Soy-Boy, Lauch, Softie sind out: Die neue Sehnsucht nach klassischer Männlichkeit
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Emanuela SutterÜber ideologische Lager hinweg haben Politiker von rechts wie von links verstanden: Die Männlichkeit steckt in der Krise. Zwischen #MeToo, Feminismus und dem Ideal des „performativen Mannes“ ringen junge Männer zunehmend um Orientierung und stellen sich die Frage, was einen Mann heutzutage überhaupt ausmacht. Gleichzeitig beklagen Frauen in sozialen Medien, dass es keine „echten Männer“ mehr gebe.
Der „Playboy“ und die Grünen sind keine besten Freunde. 13 Jahre ist es her, dass ein Grünen-Politiker dem Männer-Lifestyle-Magazin das letzte Mal ein Interview gegeben hat. Am Dienstag hat sich die Ex-Vorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, jedoch die neueste Ausgabe des „Playboy“ gekauft, wie sie in einem Instagram-Reel präsentiert.

Die grüne Ex-Vorsitzende Ricarda Lang lässt sich dabei filmen, wie sie einen „Playboy“ kauft.
Das dürfte kein Zufall sein: In der aktuellen Ausgabe kommt Langs Nachfolger Felix Banaszak über sechs Seiten zu Wort. Der 36-Jährige äußert sich darin unter anderem ausführlich zum Thema moderne Männlichkeit.
Banaszaks Tipp: „Sei kein Arschloch!“
In einer gleichberechtigten Gesellschaft können sich Männer von „einengenden Rollenerwartungen freimachen“, so Banaszak. Moderne Männlichkeit sei für den Politiker „breit gefächert“ und von „Freiheit“ gekennzeichnet. Ob lackierte Fingernägel, Pumpen im Fitnessstudio, Lastenradfahren oder BMW X3 besitzen – das alles sei für ihn Teil von Männlichkeit. „Von mir aus geh mit lackierten Fingernägeln pumpen. (…) Alles fein, der zentrale Punkt ist doch: Sei kein Arschloch!“, führt Banaszak aus.

Felix Banaszak, seit November 2024 Vorsitzender der Grünen, redet im aktuellen „Playboy“ über moderne Männlichkeit.
Krah empfiehlt: „Geh raus an die frische Luft, steh zu dir, sei selbstbewusst“
Auch Maximilian Krah, Enfant terrible der AfD, redet über Männlichkeit und hat seine eigenen Vorstellungen dazu. In einem viel diskutierten Social-Media-Video aus dem Jahr 2024 sagt er: „Echte Männer sind rechts, echte Männer haben Ideale, echte Männer sind Patrioten.“ Datingtipps bekommt der männliche Zuschauer auch gleich mit auf den Weg: „Schau keine Pornos, wähle nicht die Grünen, geh raus an die frische Luft, steh zu dir, sei selbstbewusst.“
Politiker im linken und rechten Lager scheinen zu spüren, dass die Frage, was einen Mann wirklich ausmacht, jüngere Menschen umtreibt, allen voran Millennials und die Generation Z.
Frauen klagen über verweichlichte Männer
Auf Instagram, TikTok und Co. macht derzeit ein Video die Runde. Darin zu sehen: eine Gucci-Männer-Modeshow aus dem Jahr 1995 und eine aus 2025. 1995 ging US-Supermodel Jason Lewis über den Laufsteg. Er ist der Inbegriff eines klassischen Männlichkeitsideals: groß, breitschultrig, kantige Gesichtszüge. Selbstbewusst schreitet er über den Catwalk, während seine Augen mit dem Publikum flirten. Dann sieht man Szenen aus einer Modeshow 30 Jahre später. Die Männermodels haben sich gewandelt. Sie sind nun androgyn und schmal, strahlen Unsicherheit und Introvertiertheit aus, wirken wie verängstigte Jungs, die zufällig über einen Laufsteg schleichen.

Dieser viral gegangene Clip vergleicht Gucci-Modeshows aus den Jahren 1995 und 2025.
Unter dem Video, das auf unterschiedlichen Profilen geteilt wurde: unzählige, von Sehnsucht geprägte Kommentare von Frauen. „Bringt die 1995 zurück“, schreibt eine, „90er-Jahre-Männer waren die besten!“, eine andere. „1995 war einfach besser. Bessere Mode, bessere Männer. Echte Männer“, kommentiert eine Frau. Ein weiterer Kommentar wurde gleich 3000 Mal geliked: „Das ist der Grund, warum Frauen Single bleiben.“ Damit hat die Verfasserin offenbar einen Nerv getroffen. In der Kommentarspalte wird heftig diskutiert. Eine Frau schreibt selbstkritisch: „Frauen sind Teil des Problems. Wir sind die, die den Tod der Männlichkeit wollten und Männer dafür beschämten, Männer zu sein.“
Die Kommentare sind nicht überraschend: Millennial- und Gen-Z-Frauen beklagen, dass es keine „richtigen Männer“ mehr gebe. Für ein Date bezahlen? Die Türe aufhalten? Restaurant aussuchen? Verbindliche Beziehung? Fehlanzeige, finden viele. Heute, so scheint es, möchte Soja-Sören selbst die Prinzessin sein und auf Händen getragen werden.
Doch Hand aufs Herz: Frauen, falsch verstandener Feminismus und aufoktroyierte Gleichberechtigung haben dazu beigetragen, dass sich eine gewisse Verunsicherung unter Männern, primär unter 40, breitgemacht hat.
Die „neue Frau“: hart, kalt, unabhängig?
Der Feminismus hat nicht nur dazu geführt, dass Frauen glücklicherweise Männern rechtlich gleichgestellt wurden. Das kulturell-gesellschaftliche Nebenprodukt der Bewegung war, dass Frauen dazu angehalten wurden, maskuline Eigenschaften anzunehmen: Sie wurden regelrecht auf den Arbeitsmarkt, in „nine-to-five-Jobs“ gedrängt, Hausfrauen als „Heimchen vom Herd“ belächelt, kinderreiche Mütter skeptisch beäugt. Die „neue Frau“ soll hart, kalt, unabhängig, selbstständig und selbstbewusst sein. Sich von einem Mann in den Mantel helfen zu lassen oder auf ein Abendessen eingeladen zu werden, galt in den vergangenen zwei Jahrzehnten als Zeichen von Abhängigkeit und Ungleichheit. Die Rechnung soll aufgeteilt werden, bitte schön. So verlangt es die neue Gleichberechtigung.
Und während Frauen dazu angehalten wurden, männlicher zu werden, sollten Männer femininer werden. Sie sollen mehr Gefühle zulassen, weinen, sensibel und empathisch sein, mehr „Care-Arbeit“ übernehmen, Frauen die Top-Jobs überlassen und generell softer, weicher und zurückhaltender werden.
#metoo stellte Männer unter Generalverdacht
Die #metoo-Bewegung hat ihr Übriges dazu beigetragen. Ja, selbstverständlich: Es ist gut und wichtig gewesen, dass sexueller Missbrauch am Arbeitsplatz ins gesellschaftliche Scheinwerferlicht gerückt wurde. Aber man hat das Kind wieder einmal mit dem Bade ausgeschüttet und Männer unter Generalverdacht gestellt. Im Zuge von #metoo trauten sich viele Männer in den USA nicht mehr, mit Frauen zusammenzuarbeiten, aus Angst vor falschen Beschuldigungen. Das geht aus einer US-Studie der Professorin Leanne Atwater aus dem Jahr 2019, zwei Jahre nach #metoo, hervor, wie der Deutschlandfunk berichtete. Fast die Hälfte der Studienteilnehmer fürchte sich vor unfairen Anschuldigungen. Viele Männer würden Frauen am Arbeitsplatz lieber aus dem Weg gehen.
Jetzt, fast 10 Jahre nach Aufdeckung des Weinstein-Skandals und #metoo, macht sich eine gewisse Ernüchterung breit. Besonders in den sozialen Netzwerken klagen junge Frauen über passive Männer, die ihnen die gesamte Date-Planung überlassen und die Rechnung teilen. Frauen in Partnerschaften erzählen, dass sie mit ihrem 40-Stunden-Job und gleichzeitiger Kindererziehung überfordert seien. Da mutet es fast schon ironisch an, wenn als „Tradwifes“ abgewertete Influencerinnen berichten, wie schön und erleichternd es für sie sei, dass ihr Mann das Geld nach Hause bringe und sie sich dafür uneingeschränkt um Kinder, Haus, Einrichtung, Garten und Kochen konzentrieren könnten.
Auch Männer mit Jutebeutel können toxisch sein
Mittlerweile scheint es auch ins Bewusstsein bekennender linker Feministinnen gedrungen zu sein, dass nicht nur Männer rechts des politischen Spektrums „red flags“ haben, bedeutet: untrüglich toxische Warnsignale aussenden. Mittlerweile stellt sich zunehmend heraus, dass auch diese Frauen vielerorts einsehen müssen, dass pazifistische, linkseingestellte, sensible, aufgeklärte Männer mit Nagellack, Jutebeutel und Fingerringen, die mit ihnen auf Demos „gegen Rechts“ gehen, eben doch nicht so rücksichtsvoll, verantwortungsbewusst und emotional intelligent sind, wie sie dachten.
2025 verbreitete sich auf Instagram und TikTok ein neuer Begriff für genau diese Art von Männern: „Performative Male“. Übersetzen kann man die Bezeichnung des „performativen Mannes“ auch als die des „Haltungsdarstellers“. Es geht dabei um Männer, die sich als Feministen inszenieren, also öffentlich wirksam Matcha-Latte mit Hafermilch trinken, sich vegan ernähren und feministische Bücher in der U-Bahn lesen. Sie sind woke, schützen das Klima und informieren sich über Frauenrechte und andere unterdrückte Minderheiten. In unzähligen Videos machen sich Nutzer in sozialen Medien über den „Performative Male“ lustig. Aber dahinter steckt noch eine andere Wahrheit: Auch Männer, die links sind und nach außen hin die dazugehörigen Codes und Klischees erfüllen, können toxisch sein. Der neumodische Begriff beschreibt, auf den Punkt gebracht, Verhalten, das von schlechtem Charakter zeugt. Als „toxisch“ werden Männer bezeichnet, die etwa ihre Freundinnen betrügen, sie kontrollieren, nicht zu ihrem Wort stehen, Frauen etwas vorspielen, krankhaft eifersüchtig oder dominant sind.
Es ist doch so: Solche Männer verteilen sich überall und richten sich nicht nach ideologisch gewünschten Vorgaben, sie sind im gesamten politischen Spektrum zu finden. Ein schlechter Charakter hat nichts mit Parteizugehörigkeit zu tun.

Viele junge Männer machten sich 2025 im Internet über „performative males“ lustig.
Feiert männliche Eigenschaften und bekämpft sie nicht mehr!
Fakt ist doch: Männer sind verunsichert in ihrer männlichen Identität. Die Frage aller Fragen scheint zu sein: „Which way, young men?“. Und: „Was macht einen guten Mann aus?“
Die einfache Lösung könnte darin bestehen, wieder anzuerkennen, dass Männer und Frauen im Durchschnitt einfach das sind, was so vehement abgelehnt wurde: unterschiedlich. Und das ist gut so! Die Komplementarität von Mann und Frau sollte gefeiert werden: Die Geschlechter haben unterschiedliche Stärken, die sich im besten Falle aufs Schönste ergänzen können.
Die Voraussetzung dafür ist allerdings, Männer wieder unbeschwert Mann sein zu lassen. Wer die Krise der Männlichkeit zu einem glücklichen Ende führen will, sollte damit beginnen, kleine Jungen nicht für das zu bestrafen, was Männer ausmacht. Stärke, Mut, Durchsetzungsvermögen, Risikobereitschaft oder Zielstrebigkeit sind keine „toxischen“ Eigenschaften, sondern Bausteine eines selbstbewussten Lebens – und genau diese Qualitäten gilt es zu fördern, statt sie zu unterdrücken. Gleiches gilt für Frauen: Sie müssen wieder frei Frau sein dürfen, ohne dass jede Rollenentscheidung moralisch beleuchtet oder ideologisch bewertet wird.
Der simple Ratschlag des Grünen-Chefs Felix Banaszak im Playboy für Männer, einfach „kein Arschloch“ zu sein, reicht nicht aus.
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