Von „Frauen gegen Merz“ bis US-Demokraten: Warum sind Linke so frauenfeindlich?
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Seit einiger Zeit geistert die Kampagne „Frauen gegen Merz“ durchs Netz. Frauen erklären dabei, warum sie Merz auf keinen Fall wählen werden. Wer hinter der Kampagne steckt, war zunächst nicht eindeutig zu verorten. Erst hieß es, die SPD habe sie lanciert, was deren Werbeagentur dementierte. Im Impressum der Kampagnenseite wird seit Kurzem die Agentur „Aktivistmuss“ ausgewiesen. Am Freitag hatte eine exklusive NIUS-Recherche gezeigt, dass die Betreiber der Agentur in der Vergangenheit mit linksradikalen Positionen und Mordaufrufen gegenüber AfD-Politikern auffielen – und einer der Betreiber Mitglied der Grünen ist.
Die Strategie, Merz als Frauenschreck zu verunglimpfen, verfolgen CDU-Gegner seit Längerem. Sie gewinnt nun noch einmal an Fahrt, weil einem anderen Narrativ, das noch im Europawahlkampf prägend war, der Wind aus den Segeln genommen wurde: Nachdem Friedrich Merz die Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ausgeschlossen und sich sogar einverstanden gezeigt hat, im Bundestag die Tagesordnung abzuräumen, um bloß nicht gemeinsam mit der AfD zu stimmen, hat der Kampf „gegen Rechts“ an Glaubwürdigkeit verloren. Darum rückt Merz jetzt selbst in den Fokus linker Kampagnen und wird zur Gefahr für Frauen stilisiert.
„Nicht selbstbewusst genug“?
Dabei werden Merz‘ Aussagen teils sinnentstellend aus dem Kontext gerissen. So erklärte die Influencerin Diana zur Löwen etwa, Merz stehe „nicht für die Progressivität, die wir in Deutschland brauchen“. Er habe unter anderem gesagt, Frauen seien „nicht selbstbewusst genug und können weniger Respekt als Männer in Anspruch nehmen.“ Tatsächlich aber hatte Merz keineswegs patriarchale Standpunkte vertreten, sondern vielmehr die patriarchalen Einstellungen muslimischer Männer kritisiert. Auf Frage, warum Männer leichter als Frauen in das Taxi eines Fahrers mit Palästinensertuch einsteigen könnten, antwortete Merz: „Weil ich als Mann vielleicht ein anderes Selbstbewusstsein habe, aber auch vielleicht einen anderen Respekt in Anspruch nehmen kann.“ Wie Frauen von Taxifahrern mitunter behandelt würden, sei inakzeptabel, erklärte Merz.

Diana zur Löwen auf LinkedIn.
Um Merz als Bedrohung für Wählerinnen zu inszenieren, werden seine Aussagen also ins Gegenteil verkehrt. Umso erstaunlicher ist es, dass Merz unter dem Druck einzuknicken scheint. So veröffentlichte er am Donnerstag ein Foto von sich, das ihn umgeben von etwa drei Dutzend Frauen vom Verband deutscher Unternehmerinnen zeigt. Dazu schrieb er: „Wir werden dieses Land ohne Frauen nicht nach vorne bringen. Ganz einfach. Egal wo – sei es in der Wirtschaft, sei es in der Wissenschaft, sei es in den Unternehmen, in der Politik. Egal wo – wir kriegen das ohne Sie nicht hin!“ Ganz so, als würden geheime Kräfte daran arbeiten, die Frau als solche abzuschaffen.

Merz mit Frauen.
Merz passt sich mit diesen Worten einer linken Rhetorik an, die sich progressiv gibt, aber in Wahrheit seit Jahren einer rückschrittlichen Agenda folgt. Frauen werden dabei lobend hervorgehoben, als handle es sich um eine bedrohte Spezies, deren Wert stets aufs Neue beschworen werden muss. Dass dies Frauen im Grunde herabsetzt, weil ihre Leistung dadurch im Gegensatz zu jener von Männern als nicht selbstverständlich anerkannt wird, fällt den selbsternannten feministischen Vorkämpfern nicht auf.
#StarkeFrauenStarkeWirtschaft
Mit dem Foto als Hahn im Korb wollte Merz offenbar mit Wirtschaftsminister und Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck gleichziehen. Habeck hatte sich kürzlich inmitten von Gründerinnen abbilden lassen. Darunter schrieb er auf Instagram: „Deutschland kann Start-ups. Frauen können Start-ups. Mit einigen der Gründerinnen bin ich auf dem Weg nach Lissabon zur Websummit Tech- und Startup-Konferenz. Zum ersten Mal begleitet mich eine rein weibliche Wirtschaftsdelegation. Was für ein wichtiges Zeichen!“ Dazu postete er den Hashtag #StarkeFrauenStarkeWirtschaft.
Habeck füttert hier die Erzählung der Frauen als entrechteter Minderheit, deren Stärke vom Mann erkannt und gefördert werden muss. Der Mann wird so zum Gönner weiblicher Macht. So denkt Habeck über Frauen. Er darf es nicht zugeben, doch in Momenten, in denen er von Eitelkeit überwältigt wird, kann er es nicht verbergen. Nachdem Annalena Baerbock ihn 2021 bei der Kandidatenkür ausbootete, trat er in einem Interview mit der Zeit nach: „Dass Annalena eine Frau ist in einem ansonsten männlichen Wahlkampf, war ein zentrales Kriterium.“ Beim Grünen-Parteitag Mitte November erklärte er in seiner Rede: „Ich arbeite so selbstverständlich mit all den Frauen, die wir in der ersten und zweiten und dritten Führungsriege dieser Partei haben, zusammen, dass ich es gar nicht merke, dass es Frauen sind.“
Die Heraufbeschwörung von Merz als Gefahr für die Gleichberechtigung erinnert an den Wahlkampf der Demokraten in den USA. Um auf den letzten Metern bei weiblichen Wählern zu punkten, veröffentlichte die demokratische Partei einen Werbespot, dessen Text Julia Roberts einsprach. Gezeigt wurde ein Ehepaar im Wahllokal. „Du bist dran“, ruft der Mann seiner Frau zu. Verunsichert blickt sie auf den Wahlzettel, bis sie einer Frau, die ihr gegenübersteht, in die Augen blickt – und sich endlich traut, für Kamala Harris zu stimmen. „An dem einen Ort in Amerika, an dem Frauen noch das Recht zu wählen haben, können Sie wählen, wie Sie wollen, und niemand wird es je wissen. Vergessen Sie nicht: Was in der Wahlkabine passiert, bleibt in der Wahlkabine“, erklärt Roberts Stimme aus dem Off. „Hast Du die richtige Wahl getroffen?“, fragt der Ehemann die Frau, als sie aus der Wahlkabine tritt. „Klar, Liebling!“, entgegnet sie.

Aus dem Wahlspot der Demokraten.
Die Demokraten entwerfen hier ein Bild der Unterdrückung: Die Frau wird als verunsichertes Wesen dargestellt, das dem Ehemann nicht offen zu widersprechen wagt und nur im Geheimen ihrem politischen Willen Ausdruck verleihen kann. Der Mann hingegen erscheint wie ein repressiver Patriarch, der den Urnengang seiner Frau einer permanenten Kontrolle unterwirft. Impliziert wird, dass die Frau mit ernsthaften familiären Konsequenzen zu rechnen hat, wenn sie sich gegen den Willen ihres Mannes stellt.
Linke hierzulande wie in den USA offenbaren mit derartigen Kampagnen vielmehr ihre eigene Gestrigkeit, als dass sie das Frauenbild ihrer Gegner enttarnen. Die verstaubte Inszenierung des konservativen Mannes als größte Gefahr für die Frau wird von der Realität längst Lügen gestraft. Viele Frauen sind konservativen Männern heute dankbar, dass diese sich noch zu benennen trauen, was eine Frau ist, und das Eindringen von Männern in Frauenschutzräume kritisieren. Sie sind ihnen ebenso dankbar, dass sie ihnen bei der Abwehr muslimischer Macho-Kultur den Rücken stärken.
Konservative schützen Frauen heute oftmals besser als Linke – und ertragen sie als Leistungsträgerinnen gelassener neben sich. Geschickter, als sich von der Kampagne „Frauen gegen Merz“ einschüchtern zu lassen, wäre es darum aus Sicht der CDU, sich stattdessen als echter Bewahrer der Frauenrechte zu bekennen.
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Pauline Voss
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