Nervöse Großmächte: Warum der Angriff auf die Huthis so brisant ist
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Seit Wochen greifen Huthi-Rebellen vom Jemen aus Handelsschiffe im Roten Meer an. Der Seeweg ist für den Welthandel immens wichtig. Nun griffen die USA, Großbritannien und ihre Verbündeten ein. Das löste immense internationale Reaktionen aus.
Der Jemen erweist sich als Brennpunkt internationaler Konflikte. Die jüngsten Militärschläge gegen die von der Islamischen Republik Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen haben eine Welle von Kritik und diplomatischen Aktivitäten ausgelöst. Für gewöhnlich sprechen die Medien nach solchen Vorfällen von einem möglichen Flächenbrand. Es ist eine Auseinandersetzung zwischen dem Westen und dem Iran. Der Konflikt ist als Teil des Kriegs zwischen Israel und der islamistischen Hamas zu betrachten. Die Huthi solidarisieren sich mit den islamistischen Terroristen, griffen deswegen Schiffe mit angeblichem Bezug zu Israel.
Ein Video eines Angriffs auf die Huthi:
Doch wie reagieren die einzelnen Länder auf den Eingriff des Westens?
Iran
Der Iran hat den Militäreinsatz gegen die von der Islamischen Republik unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen scharf kritisiert. Außenamtssprecher Nasser Kanaani verurteilte die Angriffe am Freitag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna als schwere Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität des Jemen und als Verstoß gegen das Völkerrecht: „Diese willkürlichen Angriffe werden zu keinem Ergebnis führen, außer die Unsicherheit und Instabilität in der Region zu schüren.“
Die Huthi gehören zu den Vertretern iranischer geopolitischer Interessen in der Gegend. Ähnlich wie die libanesische Terrororganisation Hisbollah werden die jemenitischen Rebellen vom Iran mit Waffen versorgt und im Kampf gegen den Westen und Saudi-Arabien eingesetzt.
Ein Huthi-Vertreter drohte nach Angaben des Huthi-Fernsehsenders Al Massirah mit Vergeltung. Seit Beginn des Gaza-Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas greifen die jemenitischen Huthi-Rebellen immer wieder Schiffe im Roten Meer an, die angeblich mit Israel in Verbindung stehen. Große Reedereien meiden zunehmend die wichtige Handelsroute. Die Huthi greifen Israel auch immer wieder direkt mit Drohnen und Raketen an.

Die Huthi-Rebellen solidarisieren sich mit der Hamas und der Hisbollah im Kampf gegen Israel.
Russland
Russland forderte eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates für Freitag an, um die Luftangriffe der USA und ihrer Verbündeten auf die Huthi-Rebellen im Jemen zu diskutieren. Diese Information gab die russische Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York bekannt, wie von der Agentur Interfax berichtet wurde.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hat die Luftangriffe der USA und Großbritanniens auf Stellungen der Huthi im Jemen verurteilt. Sie bezeichnete den Angriff als Perversion der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates: „Die US-Luftangriffe auf den Jemen sind ein weiteres Beispiel dafür, wie die Angelsachsen die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats pervertieren und das Völkerrecht völlig missachten, um die Lage in der Region für ihre eigenen zerstörerischen Zwecke zu eskalieren.“
Russland sieht die Huthi als Zweckverbündete im Mächteringen gegen den westlichen Einfluss im Nahen Osten. Die Kooperation Russlands mit den Huthi basiert auf den freundschaftlichen diplomatischen Beziehungen zum Iran. Beide sehen sich als Gegengewicht zum Westen.
USA
US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat den jüngsten Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten gegen die Huthi-Rebellen im Jemen als klare Warnung bezeichnet. „Der heutige Einsatz der Koalition ist eine klare Botschaft an die Huthi, dass sie einen Preis zahlen werden, wenn sie ihre illegalen Angriffe nicht einstellen“, erklärte das Pentagon am Donnerstag. Der Schlag, der in der Nacht von Freitag auf Samstag erfolgte, war eine Reaktion auf die anhaltenden Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi auf Schiffe im Roten Meer.
Austin unterstrich die Entschlossenheit der USA: „Wir werden nicht zögern, unsere Streitkräfte, die Weltwirtschaft und den freien Fluss des legitimen Handels auf einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt zu verteidigen“.
In der Nacht von Freitag auf Samstag haben die USA und Großbritannien mit Unterstützung der Niederlande, Kanadas und Bahrains Ziele der Huthi-Rebellen im Jemen angegriffen. Der Militärschlag sei eine Antwort auf die „illegalen, gefährlichen und destabilisierenden“ Angriffe der Huthi auf Schiffe im Roten Meer und werde als Akt der Selbstverteidigung dargestellt, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, der sich auch die Bundesregierung anschloss.
Niederlande
Die Niederlande haben den Militäreinsatz der USA und Großbritanniens gegen die Huthi-Rebellen im Jemen unterstützt. Ein Stabsoffizier habe sich auf Bitten der USA und Großbritanniens an dem Einsatz beteiligt, teilte die Regierung am Freitag in Den Haag mit. Ziel sei es, die Lage im Roten Meer zu deeskalieren. Militärische Kapazitäten der Huthi seien geschwächt worden.
Die Niederlande unterstützten den Einsatz auch politisch, erklärte Ministerpräsident Mark Rutte auf X, ehemals Twitter. Angriffe der Huthi auf Schiffe im Roten Meer seien „eine deutliche Verletzung des internationalen Rechts und stellten eine Bedrohung des maritimen Personals und der Handelsströme dar.“
China
China ruft zur Besonnenheit auf. „China ist besorgt über die Eskalation der Spannungen im Roten Meer und ruft alle Beteiligten auf, Ruhe zu bewahren und Zurückhaltung zu üben“, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking am Freitag. China hoffe, dass alle Beteiligten konstruktiv und verantwortungsvoll zur Sicherheit und Stabilität in der Region des Roten Meeres beitragen.
Die Zurückhaltung Chinas, sich an der Aktion gegen die Rebellen zu beteiligen, dürfte zum Teil auf die Führungsrolle der USA in dieser Angelegenheit zurückzuführen sein. Chinesische Staatsmedien haben wiederholt die Präsenz von US-Kriegsschiffen im Nahen Osten kritisiert. Gleichzeitig unterhält China gute Beziehungen zum Iran, der als Unterstützer der Huthi-Rebellen bekannt ist.
Die Angriffe der Rebellen auf Frachtschiffe im Roten Meer haben auch negative Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft, da diese Handelsrouten Europa mit Asien verbinden.

Immer wieder beschossen die Huthi westliche Schiffe.
Was haben die Huthi-Angriffe für eine Auswirkung?
Zwar wurden die meisten Huthi-Raketen abgefangen und hatten kaum nennenswerte Auswirkungen, dennoch stellt der Beschuss eine Gefahr dar. Nur weil bislang kein Schiff durch die Rakete untergegangen ist, heißt es nicht, dass dies nicht zukünftig der Fall sein kann.
Die Reederei Hapag-Lloyd erleidet durch die Angriffe der Huthi-Rebellen im Roten Meer erhebliche finanzielle Einbußen. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Es beeinflusst die gesamte Branche und auch uns selbst auf signifikante Weise“. Diese Angriffe führen zu monatlichen Mehrkosten im hohen zweistelligen Millionenbereich für die Reederei. Der Sprecher äußerte sich nicht direkt zu den internationalen Militärschlägen unter Führung der USA und Großbritanniens gegen die Huthi-Rebellen, betonte jedoch: „Aber wir begrüßen Maßnahmen, die die Durchfahrt durch das Rote Meer wieder sicher machen.“
Seit Dezember meidet Deutschlands größte Container-Reederei den Suezkanal aufgrund der Angriffe und nimmt stattdessen die längere Route um das Kap der Guten Hoffnung. Dies führt zu erheblichen Verspätungen: „In die USA eine Woche länger, Europa bis zu zwei Wochen länger, östliches Mittelmeer 18 Tage länger“, so der Sprecher. Von den Umleitungen sind 183 Schiffe von Hapag-Lloyd inklusive Partnerschaften betroffen. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen soll am kommenden Montag getroffen werden.
Es bleibt abzuwarten, ob die westlichen Alliierten die Huthi unschädlich machen können oder sich die Raketenangriffe der Rebellen fortsetzen.
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