Deutschland schützt Schweine bei Hitze besser als alte und kranke Menschen
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Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist überfordert, wenn es im Sommer heiße Tage gibt. Ihr Staat lässt Alte, Kranke und Schwache ohne Klimatisierung in Krankenhäusern und Pflegeheimen unnötig leiden. Schweine in der Massentierhaltung genießen bei Hitze einen besseren staatlichen Schutz als Menschen. Ein inakzeptabler Zustand.
38 Grad in der vierten Etage der Uniklinik Düsseldorf. In den Zimmern, die für frisch operierte Herzpatienten vorgesehen sind. Keine Klimaanlage, keine Abhilfe, die Patienten müssen den ganzen Tag in ihrem Schweiß liegen. Menschen, die teilweise seit Jahrzehnten jeden Monat hohe drei- und vierstellige Summen an Krankenkassenbeiträgen bezahlen mussten, sind einem System ausgeliefert, das unnötiges Leid von Bürgern in Kauf nimmt.
Fassadenbegrünung statt Klimaanlage
Sie müssen Qualen durchleiden, weil der deutsche Staat in seinem Kampf gegen Hitze alles tut, nur nicht das Richtige. Unter Karl Lauterbach arbeitete das Bundesministerium für Gesundheit einen „Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser“ aus. In dem Dokument heißt es angesichts „anzunehmender vermehrter Hitzeperioden“: „Der Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser soll deshalb dazu dienen, hitzebedingte Gesundheitsrisiken von Patientinnen und Patienten sowie der Beschäftigten zu reduzieren.“

38° Celsius waren es bereits vor dem Wochenende auf der Herzstation der Uniklinik Düsseldorf
In dem sechsseitigen Maßnahmendokument kommt dann vieles vor, ein Wort wird jedoch geflissentlich vermieden: „Klimaanlage“. Unter „Maßnahmen bei Hitze-Warnstufe 1 des DWD“ wird beispielsweise gefordert: geschlossene Fenster am Tag, nächtliches Lüften, ausreichend Getränke oder ein Sommerspeiseplan. Bei der Hitze-Warnstufe 2 sollen dann „besonders heiße Zimmer“ geschlossen und vulnerable Patienten in kühlere Zimmer gebracht werden. Mittel- und langfristig werden „Fassadenbegrünung, Hitzeschutzfolien, kühlende Vorhänge“ sowie zusätzliche Waschbecken vorgeschlagen. Auch hier kein Wort über Klimaanlagen.
In den USA, dem Land des Individualismus, werden momentan Fußballstadien bei größter Hitze problemlos auf angenehme 20 Grad heruntergekühlt, in Deutschland, dem Land der Kollektivromantik, wird über Fassadenbegrünung, Vorhänge und Waschbecken geschwurbelt. Die einfachste Lösung wird tapfer ignoriert. Das hat natürlich auch ideologische Gründe.
Technokratische Menschenverachtung
Lea Eggers vom Kompetenzzentrum für klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen erklärte im Deutschlandfunk: „Und gerade Klimaanlagen sind natürlich wichtig, und wir müssen die Patient*innen irgendwie kühlen in den heißen Sommermonaten. Aber wenn man dann wieder den Schritt zurückmacht – und wir arbeiten ja auf eine Klimaneutralität hin –, dann kann man natürlich nicht überall einfach Klimaanlagen anbauen.“ Im Einsatz für das Weltklima und angesichts der tendenziell prekären deutschen Stromversorgung rückt das individuelle Bedürfnis, im Krankenhaus nicht bei 40 Grad leiden zu müssen, in den Hintergrund und macht Platz für technokratische Menschenverachtung.

In einem Werbevideo für das Marienkrankenhaus berichtet Lea Eggers über ein Projekt zur Mülltrennung. Inzwischen arbeitet sie laut LinkedIn bei der „Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit“.
Nicht nur die deutschen Krankenhäuser quälen in diesen Tagen unzählige Menschen, auch die vielen Senioren- und Pflegeheime sind größtenteils nicht klimatisiert. Ein Altenheim in Dormagen musste evakuiert werden, weil circa 160 Senioren Temperaturen von bis zu 35 Grad ausgesetzt waren. Ein Bewohner starb; ob es direkt an der Hitze lag, ist noch unklar.
Die Stiftung Patientenschutz betont: „Wieder leiden viele der 800.000 Pflegeheimbewohner unter den extremen Temperaturen. Bestandsbauten müssen endlich den klimatischen Bedingungen angepasst werden.“ In Deutschland kostet ein Pflegezimmer einen mittleren vierstelligen Betrag im Monat, eine Klimaanlage scheint für das Geld nicht möglich zu sein. An Schulen und in anderen staatlichen Einrichtungen sieht es kaum besser aus. Es ist ein alljährlicher Skandal, der in Summe einer siebenstelligen Anzahl von Bürgern unnötiges Leid und viel zu häufig sogar den Tod bringt.
Für Schweine gilt staatliche Fürsorge
Jedes Schwein wird bei Hitze in der Massentierhaltung besser geschützt als Alte, Kranke und Schwache in Deutschland. Sobald mehr als 30 Grad Außentemperatur herrschen, dürfen Schweinetransporte insgesamt maximal 4,5 Stunden dauern. Sie müssen belüftet werden; bei großer Hitze fahren Transportunternehmen häufig in der Nacht oder früh am Morgen, oft auch mit freiwilliger Reduktion der Besatzdichte, damit die Luft besser zirkulieren kann.

Für den Transport von Vieh gelten strenge Regeln. Für Menschen nicht.
In den Schweineställen muss laut der Tierschutzverordnung gewährleistet sein, dass Temperatur, relative Feuchte und die Gaskonzentration der Luft in einem Bereich liegen, der für die Tiere unschädlich ist. Dafür müssen angemessene Kühlvorrichtungen vorhanden sein.
Bei Schweinen achtet der Staat darauf, dass sie in der Massentierhaltung keinen schädlichen Temperaturen ausgesetzt sind. Er fordert hinreichende Vorrichtungen, um die Tiere vor Hitze zu schützen. Bei Menschen akzeptiert der Staat, dass sie nach Operationen im Krankenhaus oder im hohen Alter in Pflegeheimen nahezu schutzlos extremen Temperaturen ausgesetzt sind.
Die Lösung liegt auf der Hand
In der abstrakten Modellierung des Klimawandels verliert man sich endlos. Kein Detail ist den Planwirtschaftlern zu komplex, als dass sie nicht die Behauptung aufstellen könnten, es mit einer Bürokratenarmee angehen zu können, teils Jahrzehnte im Voraus. Doch sobald es ins Konkrete geht, herrschen Hilflosigkeit und Apathie.

Viele moderne Klimaanlagen (Split-Geräte) arbeiten nach dem exakt gleichen physikalischen Prinzip wie Luft-Luft-Wärmepumpen. Warum sollte das eine dann nicht nachhaltig und gut fürs Klima sein?
Der Staat als dysfunktionale Institution, die bei Hitze an zwei Dutzend Einzelmaßnahmen denkt, aber die eine Maßnahme, die alle Probleme auf einen Schlag lösen würde, nicht in Betracht zieht. Binnen eines Jahres könnte jedes Krankenhauszimmer und jeder Altenheimplatz klimatisiert werden, wenn der Wille da wäre. Der Sommer 2026 könnte der letzte gewesen sein, in dem Menschen erzwungenermaßen an ihre körperlichen Grenzen kommen.
Ein Staat, der dank der enormen Abgabenlast im Vergleich mit allen anderen Nationen des Planeten zu den absoluten Spitzenverdienern gehört, muss seinen Bürgern mindestens bieten können, dass sie nach einer Herz-OP oder im Alter von 95 Jahren nicht bei 38 Grad Raumtemperatur vor sich hinvegetieren müssen.
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Ben Brechtken
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