„La ilaha illallah“, es gibt keinen Gott außer Allah: Tausende Muslime versammeln sich in Kassel zum öffentlichen Fastenbrechen
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RedaktionEs war ein Bild, das die Stadt noch lange beschäftigen dürfte: Tausende Muslime versammelten sich am Mittwoch auf dem Friedrichsplatz in Kassel, sitzend, stehend, essend, betend. Am Mittwochabend, zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan, hatte der 23-jährige Influencer Sidney Burnie zu einem gemeinsamen Iftar gerufen, einem Fastenbrechen. Die Resonanz übertraf alle Erwartungen. Bis zu 3000 Menschen kamen, so Schätzungen der Polizei. „Dieser Mittwoch könnte in die Geschichtsbücher der Stadt Kassel eingehen“, zeigte sich Brigitte Warnke-Kilian vom Dialog-Bildungsinstitut zufrieden, als das Fastenbrechen begann.
Videos auf sozialen Medien zeigen verhüllte Frauen und Männer in Gebetskleidung. Freiwillige verteilen Datteln, während ein Imam das muslimische Glaubensbekenntnis, die Schahada, rezitiert. „Aschhadu an la ilaha illa-lah wa aschhadu anna muhammadan rasulu-lah“, hallt es über den Friedrichsplatz. Sie bedeutet: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Gesandter ist“.
Der Influencer Burnie, der selbst nicht religiös ist, hatte die Aktion über Instagram angekündigt, wo er das Fastenbrechen mit der Zusammenkunft auf Weihnachtsmärkten oder dem hindustischen Holi-Festival vergleicht. Binnen weniger Tage sammelte der Influencer 18.000 Euro über eine Gofundme-Kampagne für das Fastenbrechen. Das Essen, bestehend aus halal-geschlachteten Fleischgerichten und einer veganen Variante, spendete das Lokal Ahmad Grill Kebab am Stern. Überschüssiges Geld soll an die Tafel gehen, berichtet die HAZ. Ursprünglich hatte der Kasseler Content Creator eine lange Tafel auf der Königsstraße geplant, doch der logistische Aufwand war zu groß: Straßenbahnen hätten umgeleitet werden müssen. So wich man auf den Friedrichsplatz aus.
Die Veranstaltung war für den Influencer mehr als nur ein Essen. Sie sei ein bewusstes Zeichen gegen Spaltung in einer Zeit, in der Zusammenhalt selten geworden ist. Hakim Mohabbat vom Afghanischen Kultur- und Dialogverein betonte zu Beginn: „Es stärkt den Zusammenhalt der Stadt. Genau das brauchen wir heute mehr denn je.“ Der katholische Pfarrer Harald Fischer bedankte sich bei dem jungen Organisator: „Was gibt es Schöneres als ein solches Zeichen der Gemeinschaft?“ Auch Grünen-Politikerin und Bürgermeisterin Nicole Maisch zeigte sich bewegt: „Ich bin heute so stolz, Bürgermeisterin dieser Stadt zu sein.“
Etwa 100 Helfer hatten nicht nur am Mittwoch, sondern schon in der Nacht zuvor gekocht. Bei der Essensausgabe vor dem Roten Palais entstand mehrmals Gedränge, die Polizei musste die Ausgabe vorübergehend stoppen. Schließlich verteilten die Helfer das Essen direkt auf dem Platz. Es blieb friedlich, keine Zwischenfälle.
Auch Funk berichtete im Vorfeld der religiösen Zeremonie über das Format, wie sich zeigt: sehr wohlwollend. „Die Stadt hat die spontane Aktion genehmigt und laut Veranstalter ist dort für Toiletten, Sicherheitsdienst, Lichter und alles andere gesorgt“, so der Jugendsender von ARD und ZDF. „Sidney Burnie ist selbst nicht religiös, möchte aber mit seinem ‚Bond projct' Menschen in Kassel verbinden. 1,9 Tausend Menschen haben in seinem WhatsApp-Channel schon für das Fastenbrechen zugesagt.“
Wie lokale Medien berichten und Influencer auf Instagram zeigen, reisten Muslime aus zahlreichen Städten an, darunter aus Nordrhein-Westfalen. Überall auf dem Platz saßen und standen Menschen zusammen. Eine Muslima fasste die Stimmung in wenige Worte: „Ich kann nicht in Worte fassen, wie toll das ist.“ Burnie selbst wirkte überwältigt. „Es ist so schön, dass ihr alle da seid“, rief er in die Menge. Am Ende zog er Bilanz: „Die Resonanz war super. Es ist unglaublich.“ Und er machte bereits deutlich, wohin die Reise gehen soll: „Die Königsstraße ist das Ziel.“
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