Regierung förderte erfolgloses Riefenstahl-Foto-Projekt mit 1,28 Millionen Euro Steuergeld
Ein Beitrag von
Die Bundesregierung förderte zwischen 2021 und 2025 eine „deutsch-sudanesische kollaborative Erschließung“ des Nuba-Werks Leni Riefenstahls mit 1,28 Millionen Euro an Steuergeld. Grund für das Projekt: Riefenstahls Aufnahmen hätten den fotografierten Stämmen „weder materiellen noch ideellen Nutzen“ gebracht. Nach sechs Jahren endet das Projekt mit einer zweiwöchigen Ausstellung von Master-Studenten in Berlin.
Mit dem Projekt „Rassismus – Kolonialismus – Faschismus? Deutsch-Sudanesische kollaborative Erschließung und Präsentation des Nuba-Werks von Leni Riefenstahl“ wollte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz das Nuba-Werk der Fotografin und Filmemacherin Leni Riefenstahl erforschen. In den 1970er Jahren veröffentlichte Riefenstahl mit „Die Nuba“ (1973) und „Die Nuba von Kau“ (1976) zwei Fotobände über zwei in den sudanesischen Nuba-Bergen lebende Stämme. In ihrem von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwalteten Nachlass befinden sich 10.000 solcher Fotografien und Filme.
Übergabe der digitialiserten Fotos als Wiedergutmachung
Die Stiftung begründete das Projekt damit, dass Leni Riefenstahl von den Fotografien „finanziell stark profitiert“ habe. Zudem habe sich die Künstlerin damit nach ihren, für die Nationalsozialisten angefertigten Propaganda-Filmen „Triumph des Willens“ (1934) und „Olympia“ (1938) „ein neues Image erschaffen“ können. Die zwei sudanesischen Stämme hätten dagegen „weder finanziellen noch materiellen Nutzen“ von den Fotos gehabt.
Der „beschriebenen Ausbeutung“, so die Stiftung, wollte sie mit dem Projekt „durch den kollaborativen Ansatz“ und der „Übergabe der digitalisierten Bilder“ an die Nuba-Verbände entgegentreten. Der Pan-Nuba Council, so der Plan, hätte Riefenstahls Nuba-Werk „eigenständig erforschen, über die Art der Aneignung entscheiden und die Aufnahmen in einem Kulturzentrum vor Ort präsentieren“ sollen. Hierdurch habe man gewissermaßen eine Wiedergutmachung für die „Ausbeutung“ leisten wollen, lässt sich daraus schließen.

Leni Riefenstahl ist 1996 mit 93 Jahren bei einer Retrospektive ihres Nabu-Werks im finnischen Kuopio anwesend.
Eigentlich wollte man ein Kulturzentrum im Sudan aufbauen
Ungachtet der fragwüdigen Konstatierung einer „Ausbeutung“ konnte die Stiftung gerade Hauptziele des Projekts auch nach sechsjähriger Laufzeit und fünfjähriger Förderung nicht erreichen. Nun ist beides ausgelaufen. Bewilligt hatte das Projekt Monika Grütters (CDU), die Vor-Vorgängerin von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Der Kulturstaatsminister ist traditionell auch Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Der teilte dem AfD-Abgeordneten Matthias Helferich nun auf Anfrage mit, dass man das Projekt zwischen 2021 und 2025 mit 1,28 Millionen Euro gefördert habe. Die Antwort liegt NIUS exklusiv vor.
Die Stiftung begründet ihr Scheitern mit der Situation im Sudan und den sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit den Nuba-Stämmen vor Ort, die man als „Kollaboration in Krisenzeiten“ beschreibt. Auf einer Projektwebsite resümiert man wie folgt: Nach einem ersten Treffen mit „Vertreter:innen der Nuba“ und der Stiftung im Sudan im März 2020, habe im November 2021 in den Räumlichkeiten des Nuba House in Ombadda, al-Chartum, eine „große Versammlung“ mit „zahlreichen Führungsmitgliedern des Pan-Nuba Council“ stattgefunden. Zwei Tage lang hätten sich die Stiftungs-Gesandten und Nuba „in einer lebhaften Debatte ausgetauscht“.
In den Nuba-Bergen habe man ein „Kulturzentrum“ aufbauen wollen, in dem man den Nuba-Stämmen die „digitalisierte Aufnahmen“ der Riefenstahl-Fotos zugänglich machen wollte. Eine „Wanderausstellung“ sollte „sowohl in die Nuba-Berge als auch in sudanesische Städte mit Nuba-Bevölkerungsgruppen reisen“.

2021 trifft sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit den Nabus im Nuba House in Ombadda, al-Chartum, im Sudan.
Bürgerkrieg im Sudan verhindert Kulturzentrum und Wanderausstellung
Das Problem: kurz vor dem Treffen im Oktober hatte das Sudanesische Militär geputscht und die amtierende Übergangsregierung abgesetzt. Der Beginn des Kriegs zwischen Militär und der Miliz Rapid Support Forces (RSF) im April 2023 brachte das Projekt schließlich „fast zum Erliegen“. Bis zum Herbst 2024 befanden sich wegen des Kriegs über 14 Millionen Sudanesen auf der Flucht.
Zwischen den Mitgliedern des Pan-Nuba Council und deren Exekutive sei „keine Kommunikation möglich“ gewesen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz passte seine Pläne an. Anstelle von „Forschung im Sudan“ habe man die „Zusammenarbeit“ in „ein sicheres Nachbarland“ verlegt. Im Herbst 2023 traf man sich der ugandischen Hauptstadt Kamala.
Seit dem Krieg habe „immer flexibel auf die sich beständig veränderte Situation reagiert werden“ müssen, erklärt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, „um das Projekt und seine Ziele trotz der Umstände in gemeinsamer Anstrengung Schritt für Schritt meistern zu können.“ Genutzt hat das offenbar nichts.

Über der sudanesischen Hauptstadt Khartum steigen im Januar 2025 nach Zusammenstößen zwischen Regierungstruppen und RSF Rauchwolken auf.
Website und zweiwöchige Studenten-Ausstellung in Berlin als Ergebnis
Im Januar 2026 erklärte die Stiftung es in einer „Zwischenbilanz“ stattdessen zu einem Erfolg, dass die „Ergebnisse des ersten Teilprojektes nun auf der mehrsprachigen Webseite“ namens „Reclaming Nuba Images“ verfügbar wären. „Ziel des vom BKM geförderten Projektes“, erklärt man nun, wäre es gewesen, „die Sichtweise der Angehörigen der Nuba-Gesellschaften auf diese Arbeiten in den Fokus zu rücken“.
Auf eine Anfrage von NIUS gibt die Stiftung zu verstehen, dass „im Rahmen des Projektes keine Reise [mehr] nach Afrika geplant ist, da es bereits abgeschlossen ist“. Die „digitalisierten Fotografien Riefenstahls der Nuba“ habe man „bereits“ im Oktober 2024 während eines Symposiums in Berlin „an das Pan-Nuba Council übergeben“. Von einem Kulturzentrum, einer Wanderausstellung oder von gemeinsamer Forschung in Afrika ist nun keine Rede mehr.
Geplant ist nun leglich noch eine zweiwöchige „Pop-Up Ausstellung“ im Berliner Museum für Fotografie im Mai mit dem Titel „Inside Archives“ von „Studtenten des Masterstudiengangs ‚Kunst im Kontext‘“ der Universität der Künste Berlin (UdK). Die Studenten hätten sich „in den letzten Monaten kritisch mit Riefenstahls Nuba-Fotografien und -Filmen auseinandergesetzt“, so die Stiftung.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat den Nuba-Nachlass Leni Riefenstahls digitalisiert.
Laut Präsidentin Marion Ackermann hätten die Studenten die Bilder Riefenstahls „neu gelesen, um ihre Macht zu brechen, ihre Schichten freizulegen und bei der Reflexion neue Formen des Erzählens ausprobiert.“ Sie erklärt, „besonders freue ich mich daher auf die Pop-Up-Ausstellung“. Die Studenten „sollen dem Publikum“ laut Stiftung „auch den schwierigen Themenkomplex der Nuba-Fotografien im Werk Riefenstahls zwischen der damaligen stereotypen Verklärung und der aktuellen Situation näherbringen.“
NIUS fragte bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz an, wie man bewerte, dass der „inhaltlicher Kern“ des Projektes in der „kollaborativen Forschung mit Abgesandten des Pan-Nuba Councils, sudanesischen Forschenden und Künstlerinnen und Künstlern“ bestanden habe, das sechsjährige Projekt nun aber mit einer zweiwöchigen Pop-Up-Ausstellung von deutschen Master-Studenten in Berlin endet. Zudem fragte NIUS, ob man das Projekt als Erfolg werte.
Nun wäre es doch niemals ein Ziel des Projekts gewesen, ein Kulturzentrum aufzubauen
Die Stiftung wiederspricht in ihrer Antwort nun den eigenen Darstellungen ihrer Online-Auftritte und Mitteilungen, aber auch den Auskünften des Kulturstaatsministers. Zum einen erklärt sie, das Projekt wäre eigentlich schon mit der Übergabe der digitalisierten Fotos im Oktober 2024 abgeschlossen gewesen und dass deshalb auch die „wesentlichen Projektziele“ hätten erreicht werden können. Förderung für das Projekt erhielt man laut Weimer aber bis Ende Juni 2025.
Bei der „mehrsprachigen Website“ explizit über Riefenstahls Nuba-Werk, erklärt man nun, handle es sich eigentlich um einen „Zwischenstand“ bei der Erschließung des „gesamten Riefenstahl-Nachlasses“. Die Errichtung eines Kulturzentrums sei – anders als auf der Website kommuniziert – überhaupt „nicht des Teil des Projekts“, sondern „unabhängig davon mit lokalen Mitteln“ geplant gewesen. Auch bei der zweiwöchigen Pop-Up-Ausstellung widerspricht sich die Stiftung nun selbst und erklärt, hieran wären auch sudanesische Künstler beteiligt.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz stellt im Januar 2026 die Website „Reclaiming Nuba Images“ in Berlin vor.
Stiftung kann angebliche „Ausbeutung“ nicht begründen
Brisant sind aber nicht nur der ausgebliene Erfolg, die Verfehlung der Projektziele und die widersprüchlichen Darstellungen der Stiftung, sondern auch ihre Begründung des langjährigen „Forschungsprojekts“. Denn die Stiftung erklärt einerseits, Riefenstahl habe sich durch die Fotobände ein „neues Image erschaffen“ können. Gleichzeitig erklärt sie, die Filmemacherin wäre mit Triumph des Willens und Olympia „bis heute global im visuellen Gedächtnis verankert“. NIUS fragte bei ihr an, wie beides gleichzeitig möglich sein könne, ein „neues Image“ und die „Verankerung“ des alten.
Die Stiftung erklärte hierauf, dass die beiden Aussagen „aus unserer Sicht keinen Widerspruch“ bilden würden. Sie verweist darauf, dass Riefenstahl selbst „ihre Arbeit als Fotografin in Afrika als entscheidende neue Etappe ihrer Karriere“ betrachtet habe. Sie selbst muss aber eingestehen: vor allem die Filme „Triumph des Willens“ und „Olympia“, die Riefenstahl den 1930er Jahren für die Nationalsozialisten anfertigte, wären „weltweit bekannt und vielfach rezipiert“. Inwiefern die Nuba von Riefenstahl schon dadurch materiell ausgebeutet worden wären, indem Riefenstahl sie nicht an den Einnahmen ihres Fotoprojekts beteiligte, versucht die Stiftung erst gar nicht näher zu begründen.
Mehr NIUS:
Plötzlich sollen diese Yogaklamotten rechts sein
Neue Studie: Deutschland verliert seine Besten
Polizei Brandenburg warnt Eltern vor „rechtsextremen Online-Strategien“
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Mehr NIUS:
Trans-„Tochter” von Elon Musk in Dessous: „Trans-Körper werden angefeindet und dämonisiert”
Neue Oxford-Untersuchung zeigt: Über 90 Prozent aller Studien in den Sozialwissenschaften sind links
In Sachsen-Anhalt fordern selbst Linke Abschiebungen
Antisemit der Woche: UN-Generalsekretär António Guterres übt sich in Täter-Opfer-Umkehr und beschuldigt Israel sexueller Gewalt
„Omas gegen Rechts“ bringen neuen KI-Chatbot heraus
Gescheiterte Timmy-Rettung sorgt weltweit für Spott: „Deutschland hat den Verstand verloren“
#Männerhass: Wie ständig neue Internettrends Beziehungen schlechtreden
Nach „Lackaffe“-Strafbefehl: Drei weitere Merz-Beleidigungen werden von Staatsanwaltschaft Heilbronn verfolgt
Jens Winter
Artikel teilen
Kommentare