Unternehmensinsolvenzen steigen um 37,4 Prozent – warum das erst der Anfang sein könnte!
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Das statistische Bundesamt meldet 37,4 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen im Juli 2023 als im Juli 2022.
Damit kommt die Insolvenzwelle immer weiter ins Rollen. Vor allem in konjunkturell sensiblen Bereichen wie dem Bau und der Zeitarbeit. Doch nicht nur die Anzahl der Insolvenzen steigt stark an, auch die mit ihnen verbundenen Forderungen haben sich fast vervierfacht!
Im Juli 2023 haben die Amtsgerichte nach endgültigen Ergebnissen 1.586 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Das waren 37,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Vorläufige Daten des statistischen Bundesamt gingen noch von einem Anstieg um knapp 24 Prozent aus.

Die Inflationsrate in Deutschland liegt aktuell bei 4,5 Prozent.
Insolvenzvolumen hat sich fast vervierfacht!
Die Forderungen der Gläubiger aus den im Juli 2023 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 3,1 Milliarden Euro. Im Juli 2022 hatten die Forderungen bei rund 800 Millionen Euro gelegen. Das ist fast eine Vervierfachung!
Rezession befeuert Insolvenzen
Die deutsche Rezession begann im letzten Herbst und für die kommenden Monate ist auch keine Besserung zu erwarten. Eine allgemeine wirtschaftliche Schwäche ist einer der wichtigsten Gründe für Firmeninsolvenzen. Im Blick auf die Pleiten stechen vor allem zwei Branchen heraus: das Baugewerbe und die Zeitarbeitsfirmen.
Das sind jeweils schlechte Nachrichten für die weitere konjunkturelle Entwicklung, da diese Branchen vorlaufenden Charakter haben.
Zeitarbeitsfirmen sind schneller als andere Unternehmen von Veränderungen in der Wirtschaft betroffen. Der Grund: Wenn Unternehmen optimistisch in Bezug auf zukünftiges Wachstum sind, neigen sie dazu, mehr Zeitarbeiter einzustellen. Wenn die Wirtschaft hingegen schlechter läuft, verringern sie oft die Anzahl der Zeitarbeitskräfte. Dementsprechend ist ein starker Anstieg von Pleiten bei Zeitarbeitsfirmen ein negativer Vorbote.

Ein Mitarbeiter schweißt beim Maschinenbauer Liebherr das Typenschild eines Krans.
Ähnliches gilt für das Baugewerbe. Der Bau neuer Wohnungen und gewerblicher Immobilien ist oft ein Zeichen für steigende Nachfrage in der Wirtschaft. Die Rahmenbedingungen für die Nachfrage sind allerdings denkbar schlecht: Staatlich verursachte hohe Baukosten und Regulierungen auf der einen Seite, hohe Finanzierungskosten durch deutlich gestiegene Zinsen auf der anderen Seite.
Dieselbe Schlussfolgerung kann allerdings auch über das Baugewerbe hinausgehend für das verarbeitende Gewerbe insgesamt gezogen werden. Hohe Energiepreise und politische Unsicherheit sowie die höheren Zinsen führen dazu, dass das verarbeitende Gewerbe in Deutschland besonders hart getroffen wird.
Zombi-Unternehmen vor dem Aus?
Insbesondere die höheren Zinsen könnten für viele Firmen, die sich über eine längere Zeit nur aufgrund des niedrigen Zinsniveaus am Leben halten konnten, ein großes Problem darstellen. Diese sogenannten „Zombi-Unternehmen“ dürften bei Refinanzierungsrunden zunehmend Probleme bekommen, insbesondere wenn die wirtschaftliche Schwäche in Deutschland anhält.
Der Dominoeffekt: Insolvenzwelle könnte gerade erst ihren Anfang nehmen
Dazu darf man nicht vergessen, dass die Insolvenzen einzelner Unternehmen negative Auswirkungen haben auf die Partnerunternehmen – und so das generelle Insolvenzrisiko ansteigen lassen.
Wenn Lieferanten oder Kunden eines Unternehmens in finanzielle Schwierigkeiten geraten und ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können, kann dies die finanzielle Stabilität des im Grunde gesunden Unternehmens gefährden.
Dies kann im Zweifel auch branchenübergreifend passieren, da Unternehmen oftmals eng miteinander verflochten sind. Der Dominoeffekt, bei dem mehrere Unternehmen gleichzeitig in finanzielle Schwierigkeiten geraten, ist als Insolvenzwelle bekannt. Diese könnte gerade ihren Anfang genommen haben.
Von einem Wirtschaftswunder – wie es Bundeskanzler Scholz prognostizierte – könnte Deutschland nicht weiter entfernt sein.
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Diego Faßnacht
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