Immer mehr Lastenfahrräder! Warum tut ihr das den Kindern an?
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Eigentlich ist es eine Erfolgsgeschichte – innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Lastenfahrräder um zehn Prozent gestiegen. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes wurden in einem Jahr mehr als 235.000 Lastenräder in Deutschland verkauft, zwei Drittel davon als E-Bike.
Das Ergebnis kann man vor allem in den Städten jeden Morgen vor Schulbeginn sehen: ein Lastenfahrrad nach dem anderen, meist sind die Bürgersteige blockiert. Eltern hieven ihre schlechtgelaunten Kinder aus dem Lastenfahrrad, das von einer Wetterfolie geschützt wird. Sie hatten sich darin gedrängt, oft zu zweit, manchmal auch zu dritt. Damit sie ruhig sind, spielen viele mit ihrem Handy.
Lastenfahrräder sind superschwer – bis zu 75 Kilogramm
Was ist dagegen zu sagen, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Fahrrad in die Schule bringen? Erstmal sind Lastenräder gefährlich. Sie sind nicht nur deutlich größer als normale Fahrräder, sondern auch deutlich schwerer. Je nach Modell wiegen sie zwischen 25 und 75 Kilogramm – und das ohne Beladung. Ein modernes Fahrrad wiegt nicht über 15 Kilogramm, das ist schon beim Gewicht ein gewaltiger Unterschied.
„Vor allem dreirädrige Lastenräder sind schwer zu fahren, und sie sind hochgradig kippanfällig“, sagt UDV-Radversicherungs-Leiterin Kirstin Zeidler. Bei einem Unfall böten sie den Kindern keinerlei Schutz für Kopf und Oberkörper. Lastenfahrräder seien überwiegend für den Transport von Kindern ungeeignet, sagt die Unfallforschung der Versicherer. Weder Sitzbänke noch Rückenbänke der Lastenfahrräder seien für die Beförderung von Kindern ausreichend. Hinzu komme, dass jedes zweite Kind im Lastenfahrrad keinen Helm trage und ein Drittel gar nicht oder nicht korrekt angeschnallt sei. Die Unfälle seien überwiegend ohne Beteiligung Dritter.
Das ist der eine, der gefährliche Teil des Kindertransportes in Lastenfahrrädern. Ich glaube aber, es gibt noch eine ganz andere, eine viel tiefer sitzende Gefahr. Und die hat mit dem zu tun, was Millionen von uns als Kind erlebt haben.

„Vor allem dreirädrige Lastenräder sind schwer zu fahren, und sie sind hochgradig kippanfällig“, sagt UDV-Radversicherungs-Leiterin Kirstin Zeidler.
Ist es wirklich gefährlich, wenn ein Kind allein in die Schule geht?
Wer einen kurzen Schulweg hatte, ging früher zu Fuß. Etwas längerer Schulweg – man nahm Bahn oder Bus. Oder man stieg eben selbst aufs Fahrrad, wenn man groß genug war. Das Wichtigste vor der Schule war: Herumalbern mit Gleichaltrigen. Herumrennen, sich bewegen. Nichts war schlimmer, als stillzusitzen. Und schon gar nicht eingepfercht in einen Kasten, gezogen vom Vater oder der Mutter. Sowas gab es damals nicht, sowas hätte man sich nicht mal vorstellen können.
Ich bin neulich nochmal den Schulweg zu meiner Grundschule in der Berliner Kastanienallee abgelaufen. Die paar hundert Meter zur Schule – ich konnte das Stimmengewirr von damals noch hören, wenn man sich am Morgen begegnete. Lachen, rennen („Erster!“), Quatsch machen – schon vor den Schulstunden.
Wir waren immer in Bewegung. Und immer draußen. Ich erkannte noch jedes Haus auf dem Weg zur Schule, an denen wir (meist gerade noch pünktlich) vorbeigerannt waren.
Mein Fazit zu den Erfolgszahlen der verkauften Lastenfahrräder: Denken Sie dran, liebe Eltern – Kinder freuen sich, auch allein in die Schule zu fahren. Und man muss auch keine Angst davor haben. Sie freuen sich, wenn sie sich bewegen können. Und ohne Eltern herumtollen. Mag es ein bisschen altmodisch klingen: So war es gestern. So ist es heute.
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