Unterdrücker unter Druck: Wie die Drohnen-Attacken auf die Basidsch-Miliz eine neue Phase im Iran-Krieg einläuten
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Claudio CasulaDer Iran-Krieg tritt in eine neue Phase ein: Israelische Drohnen griffen am Mittwochabend gezielt Mitglieder der gefürchteten Basidsch-Miliz an.
Nach Berichten aus dem Iran detonierten Sprengstoffdrohnen in der Nähe von Motorrädern und Fahrzeugen, die von Basidsch-Patrouillen benutzt wurden. Berichte und kursierende Videos zeigen kleine, tief fliegende Sprengstoffdrohnen, die in der Nähe von Basidsch-Motorrädern, Transportfahrzeugen und bemannten Stellungen an Kontrollpunkten, Polizeistationen und Sammelpunkten (etwa in Stadtteilen wie Shahran oder anderen Teheraner Vierteln) detonieren.
Iranische Quellen vergleichen dies mit einem „Mossad-Pager-Angriff 2.0“, bei dem kleine Drohnen gezielt und verdeckt für Präzisionsschläge gegen Sicherheitskräfte des Regimes eingesetzt werden, anstatt großflächige Infrastruktur zu zerstören. Vor diesem Hintergrund wird die jüngste Ankündigung des Schah-Sohnes Reza Pahlavis verständlich, der die Iraner aufgefordert hatte, sich unbedingt Vorräte anzulegen und das Haus „zur eigenen Sicherheit“ nicht zu verlassen.
Internes Sicherheitsnetzwerk des Regimes im Fadenkreuz
Offenbar nehmen die Israelis nach Waffenproduktionsstätten, Raketenabschussrampen, Stützpunkten, Hauptquartieren und anderen militärischen Zielen nun das interne Sicherheitsnetzwerk des Regimes ins Fadenkreuz. „Wir haben viele Werkzeuge in unserem Werkzeugkasten“, hatte Premierminister Benjamin Netanjahu nach der Pager-Aktion im Libanon 2024 gesagt. Jetzt werden sie gegen den Repressionsapparat des Mullah-Regimes eingesetzt: die Revolutionsgarden (IRGC) und die Basidsch-Milizen, jene Schläger, die jede Nacht Demonstranten verprügeln, verhaften und erschießen.
Lokalen Berichten zufolge wurden in Teheraner Krankenhäusern über Nacht zahlreiche verletzte Mitglieder der Basidsch behandelt. Die regimetreue Nachrichtenagentur Fars berichtete, dass die Drohnen über südliche und nördliche Bezirke von Teheran geflogen seien, und fügte hinzu, dass „mehrere Mitglieder der Sicherheitskräfte und der (freiwilligen) Basidsch-Miliz, die an Kontrollpunkten stationiert waren, getötet wurden“. Iranische Behörden machen „Mossad und Monarchisten“ für den Angriff verantwortlich.
Die Basidsch-Milizen sind eine paramilitärische Miliz, die den Revolutionsgarden untersteht und vom Regime zur Überwachung der Gesellschaft und Unterdrückung von Opposition eingesetzt wird. Sie sind es, die das iranische Volk permanent in Schach und das Regime am Leben erhalten. Teils agieren sie brutal auf offener Straße, rasen mit Motorrädern in Pulks von Demonstranten und gehen mit Knüppeln und Elektroschockern gegen sie vor.
Die Jäger sind zu Gejagten geworden
Die Basidsch sind als Massenmiliz die eigentliche Stütze des Systems. Im Krieg mit dem Irak rekrutierten sie massenhaft Kindersoldaten ab zwölf Jahren, hängten ihnen bunte Plastikschlüssel fürs Paradies um und verheizten sie an der Front. Später wandelten sie sich zur Moralpolizei und wurden schließlich zur Niederschlagung von Protesten eingesetzt. Bei der Bevölkerung sind die teilweise im Zivil auftretenden Basidschis verhasst, sind sie doch bereit, gegen gewisse Privilegien ihre Mitbürger zu drangsalieren.

Mitglieder der Basidsch-Miliz bei einer Feier.
Es handelt sich um Hunderttausende, unter denen sich nun Angst und Schrecken verbreiten. Gegen die Drohnen versuchten sie sich zur Wehr zu setzen, indem sie blindlings mit ihren AK-47, also (Kalaschnikow)-Gewehren, auf sie feuerten. Die Jäger sind zu Gejagten geworden. Die Angriffe zeigen: Auch die internen Sicherheitskräfte des Regimes sind verwundbar.
Offensichtlich geht es jetzt darum, die Kapazitäten des Mordregimes, gegen Aufständische vorzugehen, massiv einzuschränken und deren Schergen einzuschüchtern. Die Spielregeln haben sich geändert: Zum ersten Mal fürchten die Unterdrückungskräfte ebenso um ihr Leben wie die Demonstranten. Das könnte die Lage grundlegend verändern.
Iraner bejubeln die Drohnen-Attacken
„Dies ist ein Versuch, das Vertrauen der Öffentlichkeit in den stabilen Sicherheitsapparat Irans zu untergraben. Der Feind versucht, eine neue innere Front zu eröffnen“, hieß es in einem Medienbericht. Allerdings leiden die Iraner nicht an einem Vertrauensverlust, im Gegenteil: Sie freuen sich offen über die Drohnen-Attacken gegen die Basidsch.
Während die Selbstmorddrohnen die Milizionäre trafen, riefen viele „Marg bar Basidsch!“ (Tod der Basidsch!) und „Marg bar dictator!“ von ihren Balkonen. Mancherorts erschollen Rufe wie „Danke, Trump!“ und „Danke, Bibi joon“ (!), also „Liebling“. Dass das Volk die Angriffe auf das Regime begrüßt, zeigt einerseits Genugtuung darüber, dass die Unterdrücker nun selbst gejagt werden, andererseits die Hoffnung, das Regime vielleicht in den nächsten ein oder zwei Wochen zusammenbrechen zu sehen, weil es die Kontrolle über den öffentlichen Raum verliert.
Sowohl das dezimierte Regime als auch das Militär sind in der Defensive und müssen sich vor den Attacken der Israelis und Amerikaner in Sicherheit bringen. Nun sind auch ihre Schergen ins Visier geraten, die das widerspenstige Volk mit brutaler Gewalt unterdrückten. Selbst das Hauptrechenzentrum der größten Bank des Iran, welche die Gehälter aller Regierungstruppen bezahlt, wurde zerstört.
Verlagerung des Kampfes auf die Straßen Teherans
Die Verlagerung des Kampfes direkt auf die Straßen Teherans signalisiert einen Wandel von strategischen Schlägen hin zur Ermöglichung eines offenen Aufstands, wenn die Kontrollposten und Patrouillen der Basidsch erst einmal beseitigt sind.
Israel arbeitet – schon aus vitalem Eigeninteresse – auf einen Sturz des Mullah-Regimes hin, ist sich aber bewusst, dass dies nur die Iraner bewerkstelligen können, wie Israels Außenminister Gideon Sa’ar der The Times of Israel gegenüber meinte: „Gleichzeitig müssen wir sagen, dass sie ohne externe Unterstützung keine Chance haben, das Regime zu stürzen.“

Israels Außenminister Gideon Sa'ar sagt den Iranern Unterstützung zu.
Die wichtigste dieser Voraussetzungen sei, so erklärte Sa’ar, „die drastische Schwächung der Repressionsmechanismen des iranischen Regimes“. Israel greife derzeit Basen, Hauptquartiere sowie Kommando- und Kontrollzentren der IRGC an und „operiere so, dass sie bis zum Ende der Kampagne ausreichend geschwächt sein werden – und dann könnte es vielleicht möglich sein, diesen Wandel herbeizuführen“.
Schwächung des Repressionsapparates
Ziel ist also, den Repressionsapparat der Mullahs so zu schwächen, dass er die Proteste bald nicht mehr unterdrücken und Demonstranten nicht mehr niederkartätschen lassen kann. Bis dahin droht das iranische Regime potenziellen Demonstranten weiterhin mit extremer Gewalt. Am Dienstag warnte der ranghöchste Polizeioffizier des Landes, dass alle Demonstrierenden als „Feinde“ behandelt würden, sollten sie die Gegner Teherans unterstützen.
Das Regime wankt, ist aber noch nicht gefallen. Nach knapp zwei Wochen Krieg war das auch nicht zu erwarten. Doch erodiert die Macht der Mullahs mit jedem weiteren Tag, an dem Personal und Waffen dezimiert werden. Das gezielte Vorgehen gegen die Basidsch ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Aufstand der Iraner, die seit 47 Jahren unter der islamistischen Herrschaft leiden.
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