Neue Enthüllungen zur Labortheorie des Coronavirus: Welche Rolle spielte Drosten in der Fauci-Verschwörung?
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Anthony Fauci war während der Corona-Pandemie das Gesicht der amerikanischen Gesundheitsbehörden. Nun sieht er sich erneut schwersten Vorwürfen ausgesetzt. Die scheidende US-Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard veröffentlichte am Mittwoch bislang geheime Dokumente. Sie zeigen, dass Fauci die amerikanischen Geheimdienste persönlich gebrieft und in Richtung einer bestimmten wissenschaftlichen Position zum Coronavirus beeinflusst hat. Diese gezielte Einflussnahme hatte er vor dem Kongress – unter Eid – allerdings bestritten. Tulsi Gabbard wirft ihm deshalb eine „offene Lüge unter Eid“ vor.
Fauci hat jahrelang die als gefährlich geltende Gain-of-Function-Forschung finanziert, bei der Viren im Labor künstlich manipuliert werden, um ihre Eigenschaften zu erweitern, und hatte damit ein sachfremdes Interesse, die Labortheorie zum Ursprung von SARS-CoV-2 zu diskreditieren. Er spielte eine zentrale Rolle in einer koordinierten Aktion, die darauf abzielte, eine ergebnisoffene, sachliche Debatte über den Ursprung des Coronavirus abzuwürgen. Stattdessen sollte nur eine Auffassung herrschen: die Theorie des natürlichen Ursprungs. Fauci ist dabei nur die dickste Spinne im Netz dieser Verschwörung gegen eine wahrhaftig wissenschaftliche Debatte.
Denn es gibt noch eine weitere – und die heißt Christian Drosten.
Hier ist Tulsi Gabbard bahnbrechendes Statement ins Deutsche übersetzt:
Die geheime Konferenz
Die Geschichte, die ihr Statement erzählt, beginnt jedoch früher. Ende Januar 2020 alarmierte der Virologe Kristian Andersen Fauci über ungewöhnliche Eigenschaften des neuen Coronavirus. Einige Merkmale seien mit der Vorstellung eines natürlichen Ursprungs schwer vereinbar, hieß es intern im Virologenkreis. Das ist seit Längerem bekannt, aber wichtig, um die neuen Enthüllungen zu kontextualisieren.
Am 1. Februar 2020 organisierten Fauci, NIH-Chef Francis Collins und Wellcome-Trust-Chef Jeremy Farrar eine vertrauliche Telefonkonferenz. Teilnehmer waren unter anderem Kristian Andersen, Robert Garry, Edward Holmes, Andrew Rambaut, Ron Fouchier, Marion Koopmans – und Christian Drosten. Im Zentrum stand die sogenannte Furin-Spaltstelle des Virus, ein außergewöhnliches Merkmal des Coronavirus.
Der Virologe Robert Garry schrieb anschließend in der E-Mail-Korrespondenz der Konferenzteilnehmer: „Mir fällt wirklich kein plausibles natürliches Szenario ein, bei dem man von einem Fledermausvirus oder einem diesem sehr ähnlichen Virus zu COVID-19 gelangt, wobei genau vier Aminosäuren und zwölf Nukleotide eingefügt werden müssen – und zwar alle genau gleichzeitig, um diese Funktion zu erlangen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie das in der Natur zustande kommen soll“ (Übersetzung d. Red.).
Francis Collins schrieb, insbesondere Ron Fouchier und Christian Drosten hätten mit unnötig hartem Nachdruck („with more forcefulness than necessary“) gegen einen Laborursprung argumentiert.
Der Lancet-Brief
Am 19. Februar 2020 erschien der berühmte Lancet-Brief, zu dessen Unterzeichnern auch Christian Drosten gehört. Darin heißt es: „Wir stehen gemeinsam dafür ein, Verschwörungstheorien, wonach COVID-19 keinen natürlichen Ursprung habe, entschieden zu verurteilen.“ Der Brief endet mit dem Satz: „Wir erklären, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.“

Pseudowissenschaft: Wissenschaftler „verurteilen“ eine Theorie, für die sie selbst Anhaltspunkte gefunden hatten.
Die gab es allerdings sehr wohl. Drosten koordinierte damals bereits den Forschungsverbund RAPID. Aus einem zugehörigen Forschungsdokument geht hervor, dass Drostens Projekte durchaus Berührungspunkte mit der Gain-of-Function-Forschung hatten.

Drostens Forschungsprojekt enthielt den „gain of function“-Ansatz.
Das heißt: Als Anfang 2020 die Labortheorie aufkam, erkannte er sie als mögliche Gefahr für seine virologischen Forschungen, auf denen seine wissenschaftliche Karriere basiert. Damit hatte er ein gewichtiges Interesse, die Labortheorie als Verschwörungstheorie zu diskreditieren.
Die wichtigste Studie
Am 17. März 2020 veröffentlichten Kristian Andersen, Robert Garry, Edward Holmes, Andrew Rambaut und Ian Lipkin im Fachjournal Nature Medicine die Arbeit „The Proximal Origin of SARS-CoV-2“. Der zentrale Satz lautet: „Unsere Analysen zeigen eindeutig, dass SARS-CoV-2 weder ein im Labor hergestelltes Konstrukt noch ein gezielt manipuliertes Virus ist“ (Übersetzung d. Red.).
Die Studie avancierte weltweit zum wichtigsten wissenschaftlichen Argument gegen die Labortheorie, zu einer Publikation mit Beweischarakter. Christian Drosten war zwar kein Mitautor, gehörte aber demselben kleinen Kreis von Virologen an und war eng mit Robert F. Garry verbunden.
Der hatte, wie oben zitiert, ja aber selbst noch geschrieben, dass er sich nicht erklären konnte, wie ein bestimmtes Merkmal des Coronavirus außerhalb eines Labors, in der Natur entstanden sein konnte. Nur kurze Zeit später argumentierte er dann entschieden gegen die Labortheorie.
Fauci und die Geheimdienste
Diese Studie empfahl Fauci dann den Geheimdiensten. In einer E-Mail mit dem Betreff „Fauci’s recommendations“ ist die Studie im Anhang beigefügt. Darin ist davon die Rede, dass Fauci der United States Intelligence Community (IC) die Empfehlung aussprach, sich an die „unten aufgeführten Personen“ zu wenden, „die als Mitautoren an der beigefügten Veröffentlichung mitgewirkt haben“.
Mit anderen Worten: Fauci empfahl den Geheimdiensten ausdrücklich die Autoren der „Proximal Origin“-Studie als Experten. Eine interne Geheimdienst-E-Mail kommentiert sogar kritisch: „Das IC erhielt seine Anweisungen direkt vom NIH.“ Damit brachte er also die Geheimdienste auf Kurs der Theorie eines natürlichen Ursprungs.
Die Lüge vor dem Kongress
Hierauf zielen Tulsi Gabbards Vorwürfe. In ihrer Erklärung sagt sie: „Er hat eine betrügerische Studie, deren Veröffentlichung er mitinitiiert hatte, als seriöse Information zur Prüfung durch die Geheimdienste angepriesen“ (Übersetzung d. Red.). Sie wirft Fauci vor, die Entstehung des Papers angestoßen, es den Geheimdiensten als maßgebliche Expertise empfohlen und seine Rolle später gegenüber dem Kongress verschleiert zu haben.

Fauci 2024 vor dem amerikanischen Kongress
Auf die Frage, ob er Geheimdienstbehörden in Virusfragen gebrieft habe, antwortete er: „Meines Wissens nicht.“ Dem widersprechen die jetzt veröffentlichten E-Mails „direkt“, kritisiert Gabbard.

„Meines Wissens nicht“, so die Antwort, ob er die Geheimdienste zu Corona informiert habe.
Drostens Rolle
Fest steht: Christian Drosten war Teilnehmer der geheimen Telefonkonferenz vom 1. Februar 2020 und gehörte damit demselben internationalen Kreis von Virologen an wie Fauci, Farrar, Andersen, Garry und Fouchier. Er unterzeichnete den Lancet-Brief, der die Labortheorie als Verschwörungstheorie verurteilte, und leitete ein Forschungsprojekt, in dessen Unterlagen wörtlich von einem „gain-of-function approach“ die Rede war.
In diese verwickelt zu sein, ist die Gemeinsamkeit von Fauci und Drosten. Deshalb drängten sie auf eine Verengung der Debatte, auf das Ausmerzen der Labortheorie und die Diffamierung von Wissenschaftskollegen als „Verschwörungstheoretiker“. Mit Wissenschaft hat das freilich nicht das Geringste zu tun, mit Macht und Eigeninteressen sehr viel.
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