Minus 3 Prozentpunkte: Warum der AfD-Absturz nur wenig mit den Demos zu tun hat
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Die AfD rutscht in den Umfragen ab: 19 Prozent bei der Forschungsgruppe Wahlen, ebenfalls 19 Prozent bei Infratest dimap und 20 Prozent beim Meinungsforschungsinstitut INSA sind die niedrigsten Umfragewerte seit Monaten und teils ein Absturz um drei Prozentpunkte.
Doch was ist der Grund für den merklichen Rückgang?
Demo-Initiatoren und Politiker sehen – von ihrer eigenen Tugendhaftigkeit beseelt – eine direkte Folge der Anti-AfD-Demos im ganzen Land oder wenigstens eine Wirkung der Correctiv-„Enthüllungen“. Bei genauerem Hinsehen auf demoskopische Daten erscheint der Einfluss der bundesweiteren Debatte über die Verstrickungen der AfD jedoch nicht zentral zu sein. Viel entscheidender ist wohl die Rolle von Sahra Wagenknecht und ihrer Partei.

Weil Klimaschutz gerade wenig Schlagzeilen macht, setzt sich Luisa Neubauer jetzt für die Demokratie ein.
Luisa Neubauer, die offenbar von der Klimaaktivistin zur selbsternannten Demokratieverteidigerin umgeschult hat, sieht die Sache eindeutig: „Demonstrationen alleine werden die Demokratie nicht retten. Aber Demonstrationen wirken.“ Auch Grünen-Politiker Andreas Audretsch schreibt bei X: „Wieder Minus 3 Prozent für die AfD in den Umfragen.“ Grund in seinen Augen: „Immer mehr Details über Verstrickungen von AfD, Identitären und Rechtsextremen kommen ans Licht. Die haben Angst, weil die Mitte der Gesellschaft nein sagt zu Rechtsextremismus und Faschismus.“

In der Umfrage von Infratest Dimap verlor die AfD 3 Prozentpunkte, während BSW mit 5 Prozent einstieg.

Bei der Forschungsgruppe Wahlen nahm BSW der AfD wohl zwei der drei Punkte Verlust ab.
Seit dem 10. Januar, seit das teils mit Steuergeld finanzierte Recherchenetzwerk Correctiv den Bericht über ein angebliches Geheimtreffen von Rechtsextremen mit Vertretern von AfD und CDU veröffentlicht hat, bei dem es angeblich um Deportationspläne für Millionen Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund gegangen sein soll, vergeht kein Tag, an dem keine Analyse über ein mögliches AfD-Verbot, den Aufstieg des Rechtsextremismus und den drohenden Untergang der Demokratie in Deutschland veröffentlicht wird. Seither gab es Dutzende Demonstrationen mit mehr als 1 Million Teilnehmern gegen ebenjene Entwicklungen.
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Der Abstieg der AfD um 2 bis 3 Prozentpunkte in den Umfragen fällt also definitiv in denselben Zeitraum.
Meinungsforscher: AfD-Abschwung vor allem wegen Wagenknecht Aufschwung
Der Meinungsforscher Herrmann Binkert glaubt jedoch nicht, dass der Demo-Effekt allzu groß ist: „Die Wagenknecht-Partei ist in den Umfragen von 0 auf 100 sozusagen mit 7 Prozentpunkten eingestiegen – vor allem speist sich die neue Partei von früheren Wählern der Linkspartei, der AfD und der Nicht-Wähler, aber auch aus früheren Anhängern anderer Parteien, mit Ausnahme der Grünen. Die AfD ist im selben Zeitraum um 2 bis 3 Punkte gefallen. Es deutet also einiges darauf hin, dass der Verlust der AfD zu großen Teilen darauf zurückzuführen ist“, so Binkert zu NIUS.
Denn Fakt ist: Bei der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen legte das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ zwei Prozentpunkte zu, während die AfD 3 Punkte einbüßte. Bei der Umfrage von Infratest wurde BSW gar erstmals berücksichtigt und stieg mit 5 Prozent ein.

INSA-Chef Herrmann Binkert
Binkert weiter: „Die Schlussfolgerung, dass die Demonstrationen der vergangenen Wochen zentraler Auslöser für den AfD-Abschwung sind, scheint mir zu kurz gegriffen.“ Zumal Binkerts Daten zeigen würden, dass AfD-Wähler vergleichsweise sichere Wähler sind. Der INSA-Chef erklärt: „Beim letzten INSA-Meinungstrend waren sich knapp 75 Prozent der AfD-Wähler sicher, diese Wahl auch bei der Bundestagswahl in spätestens zwei Jahren zu treffen. Bei anderen Parteien liegt dieser Wert eher im Bereich von 50 Prozent.“
AfD-Chef sieht Umfrage-Absturz gelassen
AfD-Chef Tino Chrupalla sagte im Gespräch mit dem Deutschlandfunk zum Drei-Punkte-Absturz in den Umfragen: „Natürlich nehmen wir das zur Kenntnis. Man muss aber auch sagen, dass in diesem Deutschlandtrend eine neue Vereinigung – BSW, Bündnis Sahra Wagenknecht – mit eingetaktet wurde. Auch das gehört dazu.“

AfD-Chef Tino Chrupalla im Bundestag
Ihm sei jedoch klar gewesen, dass die hohen Umfragewerte noch für immer bleiben würden – es seien aber auch nur Umfragewerte: „Am Ende wird sich entscheiden – und das ist unser Ziel gerade bei den Landtagswahlen im Osten: in Sachsen, in Brandenburg, in Thüringen – dass ohne die AfD keine Politik mehr machbar sein wird. Und davor haben die großen Parteien natürlich eine Riesen- und Heidenangst. Deswegen wird jetzt eine Kampagne nach der anderen gefahren. Wir werden sehen, ob das verfängt beim Bürger, ob das der Wähler ernst nimmt und wahrnimmt. Wir machen uns natürlich auch Gedanken, aber wir haben dagegen natürlich auch Rezepte.“
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