Christen bleiben nicht mehr still: Die „hippen Missionare“ sagen ARD und ZDF den Kampf an
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Emanuela SutterDer öffentlich-rechtliche Rundfunk produziert seit Jahren in regelmäßigen Abständen Dokumentationen über angeblich „gefährliche“, „rechtsradikale“, „sekten-hafte“ Christen, Katholiken und sogenannte „Christfluencer“. Die Narrative, die dort gesponnen werden, sind jedes Mal dieselben. Doch mittlerweile haben die dort vorkommenden Christen keine Angst mehr, wenn wieder einmal eine solche „Recherche“ erscheint.
Im Gegenteil: Sie nutzen ihre starken medialen Reichweiten, um sich über ARD und ZDF lustig zu machen und über die wahren Sachverhalte aufzuklären.
Wieder einmal wurde im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine recht oberflächliche Dokumentation über einflussreiche katholische und christliche Bewegungen ausgestrahlt. „Botschaften, die verfangen. Massenhaft. Willkommen in der Welt charismatischer Erneuerungsbewegungen“, sagt eine Stimme im Off. Kurz danach hört man bedrohlich klingende Musik. Ein Riesen-Kreuz erscheint auf dem Bildschirm, dazu der Titel der im Dezember ausgestrahlten ARD-Dokumentation: „Die hippen Missionare. Mit Jesus gegen die Freiheit?“

Am 16. Dezember erschien diese Doku im Bayerischen Rundfunk über angeblich „gefährliche Christen“.
Man hat das Gefühl, die ARD will die Zuseher warnen
Nicht einmal eine Minute ist vergangen und schon dünkt einem: Den Journalisten geht es nicht um objektive Berichterstattung und Beschreibung. Sie wollen kritisch einordnen. Man kommt um das Gefühl nicht herum, Andreas Herz und Ralph Gladitz wollen die in ihren Augen unaufgeklärten und naiven Zuseher warnen: „Doch hinter der hippen Instagram-Fassade zeigen sich auch erzkonservative bis reaktionäre Botschaften.“ So wird die Doku in der ARD-Mediathek beschrieben.
Zur Erklärung: In der rund 45-minütigen Doku werden drei stark wachsende charismatische Gruppierungen ins Visier genommen – das überkonfessionelle Gebetshaus in Augsburg mit dem Gründer Johannes Hartl, die katholische Loretto-Gemeinschaft und die aus den USA kommende katholische FOCUS-Bewegung.
Weder Sexskandale, noch Sturz der Demokratie
Ganze zwei Jahre hatten die beiden ARD-Journalisten Zeit zum Recherchieren. Sie haben „exklusive Einblicke gewonnen“, steht in der Beschreibung weiter. „Die Dokumentation taucht tief ein.“ Wer jetzt erwartet, den Machern sei der ganz große Coup gelungen – Aufdeckung von sexuellem und/oder geistlichem Missbrauch, Veruntreuung von Geldern, Sexskandale, ein Plan zum Sturz der Demokratie und Aufrichtung einer Theokratie –, der irrt. Die beitragsfinanzierten Journalisten haben anscheinend in zwei Jahren „recherchiert“, was jeder auf der Website der entsprechenden Gruppen nachlesen kann: Die geistlichen Angebote – von Konferenzen bis hin zu mehrmonatigen Schulungen für junge Leute – kosten Geld! Und müssen von den Teilnehmern aus eigener Tasche bezahlt werden! Das ist anscheinend schwer vorstellbar für Menschen, die von den Pflichtbeiträgen anderer Menschen leben.
Die Initiativen erhalten keinen Cent Kirchensteuer
Jedes Yoga-Retreat kostet Geld. Menschen sind bereit, Unsummen für Coachings, Psychotherapie, „Detox Retreat“, „Kreativurlaub“ oder Achtsamkeitsseminare auszugeben. Ob das etwa auch von den ARD-Journalisten problematisiert würde? Vermutlich nicht. Vielleicht hat das damit zu tun, dass die meisten Deutschen es gewohnt sind, dass kirchliche Angebote gratis sind. Genaugenommen sind sie nicht umsonst, sie werden mittels Kirchensteuer finanziert. Ein Großteil der charismatischen Projekte, die in dem Film vorgestellt werden, bekommen allerdings keinen Cent davon. Es handelt sich um Unternehmen, die sich selbst um ihre Finanzierung kümmern müssen.
Dafür ist das, was sie bieten, meist äußerst professionell. Dass etwa hochkarätige Sprecher auf der Glaubenskonferenz „MEHR“ des Gebetshauses auftreten, die seit 2008 alle zwei Jahre stattfindet, wird in dem Film nicht erwähnt. 2026 etwa kommt die deutsche Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye, die 2024 bei den Olympischen Spielen Gold gewann. Ein weiterer Sprecher ist der Astronomie-Professor und Bestseller-Autor Heino Falcke. Beide sind bekennende Christen.
Der Gründer des Gebetshauses in Augsburg, der Theologe Johannes Hartl, wird in der Doku als raffinierter, aber gefährlicher Kommunikator inszeniert. Dass er für seine Doktorarbeit in Theologie die höchste Auszeichnung „summa cum laude“ erhielt, verschweigen die Macher. Genauso, dass Hartl im November bei Österreichs größter Buchmesse „Buch Wien“ mit dem wohl wichtigsten zeitgenössischen österreichischen Philosophen, Konrad Paul Liessmann, am Podium saß und über Gott diskutierte. Doch dass Hartl ein hoch gebildeter, intelligenter und außerhalb der ÖRR-Blase ein sehr geschätzter Redner ist, passt nicht ins Narrativ der Doku der beiden Journalisten.

Johannes Hartl: Theologe, Philosoph und Gründer des überkonfessionellen Gebetshauses Augsburg
Im Laufe der Doku wird ins Visier genommen, dass die Loretto-Bewegung bei einer Veranstaltung für die Schließung einer Abtreibungspraxis betet oder dass sich der Katholik und vierfache Vater Johannes Hartl für eine klassische Familienkonstellation aus Vater, Mutter und Kind ausspricht. Den Journalisten gefällt es auch nicht, dass er sagt, Frauen und Männer seien unterschiedlich und die Gesellschaft brauche mehr Kinder. An diesem Punkt fragt man sich: Warum tun die Journalisten so, als seien diese Positionen „rechts“ oder sektenhaft? Lebensschutz, eine positive Einstellung zu Kindern, Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern oder dass eine Familie aus Vater, Mutter, Kind besteht, sind fundamentale christliche Positionen, die in jeder Konfession vertreten werden wie das Amen im Gebet. Mit einer politischen Einstellung haben diese Ansichten nichts zu tun.
ÖRR: Kiffen – ja; Jesus – nein
Etwas Neues lernt der Zuseher in der Doku „Die hippen Missionare“ nicht dazu. Es ist auch nicht das erste Mal, dass christliche erfolgreiche Gruppen oder Christfluencer derart geframt werden. Die Christfluencerinnen Jana Highholder, Jasmin Friesen, Millane Al-Masoud, das christliche Rapper-Duo „O’Bros“: Sie alle eint, dass sie wegen ihres Erfolges unter jungen Leuten im Visier von ARD, ZDF & Co. sind. Die Journalisten können es anscheinend nicht fassen: Jesus statt Drogen, Keuschheit statt „Hookup“-Kultur, Werte statt Relativismus. Wie können junge Menschen mit solchen Einstellungen nur so erfolgreich sein?
Christen werden selbstbewusst
Ein interessanter „Vibe-Shift“ vollzieht sich momentan: In der Vergangenheit, in Zeiten vor der massenhaften Verbreitung der sozialen Medien, haben derartige negativ geframte, einseitige Dokumentationen Christen Angst gemacht. Das Denken damals dürfte ungefähr so ausgesehen haben: „Der ÖRR ist einflussreich und spiegelt die Mehrheitsmeinung wider. Wenn die Sender schlecht über uns berichten und sie glauben, wir seien ‚rechts‘ oder ‚sekten-haft‘, muss da etwas Wahres dran sein.“ In der Folge haben die betroffenen Gruppen versucht, zu beschwichtigen. Sie sind in Deckung gegangen, haben sich den Kopf darüber zerbrochen, wie sie sich „bessern“ können, sodass die Journalisten das nächste Mal positiv über sie berichten.
Jetzt sind die Zeiten vorbei, in denen Christen duckmäuserisch aufgetreten sind. Das hat einerseits damit zu tun, dass die Medienlandschaft an Vielfalt gewonnen hat. Es gibt nicht mehr die klassischen Medienmonopole wie noch vor einigen Jahren. Andererseits kann heute jeder dank Instagram, TikTok und YouTube selbst an Reichweite gewinnen. Die sozialen Medien sind der Marktplatz der Jungen. Die Generation Z und die noch jüngere Generation Alpha informieren sich kaum noch bei klassischen Zeitungen, sondern generieren ihr Wissen durch Influencer.
Gebetshaus reagiert mit Humor auf Kritik
Anstatt also den Schwanz einzuziehen, gehen Christen auf ihren Social-Media-Kanälen nun in die Offensive. Das Team des Gebetshauses etwa reagierte auf die ARD-Doku mit einer gehörigen Portion Humor. Sie posteten auf Instagram ein T-Shirt, auf das sie „Hipper Missionar (gefährlich)“ druckten. Darunter schrieben sie: „Das sind die hippen Missionare, vor denen die ARD gewarnt hat. Nur Liebe geht raus an @ardmediathek“. Ein anderer Mitarbeiter, der in der Doku vorkommt, postete auf Instagram eine nicht ernst gemeinte, humoristische „Bewerbung an den Bayrischen Rundfunk“.

Auf die ADR-Doku „Die hippen Missionare“ reagierte das Gebetshaus mit diesem T-Shirt.
Das christliche Rapper-Brüder-Duo „O’Bros“, das im April 2025 auf Platz 1 der deutschen Album-Charts landete, verarbeitete die Kritik an sich in einem Song mit dem Titel „Wer sind diese“. Dort rappen die Brüder: „Aber wer sind diese O’Bros, sind die gefährlich? / Sie geh’n auf Tour und das Ordnungsamt beschwert sich“. Und weiter: „Sie bekomm’ ’ne heart attack, wollen lieber harten Rap / Wär’n die Texte übers Kiffen, wär’n sie plötzlich alle nett / Hört auf nach links und rechts zu schauen, schaut mal nach oben / Kuss geht raus an die Medien und die Theologen“.

Bei dem Rapper-Duo „O’Bros“ handelt es sich um die Brüder Maximilian und Alexander Oberschelp.
Der Bayerische Rundfunk stellte in einem Artikel die Frage, ob die Musik der Rapper „Einfallstor für das reaktionäre Gedankengut der religiösen Rechten“ sei.
Erfolgreiche, wertorientierte Christfluencer: verdächtig!
Auch Leonard Jäger, besser bekannt als „Ketzer der Neuzeit“, wird regelmäßig zur Zielscheibe des ÖRR. Sein YouTube-Kanal zählt 577.000 Abonnenten, auf „X“ folgen ihm über 50.000. Er ist für seine Versuche bekannt, auf vor allem Anti-AfD-Demonstrationen zu gehen und dort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Im Dezember erschien eine zweite Dokumentation im WDR mit dem Titel „Rechte Christfluencer: So beeinflussen sie Jugendliche in Social Media“. Dort wird Jäger kritisch beäugt, weil er mit AfD-Politikern in Kontakt steht und er es geschafft hatte, auf Donald Trumps Wahlparty in Mar-a-Lago eingeladen zu werden. Bei dem AfD-Bundesparteitag in Riesa hatte der 25-Jährige die Möglichkeit, Alice Weidel für seinen Kanal zu interviewen. Er redet mit der AfD-Vorsitzenden allerdings nicht über Politik, sondern über den Glauben. Jäger selbst wuchs laut eigenen Angaben nicht mit dem Glauben auf, sondern bekehrte sich erst vor fast drei Jahren zum Christentum. Als Jugendlicher war er bei „linken Demos“ und der Antifa dabei, weil er immer schon politisch interessiert gewesen sei, wie er in einem Interview erzählt. Der „Ketzer“ hat keine Angst vor der eigenen Blase. Das beweist er in einem Video, in dem er verkleidet als queere Person auf eine AfD-Kundgebung geht, um zu schauen, wie die Teilnehmer auf ihn reagieren.

Beim „Ketzer“ zu Gast: Ex-ZDF-Moderator Peter Hahne
Die 27-jährige Ärztin und Influencerin Jana Highholder ist ein weiteres Beispiel für eine Christfluencerin, die in unzähligen Artikeln und Dokumentationen des ÖRR als „rechts“ geframt wird, weil sie sich gegen Abtreibung ausspricht oder dafür plädiert, mit Sex bis zur Ehe zu warten. Dabei war Highholder noch vor einigen Jahren der Liebling der evangelischen Landeskirche (EKD). In einem kürzlich erschienenen Podcast mit dem „Ketzer der Neuzeit“ erzählt sie von dem Erfolg des EKD-YouTube-Kanals „Jana glaubt“ und dem jähen Ende, weil Highholder sich zu ihren biblischen Ansichten bekannte. Doch diese sind nicht nur dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern sogar der evangelischen Landeskirche zu „radikal“.
Nur eine linke Kirche ist eine gute Kirche?
Wenn man sich die Berichterstattung des ÖRR über diese jungen, erfolgreichen, hübschen, gläubigen und wertebewussten Menschen ansieht, die immer nach demselben Muster abläuft, kommt man nicht umhin, zwei Annahmen zu treffen. Die erste ist: ARD, ZDF & Co. haben prinzipiell etwas gegen das Christentum. Die zweite, wahrscheinlichere, ist: Sie finden Christentum nur gut, solange es unauffällig ist wie ein Mauerblümchen. Oder, noch wahrscheinlicher: Kirche ist nur dann gut, wenn sich alles um Anti-Rassismus, Anti-Diskriminierung, Queerness oder „Refugees Welcome“ dreht. Die Journalisten des ÖRR wünschen sich in Wahrheit keine christliche Kirche, sondern eine zutiefst politisch linke. Quasi den verlängerten Arm der Grünen. Zu diesem Ergebnis kommt man, wenn man sieht, welche „Thelog*innen“ und „Pastor*innen“ die Macher der Dokus den christlichen Influencern gegenüberstellen.
In der WDR-Doku über „rechte Christfluencer“ ist das etwa die evangelische Theologin Sarah Vecera. Sie ist Bildungsreferentin mit dem Schwerpunkt „Rassismus und Kirche“ und hat den Eröffnungsgottesdienst beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt gehalten. In der Doku legt sie an einer Stelle ihre „bunte Stola aus Südafrika“ um und kommentiert: „Die bringt was mit, was nicht so patriarchal-westlich-deutsch angehaucht ist.“
Es wird Zeit, dass der ÖRR der Wahrheit ins Auge blickt: Woke Theolog*innen wie Sarah Vecera werden niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Die 68er-Generation an Priestern, Kirchenmitarbeitern und Pfarrerinnen mit ihren Regenbogen-Stolen ist eine aussterbende Spezies. Die Jugend will keine politisierte Kirche, sondern puren Glauben, Werte und Wahrheit, an der sie sich orientieren kann. ARD und ZDF werden diese Stoßrichtung nicht austreiben können, mögen sie toben, so viel sie wollen.
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