorbei“. Diese Bewegungen fordern wirtschaftliche Reformen, Frauenrechte, Religionsfreiheit und Demokratie. Sie umfassen Frauen, Studenten, Mittelschicht und sogar Teile der unteren Schichten, die traditionell dem Regime treu waren.
Auch die Exil-Iraner, Intellektuelle und Aktivisten, solidarisieren sich weltweit mit der Protestbewegung in der Heimat, demonstrieren sogar gemeinsam mit Israelis gegen das Regime in Teheran. Eine Theokratie selbst in abgeschwächter Form lehnen sie ab.

Exil-Iraner bitten US-Präsident Donald Trump um Unterstützung.
Donald Trump hat die Iraner aufgefordert, weiterzukämpfen, „Hilfe ist auf dem Weg“. Das ist allerdings Wochen her, und noch ist nicht sicher, dass die Verhandlungen mit dem Regime über das Atomprogramm scheitern. Es gebe aber „viele Argumente für einen Schlag gegen den Iran“, so Karoline Leavitt, Sprecherin des Weißen Hauses. Fakt ist, dass die USA in der Region Kräfte in der Größenordnung vor dem Irakkrieg 2003 zusammengezogen haben, darunter zwei Flugzeugträger und 85 Tankflugzeuge.
Wie CNN und CBS berichteten, sollen die US-Streitkräfte ab kommenden Samstag bereit sein für einen Schlag gegen die Mullahs.
Der Sohn des letzten Schahs steht in den Startlöchern
Anders als Journalisten, „Experten“, Aktivisten und Politiker, die am liebsten am Status Quo festhalten würden, uns erzählen, geht es den Iranern längst nicht nur um die miserable wirtschaftliche Lage. Und anders als in arabischen Ländern ist die Bevölkerung hochgebildet, mit breiter Mittelschicht und ohne einen Überhang an frustrierten, gewaltbereiten jungen Männern. Ein Sturz des Regimes muss daher nicht notwendigerweise dieselben Folgen zeitigen wie in Libyen oder dem Irak. Zumal mit dem Schah-Sohn Reza Pahlavi ein Mann bereitsteht, der sich als Übergangs-Leader versteht und bereits konkrete Pläne vorgelegt hat.

Für viele Iraner ist Reza Pahlavi ein Hoffnungsträger.
In seiner Roadmap skizziert er eine „Emergency Phase“ von 100 bis 180 Tagen, um die Wirtschaft zu retten und das Land zu stabilisieren. Danach in Planung: eine Übergangsregierung, eine konstitutionelle Versammlung, ein Referendum über die Verfassung und freie Wahlen. Das „Iran Prosperity Project“ plant eine 2-3-jährige Etablierung demokratischer Institutionen. Eine ideologische Agenda verfolgt Pahlavi nicht. Petitionen und Umfragen sowie Kundgebungen zeigen eine breite Zustimmung für ihn.
Während früher Diktatoren gestürzt und von Dschihadisten ersetzt wurden, würde ein Sturz der Mullahs im Iran bedeuten: Ein mörderisches Islamisten-Regime könnte durch eine säkulare Regierung ersetzt werden. Es wäre ein Segen für die Krisenregion Nahost, die von Teheran über Jahrzehnte destabilisiert worden ist.

In München protestierten am vergangenen Wochenende 250.000 Menschen gegen die Mullahs; auch der Sohn des Schahs redete zur Menge.
Ein Unruheherd nicht nur für die Region würde stillgelegt
Von dort ging seit 1979 weltweiter Terror aus. Der Iran baute die libanesische Hisbollah auf, eine der gefährlichsten Terrororganisationen der Welt, mischte im syrischen Bürgerkrieg mit, bewaffnete im Irak und Syrien Milizen und hatte auch im Gazastreifen seine Kettenhunde: die Hamas und den Islamischen Dschihad. Im Jemen unterstützt er die Huthis, und auch in Europa steckt das Mullah-Regime hinter Anschlägen auf Juden und Israelis.
Was im Iran am „Tag danach“ kommt, kann eigentlich selbst in einer Region, in der die Formel „Schlimmer geht immer“ gilt, nur besser sein als Khameneis Betonbärte. Ganz neue Allianzen wären denkbar, eine Wiederaufnahme der Beziehungen zu Israel, eine Erweiterung der Abraham-Abkommen. Irans „Proxys“ wären von Geldströmen und Waffenlieferungen abgeschnitten, der seit mehr als viereinhalb Jahrzehnten schwelende Unruheherd stillgelegt, die Gefahr durch Atomwaffen in Händen von religiösen Endzeit-Fanatikern gebannt.
Auch würde den geostrategischen Interessen Russlands und Chinas durch die Ausschaltung des Regimes – mit dem sie eine strategische Partnerschaft pflegen, die militärische Zusammenarbeit einschließt – ein empfindlicher Schlag versetzt. Vor allem aber können die Menschen im Iran mit Recht erwarten, dass der Westen sie diesmal nicht im Stich lässt. Ein Regimewechsel in Teheran wäre wirklich „das Beste, was passieren könnte“, hat Donald Trump gesagt. Von allein passiert das aber nicht. Vielleicht wird schon Samstagnacht das Ende der Mullah-Herrschaft anbrechen.
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Claudio Casula
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