Heftiger Schlagabtausch um Epstein-Files: Kongress treibt Justizministerin Pam Bondi in die Defensive
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Es sind Szenen, wie man sie nicht häufig zu Gesicht bekommt – hitzige, raue Demokratie. Demokratie, wie sie leibt und lebt.
Im amerikanischen Kongress eskaliert am Mittwoch die Debatte um die Epstein-Files. Justizministerin Pam Bondi ist geladen. Sie muss sich schweren Vorwürfen stellen. NIUS dokumentiert das turbulente Geschehen.
Die Anhörung wirkt zeitweise wie ein Tribunal. Nicht wie Routine. Nach der gesetzlich erzwungenen Veröffentlichung der Epstein-Akten steht Bondis Justizministerium massiv in der Kritik. Die Vorwürfe: mangelhafter Opferschutz und fehlende Strafverfolgung.

Auf den Schultern von Justizministerin Pam Bondi lastet die Regierungsverantwortung in Sachen Epstein-Files.
Dann der eindrücklichste Moment des Tages. Eine Abgeordnete lässt Epsteins Opfer im Saal aufstehen. Eine Frau nach der anderen erhebt sich. Sie fragt: Wer hat sich bis heute nicht mit Vertretern des Justizministeriums treffen können? Der Raum erstarrt, alle heben die Hand. Sichtbarer kann die Anklage nicht werden.

Opfer von Jeffrey Epsteins Fall heben die Hände, als die Abgeordnete Pramila Jayapal (Demokratin aus Washington) sie fragt, ob sie sich mit dem Justizministerium treffen konnten.
Abgeordnete spricht von „massiver Vertuschung“
Die Abgeordnete fordert eine öffentliche Entschuldigung. Bondi soll sich umdrehen. Den Opfern ins Gesicht sehen, Verantwortung übernehmen. Bondi weicht aus, verweist auf ihren Vorgänger – und greift an: Die Abgeordnete inszeniere eine „Theater“-Show. Der Vorsitz greift ein. Zwischenrufe hallen durch den Raum. Stimmen überschlagen sich.
Dann der Kernvorwurf:
„Donald Trump hat die Veröffentlichung der Epstein-Akten zum Zentrum seines Wahlkampfs gemacht, weil er glaubte, es würde ihm nützen. Dann kamen Sie ins Amt, behaupteten, es gebe eine Kundenliste – und sagten später, es gebe keine Liste. Ihr Stellvertreter traf sich allein mit Maxwell in einem Gefängnis mit niedriger Sicherheitsstufe – und nun setzen Sie diese Vertuschung fort. Und das ist es. Sie würden sich nicht einmal zu den Überlebenden umdrehen, die direkt hinter Ihnen stehen, und auf menschlicher Ebene anerkennen, was Sie angerichtet haben.“
Die Anhörung kippt. Kein Frage-Antwort-Spiel mehr. Ein offener Kampf um Deutung und Moral.
Während die Redezeit heruntertickt, verschärft sich der Ton. Die Abgeordnete spricht von einer „massiven Vertuschung“. Sie wirft der Regierung Wahlkampf mit den Epstein-Akten vor. Und beschuldigt das Justizministerium, die Epstein-Opfer erneut zu verletzen.
„Das ist das Schlimmste, was man Überlebenden antun kann“
Auch aus den eigenen Reihen kommt Druck. Der Abgeordnete Thomas Massie erhebt schwere Vorwürfe. In den veröffentlichten Dokumenten sei ausgerechnet eine E-Mail freigegeben worden, in der Opferanwälte Namen nennen, die niemals öffentlich erscheinen sollten – und genau diese Namen bleiben stehen. „Das ist das Schlimmste, was man Überlebenden antun kann“, sagt Massie.
Gleichzeitig seien zentrale Akten zu mutmaßlichen „Mitverschwörern im Kindersexhandel“ fast vollständig geschwärzt. Namen von Beschuldigten verschwinden hinter schwarzen Balken. Opfer bleiben also identifizierbar. Für Massie ist das kein Versehen, sondern ein Muster: Schutz für Belastete, Risiko für Opfer.
Bondis Fluchtmanöver in die Wirtschaft
Bondi ringt sichtbar um Fassung. Dann wird sie wird gefragt, warum bis heute keiner von Epsteins mutmaßlichen Klienten angeklagt ist. Statt zu antworten, wechselt sie abrupt das Thema. Börsenkurse. Der Dow Jones über 50.000 Punkte. Rekorde am Nasdaq. Darüber müsse man reden.
Es wirkt wie ein Fluchtmanöver: Wirtschaftszahlen statt Aufklärung, Angriff statt Antwort. Dafür muss sie auf X ordentlich einstecken: „Wenn Pam Bondis Ziel heute darin bestand, als absolutes Monster ohne Seele rüberzukommen, dann hat sie das wirklich hervorragend gemacht“, kommentiert eine X-Userin.
Schließlich verteidigt Bondi ihr Haus mit Zahlen: Mehr als 500 Juristen. Tausende Arbeitsstunden. Über drei Millionen Seiten. 180.000 Bilder. Alles veröffentlicht – unter dem Zwang, zugleich Opfer zu schützen. Namen würden sofort geschwärzt. Jede neue Beschuldigung werde verfolgt. Wer Hinweise habe, solle sich an das FBI wenden.
Auch in streitbaren, schwierigen Momenten zeigt sich: Die amerikanische Demokratie lebt – laut, chaotisch, schonungslos, aber öffentlich, und genau darin liegt ihre Stärke. Wann hat man zuletzt vergleichbare Szenen im deutschen Parlament gesehen?
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