Im Norden die AfD, im Süden die Grünen: Wie das Ergebnis der Landtagswahl in Baden-Württemberg die Stadt Mannheim teilt
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Eric SteinbergWährend der Rest der Republik bei der vergangenen Landtagswahl in Baden-Württemberg den Zweikampf zwischen Cem Özdemir und Manuel Hagel verfolgte, ereignete sich in Mannheim ein ganz anderer Zweikampf. Im Ringen um die Prozente konnte die AfD im Mannheimer Norden ihr einziges Direktmandat im Bundesland ergattern, die Grünen hingegen gewannen im Süden. NIUS war vor Ort, um mit den Bürgern darüber zu sprechen, wie das unterschiedliche Ergebnis zustande kommt und was die Bewohner der jeweiligen Wahlkreise voneinander unterscheidet.
22,3 Prozent: So lautete am vorletzten Sonntag das Resultat, als die Wahlergebnisse für den Wahlkreis Mannheim I eintrudelten. Überraschend hatte sich der AfD-Kandidat Dr. Bernhard Pepperl im nördlichen Teil der Stadt gegen seinen direkten Verfolger von der CDU durchgesetzt und damit das Direktmandat für seine Partei erobert – das einzige seiner Partei in ganz Baden-Württemberg. Bei der Landtagswahl 2021 konnte sich damals noch eine Grünen-Kandidatin durchsetzen.
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Dieses Mal mussten die Grünen ihren Erfolg jedoch andernorts feiern: Im Wahlkreis Mannheim II ergab sich nämlich ein ganz anderes Ergebnis. Dort landete die Grüne Elke Zimmer mit 32,4 Prozent auf dem ersten Platz bei den Erststimmen. Ihr AfD-Konkurrent Rüdiger Ernst konnte im Süden der Stadt gerade einmal 13 Prozent der Wähler auf sich vereinen.
Eine Erklärung für den Erfolg seines Parteikollegen: Pepperl ist im Norden, vor allem im Stadtteil Sandhofen, seit Jahrzehnten bekannt. Dort führte er bis zu seinem Ruhestand eine Zahnarztpraxis und war dort laut eigenen Angaben deutlich häufiger an Wahlkampfständen zu finden als seine Konkurrenten. Beim Spaziergang durch den Arbeiterstadtteil Waldhof spricht er mit NIUS über die möglichen Beweggründe der Mannheimer, ihm ihre Stimme zu geben.

NIUS-Reporter Eric Steinberg Im Interview mit Dr. Pepperl im Stadtteil Waldhof.
Arbeitslosigkeit im Norden deutlich höher
Die Unterschiede spiegeln sich nicht nur in den Wahlergebnissen und den Beschreibungen der Bürger wider, sondern auch in Statistiken. Die Arbeitslosigkeit im Norden liegt bei etwa fünf bis sieben Prozent, im Süden sind es durchschnittlich zwischen zweieinhalb und fünf Prozent. Auch die Kaufkraft ist im Norden niedriger als im Süden. Während man in Mannheim I durchschnittlich 24.900 Euro zur Verfügung hat, sind es in Mannheim II 27.800 Euro.
Jeder Zweite in der Stadt hat einen Migrationshintergrund. Wie sich die Migranten verteilen, unterscheidet sich jedoch von Wahlkreis zu Wahlkreis. Im Norden ist der Migrationsanteil homogen hoch, im Süden gilt das eher für bestimmte Stadtteile wie Innenstadt/Jungbusch oder Rheinau.
Letztlich zeigten sich die Unterschiede auch in der Wahlbeteiligung. Während 64 Prozent der Bürger im Süden den Gang zur Urne antraten, waren es im Norden nur 54,3 Prozent. Ebenso ein Indikator für höhere Unzufriedenheit.

Der Neckar trennt nicht nur die Wahlkreise, sondern auch die politischen Lager.
Ob sich die beiden Lager zukünftig wieder politisch annähern werden? Dass die AfD bei Landtagswahlen in Zukunft auch in Westdeutschland immer mehr Mandate holt und damit weitere Städte in die Spaltung treiben könnte, scheint aktuell jedenfalls wahrscheinlicher.
Auch bei NIUS: Wie Rheinland-Pfalz die AfD systematisch bekämpft und ausschließt: Rächt sich jetzt die Demokratie-Schande von Ludwigshafen?
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Eric Steinberg
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