Die Spur von Ghislaine Maxwell: Führte ihr Weg zum Mossad und weiter bis zum KGB?
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Teil I dieser Serie erklärte, dass der verstorbene Jeffrey Epstein als Zugangsbeschaffer für mehrere Geheimdienste fungiert haben könnte. Aber welche Geheimdienste könnten das gewesen sein?
An erster Stelle steht Israel. Zweifelsohne ein kontroverses Thema, nicht zuletzt wegen des im Westen wachsenden Antisemitismus. Doch Gegenspionagearbeit bedeutet, Fragen zu stellen – auch schwierige Fragen, die andere vermeiden.
Um diese sensible Diskussion zu führen, schauen wir uns die verborgene Biografie von Robert Maxwell an – dem umstrittenen britischen Medienmogul, der 1991 unter mysteriösen Umständen starb. Ghislaine Maxwell war sein neuntes und jüngstes Kind und galt als Lieblingskind ihres Vaters. Angesichts der außergewöhnlich engen persönlichen wie auch kriminellen Beziehung zwischen Ghislaine Maxwell und Epstein kann Robert Maxwell als Epsteins faktischer Schwiegervater betrachtet werden.
Wurde Robert Maxwell gezielt aus dem Weg geräumt?
Robert Maxwell wurde 1923 als Jan Hoch in eine arme jüdische Familie im äußersten Osten der Tschechoslowakei (heute Ukraine) geboren. Er entging nur knapp dem Holocaust, was den meisten seiner Familienangehörigen nicht gelang, und diente schließlich in der britischen Armee im Zweiten Weltkrieg, unter anderem als Kampfoffizier in Nordwesteuropa.

Robert Maxwell im Jahr 1990
Nach dem Krieg stieg Hoch unter dem Namen Maxwell zu einem aufstrebenden Stern in britischen Verlagskreisen auf. Er ging in die Politik und saß von 1964 bis 1970 für die Labour Party im Parlament. In den 1980er-Jahren galt er als schillernder Medienmogul mit Einfluss weit über Großbritannien hinaus, führte ein luxuriöses Leben und ging regelmäßig gegen Medien vor, die sich über seine Allüren lustig machten.
Doch schnell brach sein Glanz zusammen. 1991 ging Maxwell pleite, obwohl er die Pensionsfonds seiner Unternehmen geplündert hatte. Jahrzehnte zweifelhafter Finanzgeschäfte holten ihn ein. Am 5. November desselben Jahres starb er während einer Kreuzfahrt auf den Kanarischen Inseln auf seiner Yacht Lady Ghislaine. Seine nackte Leiche wurde 15 Meilen von der Yacht entfernt im Atlantik treibend gefunden. Die offizielle Todesursache, nach der er zunächst einen Herzinfarkt erlitten und anschließend im Meer ertrunken sein soll, wurde von Anfang an als zweifelhaft angesehen. So war sich auch Ghislaine Maxwell immer sicher, ihr Vater sei ermordet worden.
„Er hat mehr für Israel getan, als heute gesagt werden kann“
Die Darstellung des verstorbenen Maxwell als „Superspion“ des Mossad mag übertrieben wirken. Fest steht jedoch, dass seine Verbindungen zu israelischen Geheimdiensten bis zur Gründung des jüdischen Staates zurückreichen. Damals suchte Maxwell nach Verwandten, die dem Holocaust zum Opfer gefallen waren. Während er sein Leben in Großbritannien aufbaute, wurde er wegen seiner weitreichenden Kontakte in Londoner Finanz- und Politikkreisen zu einer wertvollen Geheimdienstquelle.
Der Mossad äußerte sich – wie üblich – nicht zu seiner mutmaßlich profitablen Beziehung zu Maxwell. Doch es spricht für sich, dass nicht weniger als sechs amtierende und ehemalige Chefs des israelischen Nachrichtendienstes an seiner Beisetzung auf dem Ölberg in Jerusalem teilnahmen, und der damalige Ministerpräsident Jitzchak Schamir den Verstorbenen mit den geheimnisvollen Worten würdigte: „Er hat mehr für Israel getan, als heute gesagt werden kann.“
Ehemalige Mitarbeiter des israelischen Nachrichtendienstes haben mir von ihrer Beziehung zu Maxwell erzählt, den sie „den kleinen Tschechen“ nannten. Einer von ihnen, der Maxwell persönlich kennengelernt hatte, bezeichnete ihn als „schwierig, aber wertvoll“. In Geheimdienstkreisen wird seit Langem vermutet, dass der Mossad etwas mit seinem verdächtigen Tod zu tun hatte. Der gängigen Darstellung zufolge soll Maxwell im August 1991 knapp bei Kasse gewesen sein und sich an dem vom KGB unterstützten Putschversuch in Moskau beteiligt haben – dem letzten, letztlich gescheiterten Versuch, die Sowjetunion zu retten. Verzweifelt soll er Ministerpräsident Schamir angerufen und Geld sowie Unterstützung für den Moskauer Putsch verlangt haben. Schamir, der mit all dem nichts zu tun haben wollte, soll Maxwells Bitte jedoch zurückgewiesen haben. Geheimdienstmitarbeitern zufolge soll Maxwell dem Ministerpräsidenten daraufhin gedroht haben – der letzte folgenschwere Fehler Maxwells.
Doppelspion im Auftrag von Mossad und KGB
Für jeden erfahrenen Geheimdienstmitarbeiter drängt sich hier die Frage auf: Warum war Maxwell, ein britischer Verlagsmogul und israelischer Agent, in den Moskauer Putsch von 1991 des KGB verwickelt? Hier wird die Geschichte noch interessanter. Während Maxwells primäre Loyalität Israel galt, war er in seinem Spionageleben ebenso wie in seinen geschäftlichen Unternehmungen ein Unternehmer. Über Jahrzehnte diente er dem KGB und zugleich dem Mossad. Mitte des Kalten Krieges kam der britische Geheimdienst zu der Einschätzung, dass Maxwell eine geheime Beziehung zum Kreml hatte – und er lag richtig.

Zivilisten beim Moskauer Putsch von 1991
Im Jahr 2018 veröffentlichte der ehemalige KGB-Oberst Nikolai Shvarev einen detaillierten Bericht über Maxwells Dienste für Moskau. Demnach arbeitete Maxwell bereits Ende der 1940er-Jahre heimlich sowohl für den Mossad als auch für den KGB. In den 1950er-Jahren durchschauten beide Seiten sein Doppelspiel – hielten jedoch an ihm fest, weil er als zu wertvoll galt. 1968 unterstützte Maxwell, damals Labour-Abgeordneter, öffentlich die sowjetische Invasion in der Tschechoslowakei, seinem Herkunftsland. Das festigte offenbar sein Ansehen in Moskau und ebnete ihm den Weg zur obersten Führung des KGB – einschließlich eines persönlichen Treffens mit dem sowjetischen Staatschef Leonid Breschnew.
Für den KGB war Maxwell nicht nur als Lieferant westlicher Informationen von Bedeutung. Er vertrat in politischen Fragen wiederholt die sowjetische Linie und verfügte über Zugang zu zahlreichen westlichen Entscheidungsträgern. In Moskau registrierte man jedoch mit Misstrauen seine Nähe zum Mossad und hegte den Verdacht, er könnte auch für den britischen Geheimdienst tätig sein. Tatsächlich traf sich Maxwell gelegentlich mit dem britischen Inlandsgeheimdienst MI5 und gab ausgewählte Informationen weiter – vor allem, um den Dienst auf Distanz zu halten.
„Mit dem Tod von Robert Maxwell ging das Zeitalter der großen Spione zu Ende“
Über Jahrzehnte hinweg soll Maxwell erhebliche Geldsummen vom KGB erhalten und zudem als Geldwäscher für Unternehmen fungiert haben, die mit dem sowjetischen Geheimdienst verflochten waren. Enge Beziehungen verbanden ihn mit Wladimir Krjutschkow, dem langjährigen Leiter des Ersten Hauptdirektorats – der Auslandsaufklärung des KGB. Diese Nähe wurde ihm 1991 zum Verhängnis, als Krjutschkow ihn um Unterstützung für den Putsch bat.
Shvarevs Darstellung deckt sich weitgehend mit einem 2007 erschienenen Beitrag von Stanislav Lekarev, ebenfalls ein pensionierter KGB-Oberst und Experte für Spionageabwehr. Auch er beschreibt Maxwell als Spitzenagenten, der eine Sonderstellung genoss – mit direktem Zugang zu ranghohen KGB-Funktionären. Auch Lekarew macht Maxwells Beteiligung am Putsch von 1991 für sein tödliches Schicksal verantwortlich. „In der Nacht des 5. November wurde das Maxwell-Problem gelöst“, schreibt Lekarev und fügt hinzu: „Mit dem Tod von Robert Maxwell ging das Zeitalter der großen Spione zu Ende.“ Interessanterweise ergänzt Lekarew, dass drei KGB-Oberste, die operativ Kontakt zu Maxwell hatten – Wladimir Golowin, Viktor Bredichin und Wadim Birjukow – ebenfalls unter mysteriösen Umständen starben.

Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein
Auch wenn viele Details wohl im Dunkeln bleiben werden, spricht vieles dafür, dass Robert Maxwell ein wahrhaft internationaler Akteur voller Geheimnisse war – ein Mann, dem es gelang, zugleich für den Mossad und den KGB zu arbeiten, zwei der mächtigsten Geheimdienste der Welt, und beide gegeneinander auszuspielen. Es war ein riskantes Spiel – eines, das ihn am Ende das Leben kostete.
Ghislaine Maxwell liefert einen Schlüssel zum Verständnis des Rätsels um Jeffrey Epstein und mögliche Geheimdienstverbindungen: Sie war das Lieblingskind ihres Vaters und später engste Vertraute sowie Unterstützerin von Epstein. In gewisser Weise erscheint Epsteins Netzwerk als Fortsetzung jenes Geflechts, das zuvor Robert Maxwell umgab – mit teils denselben Akteuren. Mehrere Berichte sprechen von direkten finanziellen und persönlichen Verbindungen zwischen Robert Maxwell und Jeffrey Epstein. Offiziell bestätigt sind sie nicht, doch in Geheimdienstkreisen gelten sie als plausibel.
Wie sich das Maxwell-Netzwerk zum Epstein-Netzwerk wandelte und welche zentrale Rolle Ghislaine Maxwell dabei spielte, wird in Teil III und IV dieser Serie beleuchtet.
Lesen Sie auch Teil 1:
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