Wie der Vergleich mit dem Zweiten Weltkrieg zur Chiffre des deutschen Niedergangs wurde
Ein Beitrag von
Pauline VossIn Berlin endete am Mittwoch der längste Stromausfall in der Hauptstadt „seit dem Zweiten Weltkrieg“. So stand es in den Schlagzeilen. Es ist eine Formulierung, die wir immer öfter hören, eine Chiffre des deutschen Niedergangs: Wir befinden uns inmitten der tiefsten Wirtschaftskrise in Deutschland „seit dem Zweiten Weltkrieg“. Europa steht vor der gefährlichsten geopolitischen Herausforderung „seit dem Zweiten Weltkrieg“.
Ein neuer Referenzpunkt hat Einzug in unser Denken gehalten. War der Zweite Weltkrieg vor wenigen Jahren noch die Antithese zur Gegenwart, eine finstere Ermahnung, den Überfluss der westlichen Wohlstandsgesellschaften nicht als selbstverständlich anzusehen, so dient der historische Bezug zum Krieg heute immer öfter der Beschreibung der Gegenwart. Die Zustände unseres Landes finden in der bundesrepublikanischen Geschichte keine Entsprechung mehr.
Diese neue deutsche Realität offenbarte sich im Berliner Westen seit dem linksextremen Anschlag auf das Stromnetz am Samstag wie unter einem Brennglas. In Berlin-Nikolassee harrten demente und todkranke Bewohner in einem Altenheim tagelang bei 16 Grad Raumtemperatur aus, das Pflegepersonal musste sie Treppen hoch- und runtertragen, weil die Fahrstühle nicht funktionierten. Bei einer älteren Dame aus Berlin-Schlachtensee, die ihr stockdunkles und ausgekühltes Haus mit ihrem Gasbackofen wärmte und mit Kerzen erleuchtete, kamen Erinnerungen hoch: „Als ich Kind war, haben wir immer Dämmerstündchen gehalten, ich bin ja noch ein Kriegskind“, erzählte sie unserem Reporter.
Man würde sich nicht wundern, im nächsten Roman von Rainald Goetz auf die dunklen Berliner Nächte zu stoßen. Wie ein Sittengemälde präsentieren sich Dekadenz und Zerfall in der Hauptstadt. Während die Polizei Einsatzwagen losschickte, um durch die finsteren Straßen zu fahren und die Bewohner aufzurufen, bei Verwandten unterzukommen und sich mit Taschenlampen zu behelfen, entschied sich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner, Tennis zu spielen. Kanzler Friedrich Merz hat den Terror und seine Folgen noch nicht einmal öffentlich zur Kenntnis genommen. Zur neuen deutschen Realität gehört, dass die regierende Klasse sie ignoriert.
Politisch gewollter Niedergang
Die Bilder aus Berlin zeigen einen Niedergang, der politisch gewollt ist. Das Gift der linken Ideologie hat sich so erfolgreich in die Institutionen gefressen, dass unmöglich wird, was einst selbstverständlich war: Prävention, Katastrophenschutz, Strafverfolgung. Die Warnung vor Angriffen auf die kritische Infrastruktur kommt gerade recht, um sie als Instrument gegen die Opposition zu missbrauchen und das parlamentarische Fragerecht auszuhöhlen, weil die AfD angeblich im Interesse Putins frage. Die Infrastruktur vernünftig zu schützen, darauf kam in Berlin hingegen keiner. Der Berliner Rechnungshof fand im November letzten Jahres heraus, dass viele Katastrophenschutzbehörden der Stadt von ihrer Zuständigkeit gar nichts wussten. Und das, obwohl Linksextreme erst im Sommer Angriffe auf die Villenviertel angekündigt hatten.
Geleitet wird das Referat für Zivilschutz des Innensenats von einer Völkerrechtlerin, berufen vom früheren grünen Justizsenator und Gender-Toiletten-Fanatiker Dirk Behrendt, ohne erkennbare Expertise, aber mit braver Behörden-Laufbahn. Wegner wiederum, der mit einem Law-and-Order-Wahlkampf das Rote Rathaus eroberte, schert sich erst recht nicht um linken Terror. Er hat gelernt, was alle Mächtigen in Deutschland gelehrt bekommen: Wer Macht will, muss links sein.

Wegner im vergangenen Juli beim beim lesbisch-schwulen Stadtfest.
Seitdem verschafft sich Wegner gekonnt mit dem Regenbogen-Fächer Luft und hat Berlin aufgegeben. Schon im Normalfall funktioniert nahezu nichts in der Hauptstadt: In den Straßen sammeln sich Müll und Unrat, Obdachlose säumen ganze Bürgersteige, Messerstechereien gehören zum Alltag. Die Straßen sind auch dann dunkel, wenn der Strom fließt, doch statt in mehr Laternen investiert die Stadt lieber 3,2 Milliarden Euro in neue Bäume. Zu glauben, dass der Senat auf einen Ernstfall angemessen reagiert, wäre also geradezu wahnwitzig.
Die Zustände der letzten Woche im Berliner Westen bezeugen den stillen Siegeszug der Ulrike Herrmann. Die „Taz“-Journalistin fordert in den Talkshows von ARD und ZDF regelmäßig den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft und preist als Vorbild die britische Kriegswirtschaft von 1940 an, inklusive Rationierung. Und obwohl sich immer irgendein Liberaler findet, den der öffentlich-rechtliche Rundfunk neben Herrmann platziert, damit sie Kontra bekommt, wird Herrmann ahnen, dass sie als Siegerin vom Platz geht: Jahrzehnte linker Agitation gegen Wohlstand und Leistung haben ihre Spuren im Denken hinterlassen. Nicht mal mehr auf dem Sportplatz zählt es, der Schnellste zu sein. Es reicht, dabei gewesen zu sein. Die Teilnehmer-Urkunde macht alle gleich. Aber sie macht alle gleich schwach.
Verblendung der Degrowth-Bourgeoisie
Die Hauptstadt wird von einem Milieu beherrscht, das seine ganze Existenz darauf gebaut hat, die Realität auszublenden. Die Degrowth-Bourgeoisie geht in ihrer selbstgewählten Verblendung und Extremismus-Verharmlosung so weit, dass ihr die linken Terroristen nun vehement widersprechen. In den vergangenen Tagen verbreiteten Privat-Ermittler wie die Politiker Roderich Kiesewetter und Renate Künast das Gerücht, hinter dem Anschlag auf das Stromnetz stehe in Wahrheit der russische Geheimdienst. Die linksextreme Vulkangruppe, die den Anschlag zuvor für sich reklamiert hatte, schrieb daraufhin in einem zweiten Bekennerschreiben: „Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren. Dass Menschen hier vor Ort in der Lage sind, Infrastruktur anzugreifen, passt nicht ins Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden. Also wird ein äußerer Feind konstruiert.“ Beim RBB las man die Schlagzeile: „‚Vulkangruppe‘ weist Russland-Spekulationen zurück“. Mit Linksterroristen gegen Desinformation – eine Volte, die die wenigsten für 2026 auf dem Zettel hatten.
Noch ahnt dieses Milieu nur vage, was ihm droht, wenn auffliegt, dass der Wohlstand der Vergangenheit restlos aufgebraucht ist und kein neuer entsteht. All die Berliner Spätaufsteher, die in NGOs und Behörden mit Steuergeld durchgefüttert werden, haben nie gelernt, dass nur verteilt werden kann, was zuvor erwirtschaftet wurde.
Im Land, wo Milch und Honig fließt, wird den Mächtigen gehuldigt. So lange, bis der Honig nicht mehr fließt: Kälte und Dunkelheit treiben manchen Regierungstreuen in die „Delegitimierung“. Michael Bröcker, der seine Rolle als Chefredakteur von „Table Media“ bislang mit der des Regierungssprechers zu verwechseln schien, schreibt auf einmal empörte Tweets, inklusive Rechtsboomer-Emojis: „Irre. Längste Stromausfall in der Nachkriegsgeschichte. Jetzt ist der Strom da, aber die Schulen bleiben erst mal zu.“ Melanie Amann, früher beim „Spiegel“, heute Digitalchefin bei „Funke Medien“, sekundiert und weist auf den desaströsen Katastrophenschutz hin, ebenfalls mit Alarm-Emoji.

Erbost: Michael Bröcker auf X.
Es mag für all die gut situierten Entschleuniger, die ins Hotel fliehen konnten, eine überraschende Erkenntnis sein: Ideen haben Konsequenzen. Wer davon schwärmt, Pipelines in die Luft zu jagen, wird irgendwann Pipelines in die Luft jagen. Wer Verteidigung für obsolet erklärt, wird eines Tages nicht einmal mehr einem Stromausfall gewachsen sein. Wer den Fortschritt zur Gefahr erklärt, wird im Rückschritt enden.
Noch beschreibt der Ausdruck „seit dem Zweiten Weltkrieg“ unsere Realität nicht umfassend, sondern nur partiell. Doch je öfter die Fakten keine andere Formulierung zulassen, weil ein Phänomen nach 1945 nicht mehr aufgetreten ist, umso offensichtlicher wird die zivilisatorische Rückwärtsbewegung. Nicht umsonst wird die Epoche der Aufklärung auf Englisch „Enlightenment“ genannt. Selber gedacht wird im Hellen. Ideologie führt in die Dunkelheit.
Lesen Sie auch: Tennis-Wegner ist kein einzelner Unfähiger – er ist Symptom einer kaputten Parteienkaste
Weitere Artikel zum Thema
„Feinde“: Wie Politik und Medien mit Kriegs-Rhetorik und NGO-Truppen die freie Presse bekämpfen
Deutsche Marine: Vom „Platz an der Sonne“ in den Schatten Trumps
Die Angst vor Kernenergie ist tödlicher als Kernenergie selbst – und das lässt sich beweisen
Warnsignal für Klingbeil! Keiner bietet bei Auktion für Anleihen - Deutschlands Schulden werden plötzlich schwer verkäuflich
Die Nicht-Impfstoff-Hersteller von BioNTech – und das deutsche Staatsversagen
So kam ZDF-Intendant Norbert Himmler zu seiner zweiten Amtszeit
Kulturkampf in der CDU: Göttinger CDU-Politiker unterstützen linksextremen Buchladen
Pauline Voss
Autor
Artikel teilen
Kommentare