Genf: USA und Iran starten zweite Verhandlungsrunde über Atom-Deal
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Die USA und der Iran halten an ihrem neuen Gesprächskanal fest: Beide Seiten sind nach iranischen Angaben in eine zweite Verhandlungsrunde gestartet, obwohl das gegenseitige Misstrauen groß bleibt. Der staatliche Rundfunk in Teheran berichtete, die „indirekten Gespräche“ hätten zunächst mit einem Nachrichtenaustausch über den Vermittler Oman begonnen. Donald Trump erklärte zuvor gegenüber Journalisten, er sei indirekt in die Gespräche eingebunden. Man werde sehen, was möglich sei. Zeitgleich kommunizieren beide Seiten militärische Stärke.
Nach iranischer Darstellung treffen sich die Delegationen in der omanischen Botschaft. Teheran wird durch Außenminister Abbas Araghtschi vertreten. Auf US-Seite sollen der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner teilnehmen.
Im Zentrum steht erneut Irans umstrittenes Atomprogramm. Washington will verhindern, dass Teheran in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Die iranische Regierung signalisiert Bereitschaft, das Nuklearprogramm zu begrenzen, verlangt im Gegenzug aber die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen. Weitere Themen wie das Raketenprogramm oder die Unterstützung militanter Gruppen hatte Teheran vorab ausgeschlossen.

Abbas Araghtschi, Außenminister des Iran
Druck auf Teheran
Die Gespräche laufen zudem unter einer militärischen Drohkulisse der Vereinigten Staaten. Im Januar ließ Irans Staatsapparat Massenproteste im eigenen Land brutal niederschlagen. Trump drohte der iranischen Führung daraufhin mit militärischem Eingreifen und verstärkte die US-Militärpräsenz rund um den Iran. Inzwischen sei ein zweiter Flugzeugträger in die Region entsandt worden.
Seit den Protesten Anfang Januar steht Irans Führung innenpolitisch so stark unter Druck wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Am Wochenende demonstrierten nach Angaben der dpa rund eine Million Menschen auf mehreren Kontinenten für Freiheit im Iran. Aufgerufen hatte Reza Pahlavi, der seit Jahrzehnten im Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs. Teile der Protestbewegung betrachten einen möglichen Deal mit der aktuellen Führung kritisch.
Aus Teheran kamen vor Beginn der Runde warnende Töne. „Wir verhandeln unter Bedingungen vollständiger Skepsis und des Misstrauens. Wir haben frühere Erfahrungen, und es ist uns unter keinen Umständen erlaubt, diese Erfahrungen auch nur für einen Moment aus dem Blick zu verlieren“, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai und verwies auf den Krieg im vergangenen Jahr, den Israel kurz vor Beginn einer Verhandlungsrunde zwischen Iran und den USA begonnen habe. „Der Angriff auf Irans Nuklearanlagen ist in keiner Weise auf einer logischen, rechtlichen oder moralischen Grundlage zu rechtfertigen“, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA. Zeit sei entscheidend; er sehe „keinen Nutzen darin, die Verhandlungen zu verlängern“, so Baghai.
Trump bekräftigte derweil, der Iran wolle ein Abkommen schließen. Er glaube nicht, dass das Land die Folgen spüren wolle, falls es nicht zu einem Deal komme.
Kurz vor Gesprächsbeginn kündigte die Marine der iranischen Revolutionsgarden ein Manöver in der Straße von Hormus an. Ziel sei ein Test der Einsatzbereitschaft und der Umgang mit möglichen militärischen Bedrohungen. Die rund 55 Kilometer breite Meerenge zählt zu den wichtigsten Routen für den weltweiten Ölexport; iranische Offiziere hatten in früheren Konflikten mit den USA wiederholt gedroht, sie blockieren zu können.

US-Militär in Iran-Nähe (Stand: Ende Januar)
Iran sieht „gemeinsame Interessen in den Bereichen Öl und Gas“
Parallel deutete Teheran überraschend mögliche wirtschaftliche Berührungspunkte an. Vizeaußenminister Hamid Ghanbari nannte laut der Nachrichtenagentur Fars News Agency mögliche Kooperationsfelder, ein Entwurf berücksichtige „gemeinsame Interessen in den Bereichen Öl und Gas“. Zudem sprach er demnach von Bergbauinvestitionen und dem Kauf von Flugzeugen. Eine Kooperation müsse sich auf wirtschaftliche Bereiche mit möglichst geringer innenpolitischer Sensibilität konzentrieren, hieß es. Seit der Revolution von 1979 gelten die USA in der Islamischen Republik als Erzfeind; die Führung wehrt sich seitdem gegen westlichen Einfluss, besonders in Schlüsselindustrien.
Flankiert werden die Verhandlungen von technischen Kontakten mit den UN-Atomwächtern. Am Montag traf Araghtschi den Chef der International Atomic Energy Agency, Rafael Grossi. Das Verhältnis zwischen Teheran und der IAEA hatte sich nach Israels Krieg gegen den Iran im vergangenen Jahr deutlich verschlechtert; der Iran schränkte den Zugang der Inspektoren ein. Erst im September 2025 habe sich Teheran unter Vermittlung Ägyptens auf die Wiederaufnahme von Kontrollen verständigt.
Der neue Dialog zwischen Teheran und Washington läuft unter Vermittlung des Oman. Bereits im vergangenen Jahr hatte dessen Außenminister Badr al-Busaidi bei Gesprächen vermittelt. Auch die Schweiz gilt aus Sicht der iranischen Regierung als neutraler Kanal.
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