Explodierende Spritpreise – teure Flüge und Hotels: „Letztendlich versucht man gerade überall zu sparen“
Der Sommerurlaub war einmal die Zeit, in der man sich fragte: „Meer oder Berge?“ Heute lautet die realistischere Frage: „Flug, Auto oder doch Balkonien?“. Denn: Die Spritpreise schießen in die Höhe, der Flugtreibstoff Kerosin wird knapp und damit teurer und auch die Hotelkosten explodieren. NIUS hat sich in Berlin umgehört: Können sich die Menschen einen Urlaub noch leisten?
Wer 2026 verreisen will, braucht nicht nur Sonnencreme, sondern vor allem eines: ein geschmeidiges Budget. Und neuerdings auch Nerven wie Drahtseile.
Die neue Urlaubsrechnung: teurer, unsicherer, absurder
Beispiel: eine ganz normale vierköpfige Familie. 2024 konnte sie für rund 3.500 Euro zwei entspannte Wochen in Spanien verbringen. Zwei Jahre später kratzt dieselbe Reise locker an der 5.000-Euro-Marke. Dazu kommt seit diesem Jahr noch die akute Unsicherheit, ob Flüge überhaupt wie geplant stattfinden. Noch nie waren Sommerferien so sehr ein Glücksspiel wie jetzt.
NIUS hat Menschen am Berliner Hauptbahnhof gefragt, ob sie die Teuerungen bei der Urlaubsplanung spüren – und ob sie sich eine Reise überhaupt noch leisten können.
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Flugpreise: Wenn Fliegen zum Statussymbol wird
Ein zentraler Faktor ist die geopolitische Lage. Konflikte im Nahen Osten, insbesondere der Iran-Konflikt, haben direkte Auswirkungen auf die Energiepreise. Öl wird teurer, Transportwege werden unsicherer, und Versicherungen für Flugrouten steigen.
Das zeigt sich deutlich bei den Flugpreisen. Ein Flug nach Mallorca, früher gerne mal für 150 bis 250 Euro zu haben, bewegt sich inzwischen eher im Bereich von 300 bis 500 Euro pro Person. In den Ferien darf es dann auch noch ein bisschen mehr sein. Der Hauptgrund: Kerosin macht bis zu 40 Prozent der Airline-Kosten aus. Steigt dieser Preis, steigen die Ticketpreise gleich mit. Für Familien bedeutet das ganz konkret: Aus ehemals 800 Euro Flugkosten werden schnell 1.800 Euro oder mehr.

„Jetzt kann ich mir den Rügen-Urlaub noch leisten. In ein, zwei Jahren vielleicht nicht mehr“, sagt dieser Mann gegenüber NIUS.
Kerosinknappheit verschärft die Lage
Doch inzwischen geht es nicht mehr nur ums Geld. Die Frage ist längst nicht mehr „Wie teuer wird der Flug?“, sondern „Gibt es überhaupt noch Kerosin?“. Die Lieferketten ächzen, Raffinerien produzieren am Limit und Airlines reagieren mit Flugstreichungen, Routenänderungen und Umbuchungen. Teilweise werden Abflugzeiten verschoben oder Zielflughäfen geändert.
Statt wie geplant 2028 hat die Lufthansa mal eben ihre Zubringer-Fluggesellschaft CityLine eingestellt – in kerosinteuren Zeiten wie diesen bleiben die 27 Flieger künftig am Boden. Der Kranichvogel wird zum Pleitegeier. Wird das Flugbenzin in den nächsten Wochen noch knapper und teurer, sollen noch mehr Maschinen am Boden bleiben. Andere Airlines dürften folgen.

Dieser Mann hat einen neuen Flug aus Asien nach Deutschland für seine Tochter gebucht. Er sei „viermal teurer“ gewesen als normal.
Das geopolitische Damoklesschwert
Mit dem schwelenden Konflikt zwischen dem Iran, Israel und den USA hat sich auch die Vorstellung in den Köpfen festgesetzt, mitten im Urlaub von einer Eskalation überrascht werden zu können. Ob der Luftraum über dem östlichen Mittelmeer nächste Woche noch beflogen wird – unklar. Manche Airlines meiden bereits bestimmte Routen, Versicherungen prüfen ihre Policen, und Reiseveranstalter passen ihre Vertragsbedingungen an: „Im Falle höherer Gewalt ...“ – ein Satz, den früher niemand las und der heute plötzlich bedrohlich relevant klingt.

Dieser Student wird nicht in den Urlaub fahren. „Stattdessen spar ich mein Geld an, damit ich mir mein Studium finanzieren kann“, sagt er.
Politisch gewollte Preistreiber
Doch auch politisch gewollte Maßnahmen treiben die Preise. In Deutschland sorgt unter anderem die steigende CO2-Bepreisung dafür, dass fossile Energieträger kontinuierlich teurer werden. Das betrifft nicht nur Autofahrer, sondern indirekt die gesamte Reisebranche – vom Flug bis zum Hotelbetrieb.
Gleichzeitig klagen viele Unternehmen über ständig steigende Regulierungen und eine überbordende Bürokratie im Land. Ob Dokumentationspflichten, neue Umweltauflagen oder komplexe Vorschriften: All das kostet Zeit und Geld – und landet am Ende auf der Rechnung der Kunden.
Autofahren: Teurer Trost auf vier Rädern
Wer jetzt denkt: „Dann fahren wir eben mit dem Auto“, wird schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt – und zwar an der Zapfsäule. Bei Spritpreisen von etwa 2,20 bis 2,40 Euro pro Liter entwickelt sich selbst eine Sprit(z)tour zu einem Luxusprojekt.
Ein klassischer Trip von Deutschland an den Gardasee, der noch vor ein paar Jahren rund 300 Euro kostete, schlägt dieses Jahr mit rund 450 bis 520 Euro allein für die Anreise zu Buche.
Unterkunft: Wo Sparfüchse zu Luxuslöwen werden
Am Urlaubsort angekommen, wartet die nächste Überraschung: die Unterkunft. Ob Mallorca, Italien oder Ostsee – die Preise haben vielerorts einen Sprung hingelegt, der das Portemonnaie frustriert wieder zuklappen lässt. Ein Hotelzimmer, das früher 120 € kostete, liegt heute schnell bei 200 € oder mehr pro Nacht. Ferienwohnungen oder Airbnb, lange Zeit der Geheimtipp für Sparfüchse, haben sich ebenfalls neu orientiert – preislich eher Richtung Luxussegment.
Gründe dafür gibt es viele: gestiegene Energiepreise, höhere Löhne, aber auch strengere Vorschriften und Abgaben. Zwei Wochen Unterkunft kosten damit nicht mehr 1.200 Euro, sondern eher 2.000 bis 3.000 Euro pro Person.
Der kulinarische Endgegner
Doch der eigentliche Endgegner versteckt sich oft im Alltag. Essen gehen zum Beispiel. Eine Pizza mit Getränk in Italien für 10 Euro? Schön wär’s. Realistisch sind heute eher 15 bis 20 Euro. Für eine vierköpfige Familie summiert sich ein Restaurantbesuch schnell auf 80 bis 120 Euro. Auch hier wirken sich gestiegene Energiepreise, höhere Einkaufskosten und nicht zuletzt Personalkosten aus.

„Letztendlich versucht man gerade überall zu sparen“, erzählt diese Frau.
Selbst der Supermarkt ist kein sicherer Hafen mehr. Der Wocheneinkauf im Ferienhaus kostet spürbar mehr als noch vor ein paar Jahren. Die berühmte „günstige Selbstverpflegung“ ist damit eher ein nostalgisches Konzept.
Die Bilanz: Teuer, unsicher – und trotzdem buchen?
Der Preisanstieg ist also kein kleines Ärgernis, sondern eine Entwicklung mit vielen Ursachen: globale Krisen, politische Entscheidungen, steigende Abgaben – und ein System, in dem Preise derzeit vor allem nur eines kennen: den Weg nach oben.
Und dazu kommt jetzt die Ungewissheit, ob das mühsam zusammengesparte Geld am Ende überhaupt in Urlaub umgewandelt werden kann oder in einer Gutschrift für „eine spätere Reise“ versickert. Ob der gebuchte Flug stattfindet. Ob die Route noch sicher ist. Ob der Mietwagen Sprit hat. Ob das Hotel nicht kurzfristig schließt, weil die Energiekosten explodiert sind und die Personalkosten zu hoch sind.
Plan B: Willkommen in Balkonien
Und Deutschland? Früher als solide, günstige Alternative geschätzt, hat sich auch hier die Lage angepasst. Zwei Wochen Ostsee kosten schnell 2.000 bis 2.800 Euro – und liegen damit nicht mehr weit entfernt von Italien oder Spanien.
Was bleibt also vom Sommerurlaub 2026? Er wird nicht verschwinden, aber er hat sich verändert. Spontane Reisen können richtig teuer werden, günstig war gestern. Viele Menschen reagieren darauf pragmatisch: Sie reisen kürzer, vergleichen mehr oder buchen früher. Andere entdecken plötzlich Orte, die sie vorher nie auf dem Schirm hatten – nicht aus Abenteuerlust, sondern aus Budgetgründen. Provinz statt Provence, Leipzig statt Lissabon.

Die günstige Alternative: Urlaub auf dem eigenen Balkon.
Und für wieder andere bleibt am Ende nur eine Option: Balkonien. Das unterschätzte Reiseziel direkt vor der eigenen Tür. Keine Flugstreichungen, keine Kerosinknappheit, keine Kriegsangst – nur der Nachbar mit dem Rasenmäher und die Erkenntnis, dass der eigene Balkon bei Sonnenuntergang eigentlich ganz passabel aussieht. Wenn man die Augen zukneift. Und den Straßenlärm ausblendet.
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