Europas Institutionen räumen die Identität ab
Ein Beitrag von
Während die Gemeinde Sylt gerade den Hindenburgdamm in Syltdamm umbenannt hat, lassen sich auch in anderen europäischen Ländern weiterhin Cancel-Prozesse an Geschichte, Tradition und nationaler Identität beobachten. Jetzt trifft es Winston Churchill, Alan Turing, Jane Austen und andere, die von englischen Banknoten verschwinden sollen.
Wie durch einen Bericht des Telegraph gestern bekannt wurde, plant die Bank of England, historische Persönlichkeiten wie Winston Churchill, Alan Turing, Jane Austen und J. M. W. Turner von den britischen Geldscheinen zu entfernen. An ihre Stelle sollen künftig Tier- und Naturmotive treten. Zur Auswahl stehen unter anderem Rotfuchs, Papageitaucher, Delfin oder Frosch.

Historische Köpfe sollen von den britischen Banknoten verschwinden
Canceln in Zeiten von Überfremdung
Die Entscheidung kommt nicht direkt aus der britischen Regierung, sondern von der formal unabhängigen Bank of England. Die Notenbank gehört zwar dem Staat, arbeitet in vielen Fragen jedoch unabhängig und ist dem Parlament rechenschaftspflichtig.
Obwohl wohl nicht direkt politisch angeordnet, steht dieser Fall stellvertretend für die Tendenz, dass staatliche Institutionen in Bezug auf identitätspolitische Debatten präemptiv handeln und traditionelle nationale Symbole schrittweise zurückdrängen, wie eben auch bei der Umbenennung des Hindenburgdamms.
Für Großbritannien ist dabei der breitere Kontext entscheidend: Das Land ist seit Jahren stark von Massenmigration und wirtschaftlichen Problemen geprägt. Wie in Deutschland wird auch dort intensiv über Migration, nationale Identität und gesellschaftlichen Zusammenhalt gestritten – ohne dass die Sorgen vieler Bürger ernst genommen oder die Ursachen der Krisen wirksam angegangen würden.
Zehntausende demonstrierten daher zuletzt im Mai in London gegen illegale Migration. Derzeit solidarisieren sich Tausende mit dem Briten Henry Nowak, der im Zuge einer Polizeiaktion starb, deren Umstände im Zusammenhang mit falschen Rassismusvorwürfen eines ausländischstämmigen Täters stehen.
Warum wird gecancelt?
Offiziell begründet die Bank of England das Entfernen der Persönlichkeiten von den Geldscheinen mit Sicherheitsaspekten. Neue Motive seien nötig, um Fälschungen zu erschweren. Bank-Gouverneur Andrew Bailey erklärte, die Sicherheit der Banknoten habe höchste Priorität, wobei es natürlich ein Geheimnis bleibt, wie man ein Froschbild fälschungssicherer machen kann als Winston „The British Bulldog“ Churchill.
Recherchen der britischen Zeitung The Telegraph legen vielmehr nahe, dass nicht Sicherheitsaspekte dominieren. Vielmehr spielen eine Studie eines Marktforschungsunternehmens und Fokusgruppen eine Rolle. Bei diesen Studien wurden historische Persönlichkeiten von Teilnehmern teilweise als „elitär“, „spaltend“ und nicht repräsentativ für die kulturelle Vielfalt des heutigen Großbritanniens kritisiert. Die Forscher warnten vor einer „rückwärtsgewandten Vision“ des Landes, die zu viel Kontroversen berge.
Selbst Alan Turing, der mit seiner Arbeit maßgeblich zur Entschlüsselung der deutschen Enigma-Maschine beitrug und damit unzählige Menschen vor der nationalsozialistischen Herrschaft bewahrte, wurde von einem Teilnehmer als „imperialistisch“ bezeichnet. Die Erinnerung an den britischen Sieg im Zweiten Weltkrieg vermittle angeblich ein überhebliches Selbstbild.
Nächster Stopp: Bauwerke
Nicht nur Personen gelten bei dieser Betrachtung als problematisch. Auch traditionelle Wahrzeichen wie die White Cliffs of Dover sollten vermieden werden, weil sie mit der britischen Grenze und der Migrationsdebatte assoziiert werden. Gebäude aus georgianischer und viktorianischer Zeit stuften die Berater wegen möglicher Bezüge zu Kolonialismus und Sklavenhandel als risikobehaftet ein.

Weil Dover auch ein Ankunftspunkt für Migranten ist, sollen die malerischen Klippen nicht mehr als Optik verwendet werden.
Die Berater empfahlen der Bank offenbar ausdrücklich, den Abschied von historischen Persönlichkeiten nicht als Tilgung von Geschichte darzustellen, sondern als „positive Weiterentwicklung“ zu verkaufen.
Die Bank of England weist zurück, dass solche Erwägungen eine Rolle gespielt hätten, und verweist stattdessen auf eine öffentliche Konsultation mit rund 44.000 Teilnehmern. Dabei erhielt das Thema Natur mit etwa 60 Prozent die meisten Stimmen, historische Persönlichkeiten kamen auf 38 Prozent.
Welche Geschichte wird erzählt?
Die Kritik reißt dennoch nicht ab. Der konservative Politiker Robert Jenrick forderte die Bank auf, Zeit und Geld nicht für solche Fragen zu verschwenden. Der ehemalige britische Armeeoffizier Richard Kemp erklärte sinngemäß, ohne Persönlichkeiten wie Churchill oder Turing könnten heute womöglich Hakenkreuze auf britischen Banknoten prangen. Es sei wichtig, die Bevölkerung täglich an die Leistungen solcher Figuren zu erinnern.

Robert Jenrick
Für viele Kritiker geht es längst nicht mehr nur um die Gestaltung von Geldscheinen. Die eigentliche Frage lautet: Welche Geschichte darf eine Nation künftig noch über sich selbst erzählen? Und wer entscheidet eigentlich darüber? Ein Marktforschungsunternehmen oder ein Fokusgruppenteilnehmer, der Beef mit Turing hat?
Großbritannien scheint nun dort angekommen zu sein, wo Deutschland schon lange ist. Hierzulande werden Straßennamen, Denkmäler und historische Bezüge schon seit Jahren gecancelt. Großbritannien scheint nun einen ähnlichen Weg einzuschlagen.
Ausgerechnet Winston Churchill, der Mann, der sein Land durch die dunkelsten Stunden des Zweiten Weltkriegs führte und entscheidend zum Sieg über das nationalsozialistische Deutschland beitrug, könnte schon bald von der britischen Fünf-Pfund-Note verschwinden.
Mehr NIUS:
USA: Libanon und Israel wollen Waffenruhe umsetzen
Deutschland fällt bei Wahl in UN-Sicherheitsrat durch
Neue Eskalation: USA und Iran greifen sich in Golfregion an
„I can't breathe“: Bodycam-Video zeigt die grausamen letzten Minuten von Henry Nowak
Iran setzt Gespräche mit den USA aus: Mullahs planen Komplett-Blockade der Straße von Hormus
Jill Biden spricht über den kognitiven Abbau ihres Ehemanns: „Er war derselbe – die Essenz desselben Joe Biden“
Paris: Ausschreitungen und Vandalismus nach Champions-League-Finale
Deal zwischen USA und Iran rückt näher
Mehr NIUS:
„I can't breathe“: Bodycam-Video zeigt die grausamen letzten Minuten von Henry Nowak
Iran setzt Gespräche mit den USA aus: Mullahs planen Komplett-Blockade der Straße von Hormus
Jill Biden spricht über den kognitiven Abbau ihres Ehemanns: „Er war derselbe – die Essenz desselben Joe Biden“
Paris: Ausschreitungen und Vandalismus nach Champions-League-Finale
Deal zwischen USA und Iran rückt näher
Antisemitismus: „Roma Pride“ schließt jüdische LGBTQ-Gruppen aus
Rahmenabkommen für Waffenruhe: USA und Iran offenbar vor Einigung
Drei Verletzte in Winterthur: Messerangreifer soll Islamist sein
Wolfgang Sender
Artikel teilen
Kommentare