Antisemit der Woche: Comedian Bassem Youssef leugnet Hamas-Gräueltaten am 7. Oktober
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In Zeiten grassierender Judenfeindlichkeit, die längst auch in Teilen der Politik angekommen ist, wollen wir die schlimmsten Ausfälle sichtbar machen. Dafür verleiht NIUS jeden Freitag die „Goldene Wassermelone“ – einen Negativ-Preis für besonders auffällige Antisemiten. Die Wassermelone steht wegen ihrer Farben für die Palästina-Solidarisierung und damit auch für den Hass auf den jüdischen Staat. Diese Woche heißt unser Preisträger Bassem Youssef.
Wen der Deutschlandfunk „eine Ikone des arabischen Frühlings“ genannt hat, der ist mit Vorsicht zu genießen. In diesem Fall handelt es sich um den aus Ägypten stammenden Bassem Youssef, einen ehemaligen Herzchirurgen, der ins Comedy-Fach wechselte, als „Jon Stewart der arabischen Welt“ bekannt wurde und schließlich wegen einer Satire über die Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi ins Exil fliehen musste.
Youssef besitzt inzwischen die US-Staatsbürgerschaft. Er ist eloquent und wirkt erst einmal nicht unsympathisch – bis er sich über den jüdischen Staat äußert. Dann wird es wirklich sehr unangenehm. Es wäre nicht so tragisch, würde der (im Übrigen ziemlich unlustige) Komiker nicht auf seinen verschiedenen Social-Media-Plattformen von Instagram über X und TikTok bis zu Facebook über 19 Millionen Follower beeinflussen.
Judenhasser und stolz darauf
Insbesondere seit dem 7. Oktober 2023 dreht Youssef („Freiheit für Palästina – und zum Teufel mit Israel“) vollkommen frei. In grotesker Interpretation der „Hannibal-Direktive“ – einer israelischen Militärdoktrin zur Verhinderung von Geiselnahmen – behauptet er, Israel habe an jenem Tag seine eigenen Bürger getötet. Er leugnet auch die massenhaften Vergewaltigungen und die Tötung und Verbrennung von Babys: „Die einzige Möglichkeit, darin ein in einem Ofen gebackenes Baby zu sehen, ist, wenn man auf LSD ist. Entweder lügst du, oder du hast sehr, sehr schlechte Drogen genommen.“
Man fühlt sich an Sundeep Bhardwaj erinnert, Indiens übelsten Antisemiten, der auch in Deutschland auftrat. Wie dieser in Luxemburg lebende Israelhasser ist auch Bassem Youssef der Ansicht, die Juden spielten ständig die „abgelaufene“ Opferkarte, obwohl sie selbst die schlimmsten Täter seien. In der taz sagte er: „Es ist traurig (...), dass eine so schwerwiegende Anschuldigung wie Antisemitismus von der israelischen Regierung dazu benutzt wird, um sie als Waffe gegen Menschen einzusetzen.“ In Amerika würde er oft als Antisemit beschimpft und in Ägypten als heimlicher Jude und Mossad-Agent, warum auch immer das jemand tun sollte. Weil man seine antijüdischen Tiraden als perfekte Tarnung betrachtet?
Dabei könne er gar kein Antisemit sein, weil er selbst Semit sei – eine oft gehörte Behauptung, die allerdings barer Unfug ist, weil es nur eine semitische Sprachfamilie gibt und Antisemitismus Judenhass meint. Außerdem gebe es viele Juden und Anti-Zionisten, die ihn unterstützen. Das stimmt, spricht aber nicht für diese. Dass er teils als „Antisemit des Jahres“ oder in Top-Listen antisemitischer Influencer geführt wird, gefällt ihm: „Ich fühle mich geehrt, Finalist auf der Liste der größten Antisemiten zu sein. Das darf ich nicht verlieren, Leute.“ Judenhasser und stolz darauf – das ist in diesen Zeiten möglich und bewegt keinen Veranstalter dazu, mit ihm zu kooperieren.

Bassem Youssef pfeift auf die Bezeichnung „Antisemit“.
Alle klassischen antisemitischen Stereotype im Repertoire
Eben trat Youssef im Berliner Tempodrom auf – wie in weiteren 16 europäischen Städten, darunter Hamburg, München, Malmö und Stockholm, Manchester, London, Oslo, Wien, Kopenhagen, Zürich, Brüssel, Paris, Dublin und Amsterdam. Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, erklärte gegenüber der Jüdischen Allgemeinen, ein Hassprediger wie Youssef („ein Hofnarr der Hamas“) sollte in Deutschland keine Bühne bekommen, allein, es nützte nichts.
Youssef hat alle klassischen antisemitischen Stereotype im Repertoire: Israelische Juden würden den „göttlichen“ Status des „auserwählten Volkes“ nur nutzen, um anderen Menschen Land wegzunehmen und sie zu töten. Sie kontrollierten die Medien („werden größtenteils von Juden geleitet“), Konzerne und Institutionen.
Bei Piers Morgan nannte er die Warnungen der IDF an palästinensische Zivilisten zur Vermeidung von Kollateralschäden „niedlich“. In einem anderen Interview sagte er: „McDonald’s gibt Israelis kostenlose Mahlzeiten. Denn nichts lässt einen nach dem Töten einer Menge palästinensischer Kinder besser fühlen als ein Happy Meal.“ Das Kindermörder-Ressentiment durfte also auch nicht fehlen.

Youssef: Juden töten Kinder und feiern mit „Happy Meal“.
Hamas? War da was?
Aschkenasim (europäische Juden), so Youssef, seien keine „echten“ Semiten und hätten jemenitische („semitische“) Kinder gestohlen, um ihren Genpool zu „semitisieren“ – eine gängige antisemitische Delegitimierung Israels als „europäisches Kolonialprojekt“.
Anders als der erwähnte Comedy-Kollege Sundeep Bhardwaj, der offen die Hamas glorifiziert, spricht der ägyptisch-amerikanische Komiker lieber gar nicht von ihr. Wenn er nicht darum herumkommt, sagt er lapidar, er sei „kein Fan“. Im französischen Sender France 24 English weigerte er sich, die islamistische Terrororganisation für den Gaza-Krieg verantwortlich zu machen. Stattdessen entschuldigte er die Existenz der judenfeindlichen Miliz als Folge erlittenen Unrechts.
Der ehemalige Arzt und heutige Comedian Youssef wirft Israel vor, sich in der nahöstlichen Region „wie ein Tyrann“ zu verhalten, was ausnahmsweise einmal lustig ist, wenn man sich islamistische Regime und Terrorgruppen dort anschaut. Er findet auch, dass es „vielleicht an der Zeit ist, dass sich die Menschen gegen diesen gemeinsamen Feind zusammenschließen“. Die Juden sind also für ihn unser Unglück. Schon vor 90 Jahren hätte man sich in Berlin, wo heute kein Platz für Antisemitismus sein soll, über solche Aussagen gefreut.
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Claudio Casula
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