Immer mehr Konsumenten: Crack-Alarm in Berlin
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RedaktionEine der gefährlichsten Drogen hat sich auch in Deutschland rasant verbreitet: Crack. Sie gilt als die Droge mit dem höchsten psychischen Abhängigkeitspotential. Allein in Berlin greifen immer mehr Menschen zu dieser Droge. 2024 wurden in der Hauptstadt mehr als 23.000 Crack-Konsumvorgänge registriert, 9000 mehr als im Jahr zuvor, berichtet die Berliner Zeitung. Experten sagen: Die Frage ist längst nicht mehr, ob die Stadt handeln muss, sondern wie. Der Schwerpunkt der Crack-Abhängigen ist der Berliner Stadtteil Neukölln.
Drogenkonsumräume gelten als eine Möglichkeit, das Drogenelend zumindest zeitweise von der Straße in geschützte Räume zu verlagern. Gerade bei Crack gewinnen sie an Bedeutung, weil Konsumenten häufig in kurzen Abständen konsumieren. Acht solcher Einrichtungen gibt es inzwischen berlinweit, drei davon mobil.
„Crack ist ein Gamechanger“
Der Kölner Drogenexperte Dr. Harald Rau sagt: „Crack ist ein Gamechanger, und auf einen Gamechanger braucht es neue Antworten.“ Anders als bei Heroin verlaufe die Verelendung schneller, der Konsum sei hochfrequenter, etablierte Hilfssysteme greifen schlechter.
Der Berliner Gesundheitsstadtrat Hannes Rehfeldt (CDU) macht deutlich, dass Konsumräume allein das Problem nicht lösen werden. Sie könnten aber Druck aus dem Kiez nehmen, Menschen an Hilfen anbinden und verhindern, dass ein Teil des Konsums im öffentlichen Raum stattfindet. „Jeder Konsumvorgang, der im Konsumraum stattfindet, findet nicht auf der Straße, nicht auf Spielplätzen und nicht in Hauseingängen statt“, sagt er.

Der Kölner Drogenexperte Dr. Harald Rau
Anwohner schützen sich mit Schreckschusswaffen
Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt sich im Berliner Schillerkiez. Der Anita-Berber-Park, ursprünglich als Ausgleichsfläche für den Ausbau der Stadtautobahn 100 gedacht , ist zum Treffpunkt der Drogenszene geworden. Heroin wird injiziert, Crack vor Ort zubereitet, Obdachlose errichten provisorische Lager.

Eine Frau zündet sich mit Hilfe eines Gasbrenners einen „Crackstein“ in einer Pfeife an.
Anwohner berichten von Belästigungen, Lärm und einem wachsenden Unsicherheitsgefühl. Teilweise greifen Anwohner nach eigenen Angaben – so die Berliner Zeitung – sogar zu Selbstjustiz, etwa mit Schreckschusswaffen.
Auch die Polizei registriert eine Verschärfung der Lage. Die Zahl der Körperverletzungen im Park hat sich 2025 auf elf Fälle mehr als verdoppelt, auch Drogendelikte nahmen deutlich zu.
Vor allem der Crack-Konsum verschärft die Situation, weil die Droge schnell, häufig und unter großem Druck konsumiert wird.
Auch bei NIUS: Drogenjunkies, dreiste Bettler und Verfall: Ein Erlebnisbericht aus der Berliner U-Bahn-Hölle
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